Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Eine andere Kunst.
Wenn ein Wein ganz nachgelassen hat, krank, schal und trüb geworden ist, nimm Rosen und Raute, von beidem gleich viel, und halb so viel geriebene Körner aus Tannenzapfen. Gib alles in ein Säcklein und hänge es mitten in den Wein, sieben Tage lang. Das bringt dem Wein all seine Kraft wieder und macht ihn klar, schön, stark und frisch zu trinken. Du kannst auch sauberen Beifuß dazutun und sauberen Weizen oder Weihrauch.
Ebenso: Nimm das Weiße von Eiern und verschlage es gut mit Salz. Gieß es in den Wein und schlage ihn kräftig durch, so kommt er in drei Tagen wieder zu sich selbst. Dann lass den Wein ab, damit er nicht nach den Eiern schmeckt, so wird er gut.
Ebenso: Nimm zwei Stück Weihrauch und leg sie in den Wein, der nachlässt, so wird er nicht schwächer.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Wein gantz ab hat genommen/ kranck/ seiger vnd truͤb | Wein, der ganz nachgelassen hat, krank, schal und trüb | - | - | - |
| Rosen | Rosen | - | - | - |
| Rauten/ eins so viel als deß andern | Raute, gleich viel wie die Rosen | - | - | - |
| halb so viel der Koͤrner auß Tannzapffen gerieben | Körner aus Tannenzapfen, gerieben, halb so viel wie Rosen und Raute | - | - | - |
| schoͤnen Beyfuß | sauberer Beifuß | - | - | - |
| schoͤnen Weitz | sauberer Weizen | - | - | - |
| oder Weihrauch | oder Weihrauch | - | - | - |
| das weiß von Eyern | das Weiße von Eiern | - | - | - |
| Saltz | Salz | - | - | - |
| zwei stuͤck Weihrauch | zwei Stück Weihrauch | 2 Stück | - | - |
Was ist das für ein Rezept? Kein Gericht, sondern drei Kellerkniffe für einen Wein, der nachlässt: ein Kräutersäcklein, eine Behandlung mit Eiweiß und Salz und zwei Stück Weihrauch. Die drei Teile sind keine einheitliche Technik. Nur der zweite entspricht einer Klärung im heutigen Sinn, der erste und der dritte sind Hausmittel mit Zusatzstoffen.
Das Säcklein. Rosen und Raute zu gleichen Teilen, halb so viel geriebene Zapfenkörner, alles in ein Säcklein, das sieben Tage mitten im Wein hängt. Der Wein bleibt im Fass, die Zutaten geben nur ihre Stoffe an ihn ab, wie bei einem Aufguss. Wie das Säcklein im Fass hängt und wann es herauskommt, sagt der Text nicht; die sieben Tage sind die einzige Zeitangabe. Beifuß, Weizen oder Weihrauch dürfen dazu.
Eiweiß und Salz. Das Eiweiß wird mit Salz gut verschlagen, in den Wein gegossen, und der Wein wird kräftig durchgeschlagen. Nach drei Tagen zieht man ihn ab; als Grund nennt der Text nur den Eigeschmack. Dass Eiweiß Trübstoffe bindet und mit ihnen absinkt, ist heutiges Wissen und erklärt, warum dieser Teil plausibel ist. Wozu das Salz dient, sagt der Text nicht; auch im Eiklar-Rezept mit Sand im selben Buch gehört Salz dazu (rum-1936). Eiweißzahl, Salz- und Weinmenge fehlen, eine Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Weihrauch. Zwei Stück in den Wein, ohne Größe, Dauer oder Entnahme. Der Text behauptet nur die Wirkung.
Praxis. Als reproduzierbares Verfahren taugt der Eintrag nicht, als Zeugnis der Kellerpraxis von 1581 schon. Für Rosen, Raute, Zapfenkörner und Weihrauch im Wein lässt sich kein Wirkmechanismus belegen.
Der Text verspricht nur, dass ein nachlassender Wein mit zwei Stück Weihrauch „nicht schwächer“ wird, und nennt Weihrauch im ersten Kniff als mögliche Beigabe ins Säcklein. Eine Begründung gibt er nicht. Das Rezept dokumentiert ein historisches Hausmittel und ist nicht zum Nachmachen gedacht.
