Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)
Gestoßenes von der Hennenbrust mit Mandeln und Weißbrot
Moderne Übersetzung
Nimm die Brust einer gut gekochten Henne. Hacke sie klein auf einem sauberen Schneidebrett und gib sie in einen Mörser. Schneide Mandeln, die über Nacht in Wasser eingeweicht wurden, dazu und stoße alles gut durcheinander.
Nimm Hennenbrühe, auf der kein Fett ist, in eine Schüssel. Schneide ein Stück entrindetes Weißbrot hinein, das in der Brühe weich geworden ist. Gib es zu dem Gestoßenen und stoße es ebenfalls mit. Verdünne die Masse mit der Brühe, die du von der Henne genommen hast, und streiche sie durch ein Haartuch, sodass sie schön dick wird. Gib sie in einen sauberen, verzinnten Fischkessel und lass sie einmal aufkochen. Ist das geschehen, gieße sie über die gekochte Henne, wenn du anrichtest. Begieße das Ganze mit Fett, das du von einem Rindfleisch abgeschöpft hast, so sieht es auf der weißen Speise schön lieblich aus.
Variante: Gestoßenes allein, mit gezuckerten gerösteten Brotbröckchen Willst du das Gestoßene aber allein geben, so schneide Brot von einem weißen Weck fein klein. Nimm milde Butter ohne Beigeschmack, mach sie gut heiß und wirf die Brotbröckchen in das heiße Fett. Röste sie rasch, sodass sie schön weiß und knusprig bleiben. Nimm weißen gestoßenen Zucker und streue ihn über das geröstete Brot, so wird es schön süß. Wenn du das Gestoßene angerichtet hast, gib das Brot in die Mitte auf das Gestoßene, so ist es lieblich zu essen.
Variante: Gestoßenes allein, gesüßt Und wenn du kein Brot auf das Gestoßene geben willst, so mach es mit gestoßenem Zucker süß und lass es damit aufkochen, so wird es gut und wohlschmeckend. Du kannst das Brot süß machen oder nicht, es ist auf beide Arten gut.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Hennenbrust | Brust einer alten Henne (Suppenhuhn), gekocht | - | Geflügelhändler, Metzger, Supermarkt (Suppenhuhn) | - |
| gesotten Heñen | gekochte Henne, zum Übergießen | - | Geflügelhändler, Metzger, Supermarkt (Suppenhuhn) | - |
| Mandel | Mandeln, über Nacht eingeweicht | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| Hennenbruͤh | Hennenbrühe, entfettet | - | selbst gekocht (vom Suppenhuhn) | - |
| beschnittenem Weck | Weißbrot, entrindet | - | Bäcker, Supermarkt | - |
| Feißt/ dz du von einem Rindtfleisch hast abgeschoͤpfft | Rinderfett, von einer Rindfleischbrühe abgeschöpft | - | selbst abgeschöpft; Metzger | Butterschmalz (moderne Notlösung, nicht im Text) |
| Butter/ die nicht schmeckt | Butter, frisch und mild | - | Supermarkt | - |
| weissen Weck | Weißbrot (für die Brotbröckchen) | - | Bäcker, Supermarkt | - |
| weissen gestossen Zucker | Zucker, weiß, gestoßen | - | Supermarkt | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Die Brust einer gekochten Henne, klein gehackt und im Mörser mit eingeweichten Mandeln und in Brühe erweichtem, entrindetem Weißbrot gestoßen, mit der Hennenbrühe durch ein Tuch gestrichen und einmal aufgekocht: eine dicke, helle, brotgebundene Masse. Rumpolt gießt sie über die gekochte Henne oder gibt sie allein, entweder mit gezuckerten gerösteten Brotbröckchen oder nur mit Zucker gesüßt. Heute erinnert sie an eine Geflügelcreme mit Mandeln und Brot; das ist eine Ähnlichkeit, keine Ableitung.
Welche Henne? Das Rezept steht im Kapitel von den alten Hennen. Gemeint ist also ein älteres Huhn, das lange gekocht wird, heute das Suppenhuhn, kein junges Masthähnchen. Die Brühe vom Kochen der Henne braucht man später zum Durchstreichen.
Mandeln und Brot. Der Text sagt nur, dass die Mandeln über Nacht in Wasser eingeweicht werden; ob man sie danach schält, sagt er nicht. Das Weißbrot weicht in Brühe, auf der kein Fett ist. Mandeln geben der Masse Fett und Körper, das Brot die Bindung. Die Brühe ist entfettet, damit die Masse nicht ölig wird und hell bleibt.
Stoßen, Durchstreichen, Aufkochen. Das Hacken vor dem Stoßen verkürzt die Arbeit im Mörser. Mit der Brühe verdünnt streicht man die Masse durch ein feines Tuch, bis sie schön dick ist; das Tuch hält Fasern und Brotreste zurück. Wie viel Brühe man nimmt, bestimmt die Dicke: sämig und noch gießbar, denn die Masse wird über die Henne gegossen. Laß ein Sudt auffthun heißt einmal aufkochen; dabei verkleistert die Stärke des Brots und bindet die Masse. Das Fleisch ist schon gar. Rühren nennt der Text nicht, bei einer so dicken Masse hält es sie aber vom Topfboden fern. Der verzinnte Kessel schützt vor Kupfergeschmack; heute genügt ein Edelstahl- oder Emailletopf.
Das Fett obenauf. Erst wird die Brühe entfettet, am Ende kommt doch Fett auf das Gericht: Fett, das von einer Rindfleischbrühe abgeschöpft wurde. Rumpolt begründet es allein mit dem Aussehen auf der weißen Speise. Für die beiden Varianten ohne Henne nennt er dieses Fett nicht.
Die Brotbröckchen. Die Butter soll mild sein, ohne Beigeschmack, also frisch und nicht streng. Rumpolt nennt sie, sobald sie heiß ist, Schmaltz; das ist hier nur das Wort für das heiße Fett. Die Würfel röstet man rasch, damit sie weiß und knusprig bleiben, zuckert sie und setzt sie erst beim Anrichten in die Mitte, sonst werden sie weich.
Praxis. Mengen und Zeiten nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 150 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; sie schließt das Kochen der Henne ein, nicht das Einweichen der Mandeln über Nacht. Statt des Haartuchs tut es ein feines Passier- oder Mulltuch. Wer keinen Mörser hat, kann Pürierstab oder Mixer nehmen; das ist eine moderne Abkürzung, Rumpolt stößt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rum-0696/
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