Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Die Probe mit dem geölten Stab: Wer den Wein gut prüfen will, ob Wasser darin ist, nimmt ein Rohr oder einen anderen schlichten Holzstab und streicht ihn glatt mit Öl ein. Das Öl streift er wieder ab, stößt den Stab in den Wein, zieht ihn wieder heraus und hängt ihn auf. Bilden sich daran Wassertropfen, ist das ein Zeichen, dass Wasser im Wein ist.
Die Probe in der Pfanne: Nimm Öl und erhitze es in einer Pfanne. Gieß dann etwas von dem Wein hinein. Ist Wasser darin, kracht es und springt und bläht sich auf. Ist kein Wasser darin, geschieht das nicht.
Den Wein nach der Gärung ruhen lassen: Lass den Wein nach der Gärung eine Zeit lang ruhen, dann setzt sich das Wasser am Grund ab. Lass ihn sogleich in ein anderes Fass ab. Das hilft dem Wein und erhält ihn in seiner Kraft.
Die Probe mit Wacholderbeeren: Willst du erkennen, ob der Wein mit Wasser gemischt ist oder nicht, dann nimm Wacholderbeeren und gib sie in den Wein. Schwimmen sie oben, ist er echt. Fallen sie aber zu Boden, ist Wasser im Wein.
Das Wasser mit Binsen herausziehen: Willst du das Wasser aus dem Wein ziehen, so nimm große Binsen aus dem See und zieh ihnen die Oberhaut ab. Lass den Kern gut trocknen und leg ihn danach in den Wein, dann zieht er das Wasser heraus.
Wasser im Herbstwein: Wenn im Herbst Wasser in den Wein kommt, verfahre so: Wenn der Most sich gesetzt hat und eben gären will, sollst du ihn bis auf zwei Hände hoch in ein anderes Fass ablassen. Dann sitzt das Wasser unten am Boden, wegen seiner Schwere.
Wenn der Wein wässerig ist: Nimm ein Lot Ingwer, Zimtrinde und Nelken auf einen Vierling und stoße es untereinander. Tu es in ein Säcklein und häng es auf den Grund des Weins. Gieß einen Teil Branntwein dazu, dann wird der Wein lauter und klar und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Rohr/ oder sonst ein schlechts Holtz | Rohr | - | - | Glatter, schlichter Holzstab |
| Oel | Öl | - | - | - |
| Wein | Wein | - | - | - |
| Wacholderbeer | Wacholderbeeren | - | - | - |
| der grossen Pintzen auß dem See | Große Binsen | - | - | - |
| ein Lot Jngwer | Ingwer | 15 g | - | - |
| Zimmetrinden | Zimtrinde | - | - | - |
| Neglein | Nelken | - | - | - |
| ein Saͤcklein | Säckchen | - | - | - |
| ein theil gebranntes Weins | Branntwein | - | - | - |
Welche Art Eintrag ist das? Kein Gericht, sondern eine Sammlung von sieben Kellerkniffen zum Wasser im Wein: drei Proben, die einen gewässerten Wein verraten sollen (geölter Stab, heißes Öl, Wacholderbeeren), zwei Arten des Umfüllens in ein anderes Fass, das Binsenmark, das Wasser herausziehen soll, und ein Gewürzsäckchen mit Branntwein für wässerigen Wein. Nachkochen lässt sich davon nichts; die Hinweise unten erklären, wie der Text zu lesen ist.
Die drei Proben. Stab und Pfanne setzen voraus, dass sich beigemischtes Wasser vom Wein unterscheiden lässt: Am abgeölten Stab sollen Wassertropfen hängen bleiben, im heißen Öl soll das Wasser krachen und springen. Bei der Wacholderprobe gilt Schwimmen als Zeichen für echten Wein, Sinken als Zeichen für Wasser. Ob frische oder getrocknete Beeren gemeint sind, sagt der Text nicht. Aus heutiger Sicht trägt keine der Proben: Wein besteht selbst zu rund 85 bis 90 Prozent aus Wasser, deshalb bilden sich auch bei reinem Wein Tropfen am Stab, und auch reiner Wein spritzt in heißem Öl. Ein Wasserzusatz verändert die Dichte nur wenig, eine Schwimmprobe mit Beeren zeigt ihn nicht verlässlich an.
Umfüllen nach der Gärung und im Herbst. Beide Absätze lassen den Wein in ein anderes Fass ab und begründen das damit, dass das Wasser wegen seiner Schwere unten bleibe. Was sich im Fass tatsächlich absetzt, ist nach heutigem Wissen Trub und Hefe, nicht Wasser; das Umfüllen vom Bodensatz ist als Kellerarbeit trotzdem sinnvoll. Die Angabe „biß auff zweyer Haͤndt hoch“ verstehen wir hier so, dass man ablässt, bis noch etwa zwei Handbreit im alten Fass stehen. Der Wortlaut lässt auch andere Deutungen zu (siehe Lesarten).
Die Binsen. Rumpolt verlangt große Binsen aus dem See, deren Oberhaut abgezogen und deren Kern getrocknet wird; der getrocknete Kern kommt in den Wein. Eine Wirkung ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten, weil Wasser und Wein vollständig gemischt sind und sich nicht getrennt herausziehen lassen.
