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Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)

Augsburg, 1553 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Stockfisch in Kalklauge, mit Butter und Senf

Moderne Übersetzung

Nimm zuerst Wasser und Asche und setze daraus eine Kalklauge an, die ordentlich scharf sein soll. Lege den Stockfisch hinein und lass ihn eine Nacht und einen Tag darin weichen.

Danach nimm ihn heraus und setze aus dem vorigen Kalk wieder eine Lauge an. Lass den Fisch darin noch einmal einen Tag und eine Nacht weichen.

Anschließend gib ihn in einen Topf und wasche ihn in zwei oder drei Wechseln Wasser, damit der Stockfisch nicht mehr nach der Lauge schmeckt.

Setze ihn danach wieder in einen Topf, gieße Wasser darüber und lass ihn ganz sacht sieden, damit er nicht überkocht. Lass ihn wirklich nur gemächlich köcheln, sonst wird er hart. Etwa eine gute Stunde lang sieden lassen.

Richte ihn danach an, salze ihn und gieße gesalzene Butter darüber, dann trag ihn auf. Setze außerdem an drei Stellen rings um den Fisch guten Senf. Man muss den Stockfisch auch gut klopfen, bevor man ihn einwässert.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain lechwasser Wasser für die Lauge - Leitung -
ain eschen Holzasche - Kaminasche vom eigenen Feuer oder Gartenbedarf Fertige Lauge (Natronlauge, stark verdünnt, mit großer Vorsicht) aus dem Fachhandel
ain kalckes an/ des zimlich resß seý Kalk, ordentlich scharf angesetzt - Baustoffhandel oder Online-Handel (lebensmittelechter Kalk) -
den stockfisch Stockfisch - Fischhändler, Skandinavien-Importe oder Feinkosthandel Bereits vorgeweichten Stockfisch oder Klippfisch verwenden, um den gefährlichen Laugen-Schritt zu umgehen
2 oder 3 wasser Wasser, mehrfach gewechselt - Leitung -
ain wasser Wasser zum Sieden - Leitung -
saltzt jn Salz - - -
ain gesaltzen púter Gesalzene Butter - - -
gúten senff Guter Senf - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein zweistufig behandeltes Stockfischgericht: knochenharter, luftgetrockneter Kabeljau wird zunächst in einer Asche-Kalk-Lauge weich gemacht, dann gewässert, sanft pochiert und mit gesalzener Butter sowie einer Senf-Garnitur aufgetragen. Dieselbe Grundmethode - Lauge weicht auf, dann Sieden, dann Butter/Senf - kennt man bis heute in zwei getrennten Linien: dem norwegisch-skandinavischen Lutefisk (dieselbe Laugentechnik, heute meist mit Natronlauge statt Asche und Kalk) und dem niederländisch-belgischen stokvis met mosterdsaus (dieselbe Endmontage aus gesiedetem Stockfisch, gesalzener Butter und Senf, dort aber meist ohne den Laugen-Schritt).

Ein naher Zwilling steht im Ménagier de Paris: dort wird der Trockenfisch vor dem Wässern ebenfalls mit einem Holzschlegel geklopft, in Wasser eingeweicht, gesotten und mit Senf oder Butter serviert - dieselbe Zubereitungslogik und derselbe Abschluss aus Butter und Senf, nur dass dort lauwarmes Wasser statt einer scharfen Lauge zum Aufweichen dient.

Praxis. Die Quelle nennt keine Mengenverhältnisse für Asche, Kalk und Wasser, nur dass die Lauge "ordentlich scharf" sein soll - diese Unschärfe wird hier bewusst nicht durch eine erfundene Dosierung ersetzt. Die zweitägige Laugenbehandlung ist ätzend (Handschuhe, gute Belüftung) und gehört Tage vorher in die Vorbereitung zu Hause, nicht an den Marktstand. Wer den Laugen-Schritt nicht selbst nachvollziehen will, greift zu bereits vorgeweichtem Stockfisch oder Klippfisch und steigt direkt bei der Wasch- und Siedephase ein. Beim Sieden gilt: wirklich nur gemächlich köcheln, etwa eine gute Stunde - zu starkes Kochen lässt den laugenbehandelten Fisch sonst zerfallen oder macht ihn hart, beides ausdrücklich im Text benannt. Vor dem ersten Einweichen wird der Fisch außerdem kräftig geklopft, um die harten Fasern mechanisch vorzubrechen - bis heute reale Praxis bei der Stockfisch-Rehydrierung.

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