Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)
Englische Rahmtorte
Moderne Übersetzung
Nimm ein Seidel Sahne von bester Güte, dazu drei Viertel Butterschmalz und ein Viertel Zucker. Das lässt man mit der Milch und dem Schmalz sieden.
Danach nimm sechs Eier, wie sie sind, und außerdem noch sechs Eigelb. Schlage sie mit zwei Rührlöffeln und einem Esslöffel Mehl gut und verarbeite sie gut durch. Wenn die Masse gut geschlagen ist, schlage die Eier alle mit unter.
Gib alles zusammen in eine Pfanne und lasse es gemeinsam sieden, bis es schön dick wird. Schau dabei gut zu, dass es nicht anbrennt. Wenn es gekocht ist, salze es ein wenig und gieße, solange es noch warm ist, ein wenig Rosenwasser dazu. Danach lasse es backen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain seidlin ram bey der erst | Sahne (1 Seidel) | 500 ml | - | - |
| 3 fierdúng schmaltz | Butterschmalz | 375 g | - | Auch mit Butter statt Schmalz möglich |
| ain fierdúng zúcker | Zucker | 125 g | - | - |
| 6 air, wie sý send | Eier | 6 | - | - |
| 6 tottern | Eigelb | 6 | - | - |
| ain leffele mel | 1 Esslöffel Mehl | 1 EL | - | - |
| saltzt es ain wenig | Salz | - | - | - |
| ain wenig rossenwasser | Rosenwasser | - | türkischer/orientalischer Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine dicht gekochte und anschließend gebackene Eier-Sahne-Masse ohne erwähnten Tortenboden - näher an einem krustenlosen Custard/Flan als an einer Torte im modernen Sinn. Der englische Custard Tart und kontinentale gebackene Rahmcremes sind die nächsten lebenden Verwandten; der Titel „englische Torte" trägt diesen Vergleich bereits selbst. Ein enger Cousin außerhalb des Buchs ist mar-155 (Diriola-Tarte, Maestro Martino, ca. 1465): dieselbe Schrittfolge - eine Ei-Masse in der Pfanne unter Rühren kochen, bis sie sich setzt, und erst danach, während sie noch warm ist, ein wenig Rosenwasser zugeben.
Zur Güte der Sahne ("bey der erst"). Der Text lässt offen, ob "bey der erst" die Qualität der Sahne meint (von bester Güte) oder schlicht die Reihenfolge der Zutaten markiert ("als erstes nehmen"). Beide Lesarten sind sprachlich möglich, keine ist durch den Wortlaut allein entscheidbar - eine im Original nicht belegte Abschöpf-Handlung sollte dabei nicht mitgelesen werden.
Zum Rührwerkzeug ("oren"). Auch die „2 oren", mit denen Eier, Eigelb und Mehl geschlagen werden, bleiben unklar - am plausibelsten ein einfaches Rührwerkzeug wie zwei Holzlöffel oder ein primitiver Doppel-Schneebesen, denkbar wäre aber auch, dass „Ohren" die Griffe eines Gefäßes meinen.
Praxis. Sahne, Butterschmalz und Zucker gemeinsam erhitzen, bis der Zucker sich löst und das Fett schmilzt (der Originaltext wechselt an dieser Stelle auffällig zu „milch" statt „ram" - im Topf landet dieselbe cremige Basis). Eier, Eigelb und Mehl separat gut verrühren, dann zur heißen Masse geben und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren sieden, bis sie deutlich andickt - der Originaltext warnt selbst vor dem Anbrennen, ein Wasserbad wird nicht erwähnt und ist auch nicht nötig. Vom Feuer nehmen, salzen und, solange die Masse noch warm ist, das Rosenwasser einrühren - so bleibt der empfindliche Duftstoff erhalten. Danach in eine Form füllen und backen; Temperatur, Form und Backdauer nennt der Originaltext nicht, hier hilft nur Erfahrung mit ähnlichen Custard-Massen (mittlere Hitze, bis die Oberfläche fest, aber nicht trocken ist).
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/saw-036/
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