Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Mit Birne oder Ei: Schwimmt eine Birne oder ein Ei im Wein, so ist er unverfälscht. Sinkt es aber auf den Grund, so ist Wasser daruntergemischt.
Mit dem neuen Topf: Oder nimm von demselben Wein in einen neuen Topf, verschließe ihn gut und lass ihn drei Tage stehen oder an der Luft hängen. Ist dann Wein darin, so tropft es wegen des Windes heraus, oder er wird zuweilen zu Essig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Wein | Wein, den man prüfen will | - | - | - |
| Birn oder Ey | Birne oder Ei als Prüfkörper, das Original nennt beide | - | - | - |
Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Prüfung aus Rumpolts Kellermeisterei: Man will herausfinden, ob ein Wein mit Wasser gestreckt ist. Der Absatz bietet zwei Proben, eine Schwimmprobe mit Birne oder Ei und eine Probe mit einem neuen Topf.
Die Schwimmprobe. Nach Rumpolt ist der Wein unverfälscht, wenn Birne oder Ei oben schwimmen, und gewässert, wenn sie sinken. Ob das Ei roh oder gekocht sein soll, sagt der Text nicht. Nach heutigem Wissen zeigt die Regel eher in die falsche Richtung: Trockener Wein ist etwas leichter als Wasser, Wasserzusatz macht ihn also eher dichter, und ein Prüfkörper würde darin eher besser schwimmen als im unverdünnten Wein. Der Unterschied ist zudem gering, ob ein Ei oder eine Birne schwimmt, hängt vor allem vom einzelnen Stück ab.
Die Topfprobe. Wein in einen neuen, noch nicht gebrauchten Topf füllen, gut verschließen und drei Tage stehen lassen oder an die Luft hängen; das Material des Topfs nennt Rumpolt nicht. Den Ausgang gibt die Übersetzung wörtlich wieder: Ist Wein darin, so tropft es wegen des Windes heraus. Als Unterscheidung trägt das nicht, denn auch gewässerter Wein enthält Wein. Die ältere Fassung derselben Probe im Weinbuch aus Donaueschingen beschreibt den Ausgang umgekehrt: Ist Wasser darin, geht es durch den Topf, sonst nicht. Ob Rumpolts Satz verkürzt oder vertauscht ist, bleibt offen.
Der Essig. Der Nachsatz „oder er wird zuweilen zu Essig“ nennt keine Bedingung. In der Donaueschinger Fassung ist das eine eigene Probe, dort gilt das Essigwerden als Zeichen für Wein ohne Wasser; bei Rumpolt bleibt es eine Nebenbemerkung.
Praxis. Nichts zum Nachkochen. Wer die Schwimmprobe vorführen will, sollte das Ergebnis so zeigen, wie es ausfällt, auch wenn es Rumpolts Regel widerspricht. Die Topfprobe braucht drei Tage Wartezeit.
Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Weinprobe aus dem Anhang des Drucks, und die Topfprobe braucht drei Tage Wartezeit.
Nach heutigem Wissen nicht. Trockener Wein ist etwas leichter als Wasser; mischt man Wasser hinein, wird er eher dichter, und Birne oder Ei würden darin eher besser schwimmen als schlechter. Rumpolts Regel zeigt also eher in die falsche Richtung. Außerdem ist der Unterschied gering, und ob ein Ei oder eine Birne schwimmt, hängt vor allem vom einzelnen Stück ab. Das ist eine heutige Einordnung, nicht Teil der Quelle.
Das sagt der Text nicht schlüssig. Wörtlich heißt es: Ist Wein darin, so tropft es wegen des Windes heraus. Da auch gewässerter Wein Wein enthält, unterscheidet der Satz so nichts. Die ältere Fassung im Weinbuch aus Donaueschingen beschreibt den Ausgang umgekehrt: Ist Wasser im Wein, geht es durch den Topf, sonst nicht. Ob Rumpolts Satz verkürzt oder vertauscht ist, bleibt offen.
Nein. Dieselbe Folge aus Birne, Ei, neuem Topf und Essig steht ausführlicher schon im Weinbuch aus Donaueschingen. Dort wird die Birnenprobe den Griechen zugeschrieben und die Eiprobe „den andern meistern“. Rumpolt gibt eine stark gekürzte Fassung.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Hier „unverfälscht, rein“: ein Wein, dem kein Wasser zugesetzt wurde. Die Bedeutung ergibt sich aus dem Gegensatz im selben Satz („so ist Wasser darvnter“) und aus Rumpolts Wacholderbeerprobe im Nachbartext, die „gerecht“ ebenso gegen „Wasser in dem Wein“ stellt; die ältere Fassung im Weinbuch aus Donaueschingen sagt an dieser Stelle „one wasser“. Ein Wörterbuchbeleg eigens für Wein liegt nicht vor, ahd. gireht kennt neben „gerade, richtig“ aber auch „rein“. Mit „gerecht“ im moralischen Sinn hat das nichts zu tun.
Topf. Mit „newen Hafen“ ist ein neuer, noch nicht gebrauchter Topf gemeint; das Material nennt Rumpolt nicht. Die ältere Fassung im Weinbuch aus Donaueschingen verlangt einen Topf, „der noch nit naß sy worden“, also einen, der noch nie Flüssigkeit enthalten hat.
„vermachen“ heißt hier verschließen, zumachen (nicht vererben), wie bei Rumpolt auch sonst, wenn ein Gefäß mit Teig „vermacht“ wird. Der Topf soll also dicht verschlossen sein, während er drei Tage steht oder hängt.
Zusammengezogen aus „tropft es“: Flüssigkeit tritt aus dem Topf aus.
„des Windes wegen“, also wegen des Luftzugs. Die Wendung gehört zum Heraustropfen und bezieht sich auf den Topf, der an der Luft hängt.
Das Original nennt beide Prüfkörper als Alternativen. Ob das Ei roh oder gekocht sein soll, steht nicht da; die ältere Fassung im Weinbuch aus Donaueschingen sagt ebenfalls nur „eye“.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Wein | wine Q282 |
| Birn oder Ey | pear or chicken egg Q13099586 · Q15260613 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Jst denn Wein darinn/ so tropffts herauß
Gewählte Lesart: Wörtlich wie gedruckt: Ist Wein im Topf, so tropft es heraus. So steht es in der Übersetzung. Als Unterscheidungsmerkmal trägt der Satz nicht, denn auch gewässerter Wein enthält Wein; die Probe ist in diesem Wortlaut nicht schlüssig überliefert.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Ein neuer, noch nicht gebrauchter Topf, das Material bleibt offen. Die ältere Fassung im Weinbuch aus Donaueschingen stützt das mit „der noch nit naß sy worden“ (noch nie benetzt).
Andere mögliche Lesart:
oder wirt zu zeiten in Essig verwandelt
Gewählte Lesart: Wörtlich als Nebenbemerkung ohne Bedingung: Der Wein im Topf wird zuweilen zu Essig.
Andere mögliche Lesart:
Birn oder Ey
Gewählte Lesart: „ein Ei“ ohne Zusatz, wie gedruckt; ob roh oder gekocht, bleibt offen.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.