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Tegernseer Speisenbuch (Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch))

Kloster Tegernsee, Bayern, 1453-1534 · Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)

Gesottener Stockfisch im Pfeffer

Moderne Übersetzung

Weiche den Stockfisch 2-4 Tage in kaltem, täglich gewechseltem Wasser ein, bis er vollständig durchgewässert und weich ist. Koche ihn dann in Wasser auf, häute und entgräte ihn.

Für die Pfeffersauce stoße schwarzen Pfeffer grob im Mörser und stoße eine Scheibe geröstetes Schwarzbrot dazu. Erhitze an Fasttagen Öl (an Nicht-Fastentagen Schmalz), gib die Brot-Pfeffer-Masse hinein, lösche mit Brühe und einem Schuss Essig ab und lass alles zu einer sämigen, dunklen Sauce verkochen.

Gib den gegarten Fisch erst gegen Ende in die Sauce und lass ihn darin ziehen; er ist sehr weich und zerfällt leicht in grobe Flocken. Salze nach Geschmack und reiche geschmorten Lauch oder Kraut dazu.

Hinweis: Das Tegernseer Original ist nur knapp notiert (Visch-Liste der Klosterküche); die ausführliche Zubereitung ist hier nachkochbar rekonstruiert.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Stockfisch 500 g Stockfisch (2 Tage eingeweicht) oder alternativ Klippfisch Fischhändler, online (Scandinavia-Import) Kabeljaufilet (nicht einweichen nötig)
pfeffer 2 TL schwarzer Pfeffer, grob im Mörser gestoßen - -
1 Scheibe geröstetes Schwarzbrot, im Mörser zerstoßen - Lebkuchen
1 EL Wein- oder Obstessig - etwas Wein
2 EL Olivenöl (an Fasttagen); Schmalz nur an Nicht-Fastentagen Supermarkt Mohnöl oder Nussöl
Salz nach Geschmack - echten (ungesalzenen) Stockfisch normal salzen, bei Klippfisch sparsam - -
100 ml Fischbrühe oder Wasser - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Stockfisch "im Pfeffer" - das klassische Fasten-Hauptgericht der spätmittelalterlichen Klosterküche. Lebende Verwandtschaft: der norwegische und portugiesische Stockfisch (bacalhau) lebt bis heute; die Pfeffer-Sauce mit Brotbindung ist der Vorläufer aller mit geröstetem Brot gebundenen Pfeffer-Gerichte ("Hasenpfeffer", Fisch im Pfeffer).

Im pfeffer meint in der Küchensprache des 15. Jh. keine bloß gepfefferte Speise, sondern eine eigene Saucenfamilie: eine dunkle, mit geröstetem Brot gebundene Pfeffersauce mit etwas Essig oder Wein, in der Fisch oder Fleisch zieht. Das geröstete Brot ist die period-typische Bindung, lange vor der Mehlschwitze.

Stockfisch ist luftgetrockneter, ungesalzener Kabeljau (vom Klippfisch, dem gesalzenen, zu unterscheiden). Vor der Zubereitung wurde der bretthart getrocknete Fisch oft geklopft (plewen, bläuen) und mehrere Tage gewässert, bis er weich war.

Pro pulmento ist die lateinische Menü-Rubrik aus dem Speiseplan: pulmentum bezeichnet ein gekochtes Hauptgericht bzw. eine Zukost zum Brot - kein Zutatenbegriff und kein Gewürzpulver.

Praxis. Stockfisch 2-4 Tage kalt wässern (Wasser täglich wechseln), dann weichkochen, häuten, entgräten. Pfeffer und eine Scheibe geröstetes Schwarzbrot im Mörser zerstoßen; an Fasttagen in Öl, sonst in Schmalz anschwitzen, mit Brühe und einem Schuss Essig ablöschen und zu sämiger dunkler Sauce einkochen. Die Säure des Essigs kontert das Fett, beides zeittypisch. Fisch erst gegen Ende zugeben und ziehen lassen - er zerfällt gewollt in grobe Flocken. Echten (ungesalzenen) Stockfisch normal salzen, bei Klippfisch sparsam.

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