Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)
Holunderbeer-Latwerge ohne Gewürz
Moderne Übersetzung
Du kannst auch gut eine solche Latwerge aus Holunderbeeren machen, bei der man kein Gewürz daruntergibt, nur Zucker oder auch keinen Zucker, besonders wenn man sie zur Arznei brauchen will.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Hollunderbeer | Holunderbeeren | - | Wochenmarkt | - |
| Zucker | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine dick eingekochte Holunderbeermasse, eine Latwerge, in einer Fassung ohne Gewürz: nur mit Zucker oder ganz ohne, besonders wenn sie als Arznei dienen soll. Der Eintrag ist eine einzige Variantenzeile ohne Verfahren, Mengen oder Zeit.
Woher kommt das Verfahren? Das einzige ausgeführte Einkochverfahren in der Nähe ist das Weichselkonfekt Nr. 23 (rum-1888): Die Früchte ohne Stiele im Kessel aufkochen, kalt werden lassen, durch ein Haartuch streichen, im verzinnten Kessel auf Kohlen unter Rühren einkochen, damit nichts anbrennt, und halb eingekocht Zimt, Nelken und Zucker zugeben, bis die Masse dick ist. Dass Rumpolt mit „ein solche Latwerge“ genau dieses Rezept meint, ist erschlossen, Nr. 23 heißt bei ihm Confect. Für die Holunderlatwerge entfallen Zimt und Nelken.
Wasser oder nicht? Weichseln geben laut Nr. 23 von selbst genug Saft. Holunderbeeren sind saftärmer, der Text sagt nicht, ob man Wasser zugab. Praktisch: die Beeren kurz aufkochen, bei Bedarf mit einem Schuss Wasser, dann durchstreichen und einkochen.
Mit oder ohne Zucker. Rumpolt lässt beides zu. Zucker kommt nach dem Vorbild von Nr. 23 erst in die halb eingekochte Masse. Die Haltbarkeit von „ein Jar oder zwey“ nennt er nur für das gezuckerte Weichselkonfekt, für eine Latwerge ohne Zucker gibt er nichts an.
Praxis. Schwarze Holunderbeeren zur Erntezeit von den Dolden streifen, heute isst man sie nur gekocht. Ein Haartuch (meist Pferdehaar) oder ein feines Sieb hält Haut und Kerne zurück. Am Ende ständig rühren, die Masse brennt beim Eindicken leicht an. Eine Zeitangabe fehlt, sie hängt von Menge und gewünschter Dicke ab.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rum-1889/
fyndling.de/rezepte/rum-1889/