Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Gestockte Milch und Eier
Moderne Übersetzung
Nimm süße Milch und schlage fünfzig Eier durch ein Tuch. Wenn dies und die Milch aufwallen, gieße es dazu und rühre die Milch im Topf, damit die Eier die Milch binden. Wenn sie dick zu werden beginnt, halte ein sauberes Tuch bereit. Wenn die Eier nun weiter aufwallen und sich zusammenballen, gieße alles auf das Tuch. So kannst du die Milch gut verfestigen. Gieße sie auf das Tuch und lass sie kalt werden. Dann schneide sie, wie du willst.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| suesse milch | Süße Milch | - | - | Vollmilch |
| l ayr | Eier | 50 | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Die Anweisung führt zu einer im Topf erhitzten, im Tuch aufgefangenen und kalt schneidbaren Milch-Ei-Masse. „Gepraten“ meint hier nicht das Braten in Fett, sondern das Verfestigen durch Hitze. Die fast wortgleiche B4-058 und die verwandten Rezepte mha-034 sowie foc-079 zeigen dieselbe Gerichtsfamilie, ohne sie mit einer heutigen Käsesorte gleichzusetzen. Zwei von ihnen belegen die Lesart an genau derselben Satzstelle: mha-034 schreibt statt gepraten das Wort beraitten (bereiten, fertigmachen), und foc-079 formuliert die Anweisung unmissverständlich als „loke þat it be stondyng“ - achte darauf, dass es fest ist. Damit steht die Deutung nicht auf einer Vermutung, sondern auf zwei unabhängigen Zeugen.
Fünfzig Eier, aber keine Milchmenge. Das Zeichen vor ayr ist kein einzelnes Ei, sondern ein römisches L: Die B4-Parallelfassung schreibt ausdrücklich „fumffczigk ayr“. Die Quelle lässt die Milchmenge offen. Damit sind weder die ursprüngliche Portionszahl noch ein überliefertes Verhältnis von Milch zu Eiern bekannt.
Die offene Mittelpassage. „Wann das welt vnd dy milch welt, so geus das daran“ nennt Aufwallen, anschließendes Zugießen und Rühren im hafen. Nicht eindeutig ist, ob „das“ dieselbe Masse oder eine zweite Komponente meint. Auch der Zweck des Tuchs wird nicht erklärt. Diese Unsicherheiten lassen sich nicht durch einen erfundenen Ein-Topf-Ablauf, ein bestimmtes Sieben oder ein modernes Mengenverhältnis auflösen.
Praxis. Für einen heutigen Versuch ist die Quellenfolge klar genug: frische Milch und durch ein Tuch geschlagene Eier werden am Feuer gerührt, bis die Masse dick wird und die Eier sich zusammenballen; danach kommt sie auf ein sauberes Tuch, wird kalt und geschnitten. Weil die Quelle zwar fünfzig Eier, aber keine Milchmenge und keine Zeiten nennt, muss ein heutiger kleiner Testansatz seine Menge selbst ermitteln; er rekonstruiert damit kein historisches Verhältnis.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-061/
fyndling.de/rezepte/w1-061/