Ein köstlich new Kochbuch (Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut)
Gebackene Hühnerviertel in Latwergenbrühe, Geflügelreste mit Zwiebeln
Moderne Übersetzung
Nimm die Hühnerviertel, oder was du eben hast: Vögel, kaltes oder gebratenes Fleisch. Mach daraus Stücke, wie sie dir gefallen oder sich schicken, allein oder zu anderen. Zieh sie durch geschlagene Eier wie Güldenschnitten, oder durch ein Teiglein, das aus Semmelbrot, Mehl und Eiern angemacht ist. Back die Stücke schön im Schmalz.
Danach nimm eine Zwiebel, so groß wie eine Bohne, und hacke sie mit einem Messer ganz fein. Nimm ein wenig Schmalz in einem Tiegel oder einer Pfanne und lass es gut heiß werden. Gib ungefähr eine halbe Eierschale voll geriebenes Semmelmehl in das Schmalz, die Zwiebel erst hinterher, wenn das Brot sich zu färben beginnt und alles ein wenig miteinander geröstet ist. Gieß dann einen guten Becher Wein daran und Fleischbrühe, bis es recht ist, auch je nachdem, wie viel du brauchst. Für eine große Schüssel ist es umso besser.
Würze es mit süßer Würze und ein wenig Safran. Gib etwas Quitten- oder Birnenlatwerge dazu, damit es eine grüne Farbe bekommt und ein wenig süß wird. Wenn alles gut miteinander gesotten hat, gieß es in eine Schüssel. Das Gebackene, was und wie es ist, lege ringsherum an die Ränder, damit die Brühe nicht weit daran rührt. Es sollen gute Brühlein sein, nicht ein ganzes Fuder, das ist bäurisch. Bestreu alles überall reichlich mit Zimt. Gefällt dir etwas anderes, wie schon weiter oben gesagt, so liegt das bei dir.
Ich hatte einmal einen Kranken, der keinen Bissen von den Hühnern aß und nur die Brühe trank. Wenn ich dann vier Viertel zusammengebracht hatte, machte ich daraus noch ein herrliches Herrenessen.
So habe ich es auch schon vorher geschrieben: Allerlei Geflügel, Gans oder Ente, ob frisch gebraten oder übrig geblieben, lässt sich wieder zu Nutzen und Ehren bringen. So kannst du Stücklein davon, besonders vom Gebratenen, wo nicht viel mehr als die Beine bleiben, wie gewöhnlich bei den hinteren Vierteln, mit einem Metzgermesser in Stücke hauen, so groß wie ganze und halbe Eier.
Danach schneide eine Zwiebel, halb oder ganz, weniger oder mehr, wie es sich schickt, klein, weniger als zu einem Häflein Suppe, und koche sie gut, bis sie fein gelb und nicht verbrannt ist. Wirf das Gehauene dazu und lass es ein wenig miteinander zugedeckt rösten. Gib halb Wein und Fleischbrühe daran, oder lautere Brühe, und ein wenig Essig. Würze es mit süßer Würze und Safran, mach es süß oder sauer, ganz nach deinem Gefallen.
Nimm dazu Rosinen. Sie sind vor allem nützlich, wenn man etwas gern süß macht, ohne dass man es merkt. Dann isst auch einer mit, der sonst wenig Lust zu essen hat. Die Zwiebel gilt, wo sie nicht aus besonderen Gründen verboten ist, als gesund: Nimm davon, so viel dir gefällt. Sie hilft gut, wenn sonst nicht viel anderes da ist. Lass alles miteinander gut kochen, so ergibt es ein fein kurzes Brühlein. Wenn die Zwiebeln genug gekocht sind, wirf ein wenig geriebene Semmel dazu, das hilft gut zu einem feinen Brühlein.
Ich schreibe es wie zuvor: Aus solchen Beinen und diesem Zeug habe ich mir ein Essen für Herren gemacht, nach dem man sich die Finger geleckt hat.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Huͤner Viertheil/ oder was es iſt/ Voͤgel/ kalt Fleiſch oder gebratens | Hühnerviertel, Vögel, kaltes oder gebratenes Fleisch; für die zweite Fassung Geflügel-, Gänse- oder Entenreste | - | - | - |
| geklopffte Eyer | Geschlagene Eier zum Durchziehen | - | - | - |
| Schmaltz | Schmalz zum Ausbacken und Rösten | - | - | - |
| eine Zwifel ſo groß alß eine Bonen | Eine bohnengroße Zwiebel; für die zweite Fassung eine halbe oder ganze | - | - | - |
| gerieben Semmelmeel | So viel geriebene Semmel, wie eine halbe Eierschale fasst; für die zweite Fassung ein wenig | - | - | - |
| einen guten Becher mit Wein | Ein guter Becher Wein | - | - | - |
| fleiſchbruͤh | Fleischbrühe | - | - | - |
| ſuͤſſer wuͤrtz | Süße Würze | - | - | - |
| ein wenig Saffran | Ein wenig Safran | - | - | - |
| Quitten oder Birenlatwergen | Etwas Quitten- oder Birnenlatwerge | - | - | Quittenbrot oder dickes Quitten- oder Birnenmus |
| Zimet | Zimt zum reichlichen Bestreuen | - | - | - |
| ein wenig Eſſig | Ein wenig Essig | - | - | - |
| Weinbeer | Rosinen | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Praxis. Die Hühnerstücke durch geschlagenes Ei oder ein Teiglein aus Semmelbrot, Mehl und Ei ziehen und in Schmalz ausbacken. In einem Tiegel wenig Schmalz gut erhitzen, so viel geriebene Semmel, wie eine halbe Eierschale fasst, darin anrösten und die fein gehackte Zwiebel erst zugeben, wenn das Brot Farbe nimmt. Mit einem Becher Wein und Fleischbrühe aufgießen, mit süßer Würze, Safran und etwas Latwerge würzen und durchkochen, bis die Brühe kurz ist. Brühe in die Schüssel, das Gebackene an den Rand legen, reichlich Zimt darüber. Der Becher ist kein genormtes Maß; Wecker richtet die Menge nach der Schüssel („nach dem du bedarffſt“).
Reste-Fassung. Bratenreste in ei- bis halbeigroße Stücke hauen. Die Zwiebel klein schneiden und gelb garen; ein Fett nennt der Text dafür nicht, in etwas Schmalz geht es am einfachsten (Annahme). Fleisch zugeben, zugedeckt anrösten, halb Wein und halb Brühe (oder nur Brühe) und wenig Essig angießen, mit süßer Würze, Safran und Rosinen kochen und am Ende mit etwas geriebener Semmel binden.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wec-440/
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