Nein. Es ist Kellerarbeit und kein Gericht: Das Säcklein hängt sieben Tage im Wein, die Eiweißbehandlung braucht drei Tage.
Das Säcklein soll in der Mitte des Weins hängen, also weder auf dem Boden liegen noch obenauf schwimmen. Wie man es im Fass befestigt, sagt der Text nicht.
Der Text nennt keine Menge, weder für das Eiweiß noch für das Salz oder den Wein. Ein anderes Rezept im selben Buch nimmt auf ein Fuder trüben Wein das Weiße von vierundzwanzig Eiern mit einem Mäßlein Salz, Mehl und Sand (rum-1936). Das ist aber ein anderes Verfahren, die Zahl lässt sich nicht einfach übertragen.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Vom Wein gesagt: schal, matt, umgeschlagen. Benecke/Müller/Zarncke vermerken für das Wort „besonders von umgeschlagenem weine“, das Mittelniederdeutsche Wörterbuch für Wein „schal, kamig“. Im selben Buch heißt schal gewordener Wein auch sonst „seiger“ (rum-1933).
Tannenzapfen. Gemeint sind die „Körner“ darin, also wohl die Samen. Welcher Nadelbaum gemeint ist, bleibt offen.
Weinraute (Ruta graveolens), ein stark riechendes, bitteres Kraut. Welchen Teil der Pflanze man nimmt, sagt der Text nicht.
„Schön“ heißt hier sauber, rein - beim Beifuß wie beim Weizen.
Das Eiweiß gut verschlagen, also verquirlen. Ob es dabei zu Schaum werden soll, sagt der Text nicht.
Der Wein kommt wieder zu sich, erholt sich.
Den Wein abziehen, also in ein anderes Gefäß umfüllen. Als Grund nennt der Text nur, dass er sonst nach den Eiern schmeckt.
Das Harz des Weihrauchbaums. Der Text verspricht nur, dass ein nachlassender Wein damit „nicht schwächer“ wird; eine Begründung gibt er nicht.
„Der abnimpt“, wie oben „ab hat genommen“: ein Wein, der nachlässt und an Kraft verliert.
Lateinisch „ebenso, ferner“. Jeder Absatz mit „Jtem“ ist ein weiterer, eigenständiger Kniff.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Rosen | rose Q34687 |
| schoͤnen Weitz | wheat Q15645384 |
| das weiß von Eyern | egg white Q796758 |
| Saltz | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seiger
Gewählte Lesart: schal, matt, umgeschlagen (Weinfehler). Benecke/Müller/Zarncke „besonders von umgeschlagenem weine“, Mittelniederdeutsches Wörterbuch „(Wein:) schal, kamig“; im Buch auch rum-1933 und rum-1924.
Andere mögliche Lesarten:
Tannzapffen
Gewählte Lesart: Zapfen eines Nadelbaums; die „Körner“ darin sind die Samen, die gerieben werden.
Andere mögliche Lesart:
Rosen
Gewählte Lesart: Rosen, ohne Angabe, welcher Teil und ob frisch oder getrocknet.
Andere mögliche Lesarten:
Du magst wol schoͤnen Beyfuß darzu thun/ vnnd schoͤnen Weitz/ oder Weihrauch
Gewählte Lesart: Wahlweise Beigaben ins Säcklein: Beifuß und Weizen oder Weihrauch.
Andere mögliche Lesarten:
in die mitten deß Weins gehenckt
Gewählte Lesart: Das Säcklein hängt sieben Tage mitten im Wein; wie es im Fass befestigt wird, sagt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Das Eiweiß mit Salz gut verschlagen (verquirlen), ohne Angabe eines Ergebnisses.
Andere mögliche Lesart:
in dreyen Tagen/ vnnd laß den Wein ab
Gewählte Lesart: Nach drei Tagen, wenn der Wein wieder zu sich gekommen ist, abziehen.
Andere mögliche Lesart:
zwei stuͤck Weihrauch/ vñ legs in den Wein
Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Größe noch Dauer noch Entnahme; der Weihrauch bleibt womöglich im Wein.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.