Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)
Nachlassenden Wein stärken: Rosen und Raute im Säcklein, Eiweiß, Weihrauch
Moderne Übersetzung
Eine andere Kunst.
Wenn ein Wein ganz nachgelassen hat, krank, schal und trüb geworden ist, nimm Rosen und Raute, von beidem gleich viel, und halb so viel geriebene Körner aus Tannenzapfen. Gib alles in ein Säcklein und hänge es mitten in den Wein, sieben Tage lang. Das bringt dem Wein all seine Kraft wieder und macht ihn klar, schön, stark und frisch zu trinken. Du kannst auch sauberen Beifuß dazutun und sauberen Weizen oder Weihrauch.
Ebenso: Nimm das Weiße von Eiern und verschlage es gut mit Salz. Gieß es in den Wein und schlage ihn kräftig durch, so kommt er in drei Tagen wieder zu sich selbst. Dann lass den Wein ab, damit er nicht nach den Eiern schmeckt, so wird er gut.
Ebenso: Nimm zwei Stück Weihrauch und leg sie in den Wein, der nachlässt, so wird er nicht schwächer.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Wein gantz ab hat genommen/ kranck/ seiger vnd truͤb | Wein, der ganz nachgelassen hat, krank, schal und trüb | - | - | - |
| Rosen | Rosen | - | - | - |
| Rauten/ eins so viel als deß andern | Raute, gleich viel wie die Rosen | - | - | - |
| halb so viel der Koͤrner auß Tannzapffen gerieben | Körner aus Tannenzapfen, gerieben, halb so viel wie Rosen und Raute | - | - | - |
| schoͤnen Beyfuß | sauberer Beifuß | - | - | - |
| schoͤnen Weitz | sauberer Weizen | - | - | - |
| oder Weihrauch | oder Weihrauch | - | - | - |
| das weiß von Eyern | das Weiße von Eiern | - | - | - |
| Saltz | Salz | - | - | - |
| zwei stuͤck Weihrauch | zwei Stück Weihrauch | 2 Stück | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das für ein Rezept? Kein Gericht, sondern drei Kellerkniffe für einen Wein, der nachlässt: ein Kräutersäcklein, eine Behandlung mit Eiweiß und Salz und zwei Stück Weihrauch. Die drei Teile sind keine einheitliche Technik. Nur der zweite entspricht einer Klärung im heutigen Sinn, der erste und der dritte sind Hausmittel mit Zusatzstoffen.
Das Säcklein. Rosen und Raute zu gleichen Teilen, halb so viel geriebene Zapfenkörner, alles in ein Säcklein, das sieben Tage mitten im Wein hängt. Der Wein bleibt im Fass, die Zutaten geben nur ihre Stoffe an ihn ab, wie bei einem Aufguss. Wie das Säcklein im Fass hängt und wann es herauskommt, sagt der Text nicht; die sieben Tage sind die einzige Zeitangabe. Beifuß, Weizen oder Weihrauch dürfen dazu.
Eiweiß und Salz. Das Eiweiß wird mit Salz gut verschlagen, in den Wein gegossen, und der Wein wird kräftig durchgeschlagen. Nach drei Tagen zieht man ihn ab; als Grund nennt der Text nur den Eigeschmack. Dass Eiweiß Trübstoffe bindet und mit ihnen absinkt, ist heutiges Wissen und erklärt, warum dieser Teil plausibel ist. Wozu das Salz dient, sagt der Text nicht; auch im Eiklar-Rezept mit Sand im selben Buch gehört Salz dazu (rum-1936). Eiweißzahl, Salz- und Weinmenge fehlen, eine Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Weihrauch. Zwei Stück in den Wein, ohne Größe, Dauer oder Entnahme. Der Text behauptet nur die Wirkung.
Praxis. Als reproduzierbares Verfahren taugt der Eintrag nicht, als Zeugnis der Kellerpraxis von 1581 schon. Für Rosen, Raute, Zapfenkörner und Weihrauch im Wein lässt sich kein Wirkmechanismus belegen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rum-1952/
fyndling.de/rezepte/rum-1952/