Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Braunes Fruchtmus zu Wildbret
Moderne Übersetzung
Braunes Mus: Nimm ein Pfund Rosinen, ein Pfund Feigen und zwanzig Birnen. Schäle die Birnen gründlich und schneide sie so, dass man sie in Schmalz oder Öl braten kann. Behandle sie mit Mehl und gib sie in eine Pfanne mit heißem Schmalz oder Öl. Wenn sie braun sind, nimm sie heraus und lass sie abkühlen. Drücke sie dann zusammen, sodass das Öl abläuft.
Hacke die Birnen klein und hacke die Feigen darunter, damit auch sie klein werden. Die Feigen sollen gut aufgequollen sein; wie dies erreicht wird, sagt der Text nicht. Dünste die Rosinen gut. Reibe alles miteinander zu einer Masse.
Nimm einen guten welschen Wein, Rumanier, Rainuol oder Malvasier, und gib gute Gewürze dazu. Erhitze Honig in einem schönen Kessel; gib ihn zur Fruchtmasse und rühre gut, bis das Mus dick wird. Richte es in einem Gefäß an.
Wenn du anrichten willst, schneide Dattelstücke würfelig. Wenn du keine Dattelstücke bekommen kannst, gib ganze Nelken an das Mus. Schneide die Dattelstücke der Länge nach und bestecke das Mus damit.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein libra weinper | Rosinen | 500 g | - | - |
| j libra veigen | Feigen | 500 g | - | - |
| xx reglspieren | Birnen | 20 | - | Feste, säuerliche Birnensorte |
| smalcz oder In oel | Schmalz oder Öl | - | - | - |
| mel | Mehl | - | - | - |
| ein guten wechlisch wein oder rumanie oder rainuol oder malmasie | Welscher Wein oder Rumanier, Rainuol oder Malvasier | - | - | - |
| gut gwurcz | Gute Gewürze | - | - | - |
| honig | Honig | - | - | - |
| tatel chernn | Dattelstücke | - | - | - |
| gancze neglein | Ganze Nelken (falls keine Dattelstücke vorhanden sind) | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Das Rezept bereitet ein braunes Fruchtmus aus Rosinen, Feigen und Birnen. Der letzte Satz ordnet es ausdrücklich dem Anrichten zu Wildbret zu: Es ist damit eine süß-würzige Beilage, kein Nachtisch im modernen Sinn. Datteln oder, falls sie fehlen, ganze Nelken werden zum Bestecken des fertigen Muses genannt.
Die Arbeitsschritte. Birnen werden geschält, geschnitten, mit Mehl behandelt und in Schmalz oder Öl gebräunt. Nach dem Erkalten werden sie zusammengedrückt, sodass Öl abläuft, dann klein gehackt. Feigen sollen "wol geswelt" sein; der Text sagt jedoch nicht, ob sie eingeweicht, gekocht oder auf andere Weise zum Quellen gebracht werden. Auch der Zweck des "trukchen mit mel" bleibt offen. Rosinen werden gedünstet; anschließend werden die drei Früchte miteinander durchgerieben.
Fertigstellen. Welscher Wein oder eine der drei genannten Weinbezeichnungen, Gewürz und heißer Honig kommen zur Fruchtmasse. Der Honig wird im Kessel erhitzt; das Mus wird gerührt, bis es dick ist. Mengenverhältnisse für Wein, Gewürz und Honig sowie eine Garzeit nennt die Quelle nicht.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-078/
fyndling.de/rezepte/w1-078/