Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Kräuterkrapfen
Moderne Übersetzung
Hacke Mangold, Bertram, ein wenig Majoran und sonstige gute Kräuter. Drücke die gehackten Kräuter gut aus.
Variante mit Eierschotten: Nimm ein wenig Eierschotten und die gehackten Kräuter. Reibe beides gut durcheinander. Schlage ein oder zwei Eier, Weinbeeren und Gewürz dazu. Fülle diese Mischung in den Teig, verschließe die Krapfen sorgfältig und radele sie ab. Forme kleine Krapfen und backe sie aus.
Variante ohne Eierschotten: Nimmt man die Eierschotten nicht, so röste die Kräuter im Schmalz. Nimm dann starken Schmand und schlage Eier darein.
Mit den Eierschotten scheinen sie mir aber besser zu sein.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Pieſſen | Mangold | - | - | - |
| berthram | Bertram | - | Online-Gewürzhandel | Muskatnuss (für eine ähnliche Schärfe) |
| ain wenig Maioꝛan | ein wenig Majoran | - | - | - |
| vnd ſonſt guͦte kraͤwter | sonstige gute Kräuter | - | - | z.B. Salbei, Thymian, Bohnenkraut |
| ain wenig ayer ſchotten | ein wenig Eierschotten | - | - | Rührei oder feiner Quark |
| ain ay oder zwey | ein oder zwei Eier | 1 | - | - |
| wein⸗beerlen | Weinbeeren | - | - | - |
| gwürtz | Gewürz | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken |
| ſchmaltz | Schmalz | - | Supermarkt, Metzger | Pflanzenöl oder Butterschmalz |
| ſtarcken ſchma⸗den | starken Schmand | - | Supermarkt | Sauerrahm oder Crème fraîche |
| ayr | Eier | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Herzhafte, in heißem Schmalz ausgebackene Kräuter-Krapfen: gefüllte Teigtaschen mit zwei alternativen Füllungen - einmal mit einer gestockten Eimasse (Eierschotten) gebunden, einmal mit gerösteten Kräutern, Schmand und Ei. Kein Dessert, reines Herzhaft-Gebäck. Die Gebäckfamilie lebt bis heute fort in gefüllten Quark-Kräuter-Teigtaschen und herzhaften Krapfen-Verwandten, auch wenn sich kein einzelnes Nachfolgegericht direkt benennen lässt.
Mangold statt Petersilie. Das im Druck genannte ‚Pieſſen' ist in Staindls Buch durchgängig Mangold, nicht Petersilie - das Buch führt beide Pflanzen als zwei verschiedene Wörter, und die beiden Nachbarrezepte im selben Kapitel übersetzen ‚Pieſſen' bereits als Mangold. Für die Füllung wird also Mangold zusammen mit Bertram, etwas Majoran und weiteren Kräutern fein gehackt und gut ausgedrückt, damit die Füllung nicht wässert.
Welcher Teig? Staindl setzt hier ‚den Teig' ohne eigene Anleitung voraus und verweist - anders als ein Nachbarrezept für ähnliches Gebäck im selben Kapitel - auf keine andere Stelle im Buch. Am plausibelsten ist derselbe Milch-Schmalz-Mehl-Teig, der dort für vergleichbares Gebäck beschrieben wird, für dieses Rezept selbst aber textlich nicht gesichert. Für die Nachkocharbeit reicht ein einfacher, fester Nudel-/Eierteig aus Mehl, Ei und einer Prise Salz, dünn ausgerollt.
Kein Triebmittel. Weder Hefe noch Sauerteig-Ansatz werden genannt. Das entspricht dem Muster des Kapitels, in dem vergleichbares Gebäck allein durchs Ausbacken in gerührtem heißem Schmalz aufgeht, nicht durch Gärung - dem Teig sollte deshalb kein Backpulver und keine Hefe zugesetzt werden.
Praxis. Mangold, Bertram, Majoran und weitere Kräuter fein hacken und gut ausdrücken. Für die erste Variante die Kräuter mit der Eierschotten-Masse verreiben, ein bis zwei Eier, Weinbeeren und Gewürz untermischen. Für die zweite Variante die Kräuter stattdessen im Schmalz anrösten und mit starkem Schmand und Ei binden. Beide Füllungen in den ausgerollten Teig geben, sorgfältig verschließen, mit dem Rädchen abschneiden, zu kleinen Krapfen formen und in heißem Schmalz bei etwa 170 bis 180 Grad goldbraun ausbacken - da beide Füllungen bereits vorgegart oder rasch stockend sind, geht das schnell. Die Schlussschritte (Füllen, Verschließen, Formen, Ausbacken) gelten für beide Varianten gleich, auch wenn der Druck sie bei der zweiten Variante nicht wiederholt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-219/
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