Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Rote Geislitz mit Rosinen und Honig
Moderne Übersetzung
Eine rote Geislitz: Nimm ein halbes Pfund Rosinen und arbeite sie in die Geislitz-Grütze ein. Gib ein halbes Pfund Honig dazu und lass alles gut miteinander vermengen.
Würze mit einer guten Gewürzmischung, gib Pfeffer und Safran dazu.
Wenn die Masse gekocht ist, gieße sie in eine Schüssel und lass sie kalt werden. Versalze sie nicht.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Geyslicz | Geyslicz-Grütze | - | - | Saure Hafergrütze selbst ansetzen, siehe Grundrezept |
| ein halb phunntt weinper | Rosinen | 250 g | - | - |
| ein 1/2 libra honig | Honig | 250 g | - | Milden Waldhonig oder Wildblütenhonig verwenden |
| gut gewurcz | Gewürzmischung | - | - | - |
| pheffer | Pfeffer | - | - | - |
| Saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine gewürzte, süße, kalt gestürzte Grützspeise auf Basis der sauren Hafergrütze (Geyslicz), hier mit Rosinen und Honig rot eingefärbt. Am ehesten vergleichbar ist die englische Frumenty, eine mittelalterliche Getreidegrütze (meist aus Weizen) mit Trockenfrüchten, Milch und Gewürzen - auch wenn Frumenty warm gegessen wird, während diese Geislitz kalt gestürzt wird. Mit der heutigen deutschen Roten Grütze teilt das Gericht nur den Namen und die Farbe; die moderne Beeren-Grütze hat keine inhaltliche Verwandtschaft mit dieser Hafer-Rosinen-Honig-Speise.
Wird die Grütze fertig übernommen oder weitergekocht? Der Text nennt keine fertige, kalte Basis - er sagt nur, dass Rosinen in die Geyslicz eingearbeitet werden, dann Honig und Gewürze dazukommen und die Masse "gesotten" wird, bevor sie in die Schüssel kommt. Die Nachbarrezepte derselben Handschrift, die weiße und die schwarze Geyslicz (b4-039, b4-040), beschreiben nach dem Einmischen ausdrücklich ein gemeinsames Sieden im Kessel. Das spricht dafür, dass auch hier Rosinen, Honig und Gewürze in die noch warme Grundgrütze eingearbeitet und gemeinsam weitergekocht werden, statt eine bereits fertige, kalte Geyslicz nur noch anzureichern.
Praxis. Setze zunächst die saure Hafergrütze nach dem Geyslicz-Grundrezept an (siehe mha-132). Solange sie noch warm ist, arbeite ein halbes Pfund Rosinen ein, gib ein halbes Pfund Honig, die Gewürzmischung, Pfeffer und Safran dazu und lass alles gemeinsam kurz aufkochen, bis die Masse bindet. Dann in eine Schüssel gießen und vollständig auskühlen lassen - die Grütze wird beim Erkalten von selbst schnittfest, ein Ofen ist nicht nötig. Nicht nachsalzen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-041/
fyndling.de/rezepte/b4-041/