Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Roter Feigen-Igel
Moderne Übersetzung
Nimm ein Pfund Feigen und wasche den Mehlstaub davon ab, bis sie wieder trocken sind. Hacke sie klein und stoße sie in einem Gewürz mit Nelken. Gib Safran hinein, so wird es rot. Füge ehrlichen Zucker hinzu, wenn die Masse klein gestoßen ist. Dann schlage alles zusammen und forme einen Igel daraus. Diesen bestecke mit Nelken für die Borsten und gib eine Feige ins Maul.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| feygen | Feigen | 1 Pfund | Supermarkt | - |
| gwürtz | Gewürzmischung | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Muskat |
| naͤgeln / naͤgelin | Nelken | - | Supermarkt | - |
| ſafran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| eer lich zucker | Ehrlicher Zucker | - | Supermarkt | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine gewürzte Feigenpaste, kalt und ohne Feuer zubereitet und zu einem Igel geformt: getrocknete Feigen werden vom Mehlstaub befreit, klein gehackt, im Mörser mit Gewürz, Nelken und Safran zerstoßen, mit Zucker gebunden und zur Tierfigur geformt. Die nächsten lebenden Verwandten sind Marzipan-Tiere aus Nuss- oder Trockenfruchtpaste, wie sie bis heute zu Weihnachten oder Martini verkauft werden - nur dass hier Feigen statt Mandeln die Grundmasse bilden und Gewürznelken statt Mandelsplittern die Borsten stecken.
Die Menge. Der Druck nennt für die Feigen ein Pfund, umgerechnet knapp 500 Gramm - eine überschaubare Menge für einen einzelnen Igel. Die Konsistenz der Paste zeigt beim Stoßen selbst an, ob genug Bindung da ist; etwas mehr oder weniger Feigen sind unproblematisch.
„ſo wirt es bald“ - ein Druckfehler für „rot“. Nach dem Safran steht im Druck „ſo wirt es bald“. Die älteren Fassungen desselben Feigen-Igels haben an dieser Stelle „rot“: b4-038 „tue Saffran daran So wirt es rott“, mha-008 „thue Saffran doran so wirt es rott“. Dazu passt der Titel „Ain rotten Igel.“ Der Safran ist also das Färbemittel, das dem Igel seinen Namen gibt; um ein baldiges Fertigwerden geht es nicht.
Praxis. Feigen abwaschen, um den Mehlstaub zu entfernen, und wieder trocknen lassen, dann klein hacken. Im Mörser mit der Gewürzmischung und den Nelken zerstoßen, Safran unterarbeiten - er färbt die Masse rot. Ehrlichen, also reinen Zucker einarbeiten, sobald die Masse fein gestoßen ist, dann alles zu einer formbaren Masse zusammenschlagen. Zum Igel formen, mit Gewürznelken als Borsten bestecken und eine Feige als Maul aufsetzen. Kein Feuer und keine Standzeit nötig - sobald sich die Masse formen lässt, ist sie fertig.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-026/
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