Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Martinos Diriola-Tarte

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Bereite den Teig in Form einer Pastete zu und fülle ihn gut mit Mehl, damit er beim Backen in der Pfanne aufrecht steht, bis er etwas trocken ist. Ist dies geschehen, entferne das Mehl. Nimm einige Eigelb, Milch, Zucker und Zimt. Ist daraus eine Mischung bereitet, gib sie in den Teig und lasse sie wie eine Torte kochen. Rühre und wende sie dabei oft mit dem Löffel. Sobald du siehst, dass sie anfängt, sich zu setzen, gib ein wenig Rosenwasser hinzu und rühre gut mit dem Löffel um. Wenn sie sich vollständig gesetzt hat, ist sie gar. Beachte, dass sie nicht zu lange kochen soll und wie eine Joncata (Frischkäse) zittern muss.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
pasta Teig - - -
farina Mehl - - -
rosci d'ova Eigelb - - -
lacte Milch - - -
zuccaro Zucker - - -
cannella Zimt - - -
acqua rosata Rosenwasser - Bio-Laden, Online-Gewürzhandel -
Was ist eine ‚Diriola‘?

Eine Diriola ist eine Art gefüllte Tarte oder Pastete, die im mittelalterlichen Italien beliebt war. Dieses Rezept beschreibt eine süße Variante mit einer cremigen Eierfüllung, die direkt in der Teigschale auf dem Herd gekocht wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht ideal. Die Zubereitung erfordert präzises Blindbacken der Teigschale und das sorgfältige Kochen der empfindlichen Eiercreme auf dem Herd, um die richtige Konsistenz zu erreichen. Dies ist unter Lagerbedingungen schwierig umzusetzen. Bereite die Tarte am besten zu Hause vor.

Was bedeutet ‚ionchata‘ im Rezept?

‚Ioncata‘ (oder Joncata) ist ein Frischkäse oder Quark, der im Mittelalter oft aus Ziegen- oder Schafsmilch hergestellt wurde. Im Rezept dient er als Vergleich für die gewünschte Konsistenz der gekochten Eiercreme: Sie soll zart und wackelig sein, aber dennoch fest genug, um ihre Form zu halten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.

Diriola. Conciarai la pasta in forma d'un pastello et impiela ben di farina che stia deritta cocendola in la padella tanto che sia un poco secca. Et facto questo cava fora la ditta farina, et prendirai alcuni rosci d'ova, de lo lacte, del zuccaro, et de la cannella. Et facta di queste cose una compositione la mettirai in la dicta pasta facendola cocere al modo de una torta, movendola tutta volta et volgendola spesso col cocchiaro. Et como tu vidi che incomincia a pigliarse sopragiogneli un poca d'acqua rosata, et volta bene collo cocchiaro. Et quando serà fornita di prendere, sera cotta. Et nota che non vole cocere troppo et vole tremare como una ionchata.
Diriola

Der Name des Rezepts, eine Art Tarte oder gefüllte Pastete.

pastello

Eine Art Pastete oder Teigschale.

padella

Pfanne, hier wohl zum Blindbacken der Teigschale auf dem Herd.

cocchiaro

Löffel.

ionchata

Ein Frischkäse oder Quark (ähnlich einer Jonchée oder Junket), der hier als Vergleich für die gewünschte zart-wackelige Konsistenz der gekochten Eiercreme dient.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 41v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

rosci d'ovayolk Q16336079
lactemilk Q8495
zuccarounrefined cane sugar Q57656231
cannellacinnamon Q28165
acqua rosatarose water Q900450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartDiriola

Gewählte Lesart: Eine Art gefüllte Tarte oder Pastete, hier eine süße Variante mit Eiercreme.

Lesartpastello

Gewählte Lesart: Eine Teigschale oder Pastetenform.

Lesartcocendola in la padella

Gewählte Lesart: Die Teigschale wird zunächst in einer Pfanne blindgebacken, um sie zu trocknen und stabil zu machen.

Lesartmovendola tutta volta et volgendola spesso col cocchiaro

Gewählte Lesart: Die Füllung wird direkt in der vorgebackenen Teigschale auf dem Herd gekocht und dabei ständig gerührt, bis sie eindickt. Dies ist keine Ofen-Tarte.

Lesartionchata

Gewählte Lesart: Ein Frischkäse oder Quark, der als Referenz für die gewünschte zart-wackelige, aber feste Konsistenz der gekochten Eiercreme dient.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 41v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zuhause vorbereiten.
Alle Rezepte aus Libro de Arte Coquinaria Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.