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Rheinfränkisches Kochbuch (Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v))

Mittelrhein, ~1445 · Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)

Damit Petersilie sofort keimt (Garten-Trick)

Moderne Übersetzung

Damit die Petersilie sofort wächst: Nimm gebrannten Wein und lege Petersiliensamen drei Tage darin ein. Danach säe die Samen in heiße Asche oder in fette, fruchtbare Erde.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gebrantten win Gebrannter Wein Supermarkt (Spirituosen) Brandy oder Schnaps
peterlin samen Petersiliensamen Gartencenter -
heisz esze Heiße Asche (warme Holzasche) - Warme, kaliumreiche Holzasche als Saatbett
feist erde Fette Erde Gartencenter Fruchtbarer Boden oder Komposterde

Zubereitungshinweis

Kein Kochrezept, sondern ein Garten-Trick. Die beiden letzten Einträge des Buchs (rfk-075 und rfk-076) sind keine Speisen, sondern Kunststücke, um Petersilie schnell zum Keimen zu bringen. Petersilie keimt notorisch langsam und unzuverlässig - im Volksmund 'geht sie siebenmal zum Teufel, ehe sie aufgeht'. Dagegen kannte man allerlei Kniffe.

'Das petirlin wasz von stunt' = 'Damit die Petersilie sofort wächst'. wasz ist hier das Verb wachse (zu wachsen), von stunt heißt 'sofort, auf der Stelle'. Die Zeile ist also eine Überschrift; genauso endet das Schwester-Rezept rfk-075 mit so wyst er = 'so wächst er'.

Die Wissenschaft dahinter - und der Haken. Petersiliensamen (ein Doldenblütler) keimt langsam wegen einer harten, wachsig-öligen Schale und keimhemmender Stoffe (ätherische Öle, Furanocumarine). Alkohol ist ein gutes Lösungsmittel: Er löst die Wachsschicht an und wäscht die Hemmstoffe aus, sodass danach Wasser schlagartig eindringen kann und die Keimruhe bricht - modern heißt das Alkohol-Priming. Der Haken: Heute nutzt man dafür sehr niedrige Konzentrationen (etwa 0,5-2 %); reiner Branntwein mit 30-40 % würde dem Samen Wasser entziehen und ihn über drei Tage eher abtöten.

Warum es im Mittelalter trotzdem klappte. Branntwein des 15. Jahrhunderts war meist nur einfach destilliert - eher 15-20 % statt modernem Korn -, und im offenen Gefäß verdunstete der Alkohol über die drei Tage, sodass am Ende vor allem Wasser zurückblieb. Die anschließend heiße Asche bzw. warme Erde beschleunigte zusätzlich den Stoffwechsel der nun entschälten Samen - sie trieben in Rekordzeit aus.

Praxis - sichere moderne Variante. Drei Tage in starkem Branntwein besser nicht nachmachen. Hartnäckige Samen (Petersilie, Chili) stattdessen nur wenige Minuten bis höchstens eine Stunde in stark verdünntem Alkohol (oder Kamillentee) einweichen - oder schlicht über Nacht in handwarmem Wasser vorquellen. Dann in vorgewärmte, gut gedüngte ('feiste') Erde säen und feucht halten.

fyndling.de/rezepte/rfk-076/