Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Fastenfladen mit Fisch und Mandelmilch
Moderne Übersetzung
Nimm Fisch und dünste ihn weich in Pflanzenfett. Gieße danach eine dicke Mohn- oder Mandelmilch darüber und vermenge alles gut mit Reismehl. Gib noch ein wenig Pflanzenfett hinzu und vermische es gut mit Gewürzen. Lege die Masse auf ein Teigblatt und lasse sie darin weich werden. Serviere sie und salze nicht zu stark.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| visch | Fisch | - | Wochenmarkt, Fischhändler | - |
| smalcz | Pflanzenfett | - | - | Butterschmalz (nicht fastentauglich) |
| dikche makein mandel mandel milch | Dicke Mandelmilch | - | gut sortierter Supermarkt, Reformhaus | - |
| reis mel | Reismehl | - | - | - |
| wurczen | Gewürze | - | - | Eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken |
| plat von taig | Teigblatt | - | Supermarkt (Fertigteig) oder selbstgemacht | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein mit Fisch und dicker Mohn- oder Mandelmilch gefülltes Teigblatt, mit Reismehl gebunden - näher an einer Fischtasche oder Pirogge als an einem heutigen, süßen und in Fett gebackenen Krapfen. Der Fisch wird in Pflanzenfett weich gedünstet und mit der dicken Milch, Reismehl und Gewürzen zu einer streichfähigen Füllung vermengt.
Der textnahe Zwilling in der Berliner Handschrift (b4-230) liest die Anfangswendung an derselben Stelle als "dünste ihn weich" statt als bloßes Einweichen - der rohe Fisch wird dadurch tatsächlich gegart, nicht nur mit Fett benetzt. Dieser Lesart folgt auch dieses Rezept.
Das Reismehl bindet die Fisch-Milch-Masse zu einer streichfähigen Füllung - ein zeittypisches Bindemittel, keine Mehlschwitze.
Offen bleibt, ob das Teigblatt nach dem Belegen mit der Füllung noch eigens gegart wurde: der Text nennt dafür keinen Back- oder Frittierschritt, nur dass die Füllung darauf "weich werden" lässt. Auch der wortgleiche Zwilling lässt diese Frage unaufgelöst.
Praxis. Fisch in wenig Pflanzenfett sanft dünsten, bis er zart ist. Dicke Mohn- oder Mandelmilch darübergießen, mit Reismehl binden und würzen. Die Masse auf ein dünnes Teigblatt streichen. Da roher Mehlteig heute nicht bedenkenlos gegessen wird, empfiehlt es sich, das belegte Teigblatt vor dem Servieren kurz zu backen oder in Fett auszubacken - eine moderne Ergänzung, die der Text selbst nicht verlangt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-232/
fyndling.de/rezepte/w1-232/