Das Gewürzsäckchen. Die Zutatenliste rechnet ein Lot mit etwa 15 g und setzt diese Menge beim Ingwer an; für Zimtrinde und Nelken nennt der Text keine eigene Menge. Worauf sich „auff ein vierling“ bezieht, bleibt offen. „Ein theil gebranntes Weins“ bleibt ebenfalls ohne Mengenangabe stehen. Als Wirkung nennt der Text nur, dass der Wein lauter, klar und wohlschmeckend werde.
Praxis. Der Text sagt nicht, um welchen Wein es geht; die Erklärungen hier gehen stillschweigend von einem dünnen, sauren Landwein aus, wie er nördlich der Alpen üblich war. Die Ölprobe sollte man nicht nachstellen: Wein in heißem Öl spritzt heftig, es droht Fettbrand. Die Wacholderprobe ist harmlos, beweist aber nichts.
Nach heutigem Wissen nicht. Wein besteht selbst zu rund 85 bis 90 Prozent aus Wasser, deshalb bilden sich auch bei reinem Wein Tropfen am Stab, und auch reiner Wein spritzt in heißem Öl. Zugesetztes Wasser mischt sich vollständig mit dem Wein und setzt sich im Fass nicht ab; was sich setzt, ist Trub und Hefe. Die Proben zeigen, wie man sich damals die Entdeckung eines gewässerten Weins vorstellte.
Rumpolt verlangt große Binsen aus dem See. Man zieht die Oberhaut ab, trocknet den Kern und legt ihn in den Wein, damit er das Wasser herauszieht. Aus heutiger Sicht ist keine Wirkung zu erwarten, weil Wasser und Wein vollständig gemischt sind und sich nicht getrennt herausziehen lassen.
Wörtlich: bis auf zwei Hände hoch in ein anderes Fass ablassen. Am nächsten liegt, dass man umfüllt, bis noch etwa zwei Handbreit im alten Fass stehen, wo nach der Vorstellung des Textes das Wasser sitzt. Der Wortlaut entscheidet das aber nicht sicher; die Stelle bleibt eine offene Lesart.
Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Reihe von Weinproben und Kellerkniffen. Die Ölprobe sollte man nicht nachstellen: Wein in heißem Öl spritzt heftig, es droht Fettbrand.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Schlichtes Holz; „schlecht“ hier im alten Sinn von einfach, glatt. Es steht neben „Rohr“ und wird „glat“ mit Öl geschmiert.
Gären. Der Eintrag unterscheidet den Wein nach der Gärung vom Most, der eben zu gären beginnt.
Gelegen, zur Ruhe gekommen; hier wiedergegeben mit „sich gesetzt hat“, wie in der gleichlautenden Formel des Nachbarrezepts.
Echt, unverfälscht. Ebenso in der Birnen- und Eiprobe des Nachbarrezepts: Was schwimmt, zeigt einen „gerechten“ Wein an.
Binsen, frühneuhochdeutsch bintz, binze. Welche Art gemeint ist, sagt der Text nicht, nur dass es große Binsen aus dem See sind.
Ein Viertel einer Maß- oder Gewichtseinheit; im Buch sonst meist ein Viertelpfund. Ob hier eine Weinmenge oder eine Gewürzmenge gemeint ist, bleibt offen. Grammatisch naheliegend ist auch, dass das Lot für jedes der drei Gewürze gilt.
Altes Gewichtsmaß, hier mit etwa 15 g gerechnet.
Gebrannter Wein ist Branntwein, destillierter Wein.
Zimtrinde, Zimt in der Handelsform der Rinde (Stange).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Oel | cooking oil Q427457 |
| Wein | wine Q282 |
| Wacholderbeer | juniper berry Q3251025 |
| ein Lot Jngwer | ginger Q15046077 |
| Zimmetrinden | cinnamon Q28165 |
| Neglein | clove Q15622897 |
| ein theil gebranntes Weins | brandy Q146470 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
widerblaͤßt sich
Gewählte Lesart: Bläht sich auf: Der Wein im heißen Öl schäumt und spritzt. Die Übersetzung lässt die Vorsilbe „wider-“ unübersetzt.
Andere mögliche Lesart:
biß auff zweyer Haͤndt hoch ablassen
Gewählte Lesart: Wörtlich übersetzt: „bis auf zwei Hände hoch ablassen“. Was die Höhe misst, bleibt offen.
Andere mögliche Lesarten:
ein Lot Jngwer/ Zimmetrinden/ vnd Neglein auff ein vierling
Gewählte Lesart: Wörtlich übersetzt. Die Bezugsgröße des Vierlings ist offen; die Zutatenliste setzt nur beim Ingwer ein Lot (etwa 15 g) an, Zimt und Nelken bleiben ohne Menge.
Andere mögliche Lesarten:
ein theil gebranntes Weins
Gewählte Lesart: Wörtlich „ein Teil Branntwein“, ohne Mengenverhältnis; nichts ergänzt.
Andere mögliche Lesart:
Wacholderbeer
Gewählte Lesart: Wacholderbeeren, ohne Angabe, ob frisch oder getrocknet; offen gelassen.
Andere mögliche Lesart:
Wein
Gewählte Lesart: Ein dünner, saurer, alkoholschwacher Landwein, wie er nördlich der Alpen üblich war; der Text nennt die Weinart nicht.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.