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Wein vor dem Umschlagen bewahren: Schafgarbensamen oder Öl

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Damit ein Wein nicht umschlägt, nicht bricht und nicht geschmacklos wird:

Wenn der Most ausgegoren ist, hänge den Samen eines Krauts hinein, das Millefolium oder Schafgarbe heißt. Oder gieße Öl darauf, wie weiter vorn beschrieben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Samen eines Krauts/ heißt Millefolium oder Schaffgarbe Schafgarbensamen - Saatgut- oder Kräuterhandel -
Oel Öl - - -
Most vergoren Most, vergoren - - -

Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Kellermaßnahme aus Rumpolts Weinanhang: zwei Mittel, die einen fertig vergorenen Wein vor dem Umschlagen, Brechen und Fadewerden schützen sollen. Ob sie wirken, sagt der Text nicht, und es wird hier auch nicht behauptet.

Schafgarbensamen. Der Text sagt nur, dass der Samen in den Wein gehängt wird. Menge, Behälter und Dauer nennt er nicht, und so bleibt es offen. Bei anderen Mitteln derselben Gruppe nennt Rumpolt ein leinenes Säcklein ausdrücklich (rum-1950, rum-1955), hier nicht.

Öl. Das zweite Mittel verweist auf rum-1947: Baumöl, also Olivenöl, nach der Größe des Fasses bemessen und auf den Wein im angezapften Fass gegossen. Nach heutigem Verständnis schließt eine solche Ölschicht die Weinoberfläche gegen die Luft ab; die Quelle selbst sagt nur, der Wein verliere seine Farbe nicht und werde nicht kahmig.

Zeitpunkt. "Wenn der Most vergoren hat" meint das Ende der Gärung. Einen genaueren Zeitpunkt gibt der Text nicht an.

Praxis. Als Kochrezept nicht nachzuarbeiten. Wer es als Kelleranweisung liest, hat nur die beiden Mittel und den Zeitpunkt; alles Weitere müsste man selbst festlegen.

Welches Öl ist gemeint, und wie viel?

Rumpolt verweist auf eine frühere Stelle, und die steht in rum-1947: Baumöl, also Olivenöl, "nach dem das Faß groß ist". Eine feste Menge nennt auch diese Stelle nicht.

Wie viel Schafgarbensamen kommt in den Wein?

Das sagt der Text nicht, auch nicht, ob der Samen in einem Säckchen hängt oder wie lange er im Wein bleibt.

Was bedeutet "Wein bricht"?

Es ist ein Weinfehler, den Rumpolt nicht näher beschreibt. In einem Nachbarstück (rum-1955) verbindet er ihn mit dem Verlust der Farbe. Die anderen beiden Fehler sind deutlicher: "verkehren" heißt umschlagen, "ungeschmackt" heißt fade.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist eine Kellermaßnahme für ausgegorenen Wein, keine Speise.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Daß sich ein Wein nicht verkehr, nicht brech vnd vngeschmackt werde. Jtem, wenn der Most vergoren hat, so henck darein Samen eines Krauts, heißt Millefolium oder Schaffgarbe, oder geuß Oel darauff, wie vor geschrieben ist.
Millefolium

Lateinischer Name der Schafgarbe (Achillea millefolium). Rumpolt nennt beide Namen nebeneinander als Gleichung, "oder" heißt hier "auch genannt", nicht zwei verschiedene Pflanzen. Der Samen ist der Samenstand, nicht das blühende Kraut.

wie vor geschrieben ist

Rückverweis auf das vorangehende Stück zum angezapften Fass (rum-1947): Dort wird Baumöl, also Olivenöl, "nach dem das Faß groß ist" auf den Wein gegossen, damit er seine Farbe nicht verliert und nicht kahmig wird.

verkehr

"Sich verkehren" heißt umschlagen, sich ins Schlechte wandeln. Rumpolt gebraucht es im Nachbarstück rum-1954 ebenso: Der Wein "verkehrt sich nimmermehr weder an Farb noch an dem geschmack".

brech

Ein Weinfehler, dessen genaue Erscheinung der Text nicht beschreibt. Im Nachbarstück rum-1955 hängt Rumpolt das Brechen an die Farbe: Gebeuteltes Mehl "brecht jn wider zu seiner Farb". In rum-1954 steht dafür "brichig", neben "zeh" als weiterem Fehler.

vngeschmackt

Ungeschmack ist abgeschmackt, fade (Goetze; Stieler: fatuus; Grimm: Geschmacklosigkeit). In rum-1964 steht dieselbe Fehlerreihe als "zerbrochen", "verkehrt" und "abschmack worden".

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Anhang: Wie man Wein macht, pflegt und bessert
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Oelcooking oil Q427457
Most vergorenwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbrech

Gewählte Lesart: Allgemein als Weinfehler gelesen und in der Übersetzung als "bricht" stehen gelassen. Die Wörterbücher geben für "brechen" beim Wein keine bestimmte Erscheinung an; Rumpolt verbindet es in rum-1955 mit dem Verlust der Farbe.

Andere mögliche Lesarten:

  • Der Wein verliert seine Farbe. - Gestützt durch rum-1955 ("brecht jn wider zu seiner Farb"), aber nur durch diese eine Stelle; ob Farbe der ganze Fehler ist, bleibt offen.
  • Der Wein wird trüb. - Naheliegend, aber weder im Kapitel noch in den Wörterbüchern belegt.

Lesartoder geuß Oel darauff, wie vor geschrieben ist

Gewählte Lesart: Das Öl ist das Baumöl aus rum-1947, dem einzigen Stück der Weingruppe, das Öl auf den Wein gießt; Baumöl ist Olivenöl, auch als Konservierungsmittel (FWB "baumöl" 1). Die Menge richtet sich dort nach der Größe des Fasses.

Andere mögliche Lesart:

  • Gemeint ist eine andere, frühere Stelle mit einem anderen Öl. - In der Weingruppe rum-1900 bis rum-1952 gießt kein anderes Stück Öl auf; rum-1928 braucht Öl nur für eine Wasserprobe. Ganz auszuschließen ist eine nicht erhaltene Vorlage Rumpolts nicht.

Lesartwenn der Most vergoren hat

Gewählte Lesart: Nach dem Ende der Gärung, wie in rum-1944 "wenn der Wein vergoren hat im Herbst". Einen genaueren Zeitpunkt nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Schon während der Gärung, wie die Mittel in rum-1955 ("so er gieret"). - Das Perfekt "vergoren hat" spricht dagegen; Rumpolt trennt die beiden Zeitpunkte in rum-1955 ausdrücklich.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXCb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1953
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Kellermaßnahme am ausgegorenen Wein. Es gibt nichts zu kochen oder am Stand zuzubereiten.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.