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Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)

Würzburg, ~1350 · Mittelhochdeutsch

Gekochter Schweinemagen und Därme

Moderne Übersetzung

Man nehme gekochte Schweinedärme und den Magen. Schneide die gekochten Därme in vier Teile, die langen und die kleinen. Danach schneide sie passend wie Riemen. Und den Magen schneide ebenfalls schmal. Und schneide dann sowohl Magen als auch Darm quer, jedes Stück so klein, wie du es am liebsten magst. Nimm Petersilie, Polei-Minze und Minze, Salbei, gekochte harte Eier und feines Brot, am meisten Kümmel, ein wenig Pfeffer und ein Ei für die Schüssel. Zermahle dies mit Essig und mit guter Brühe, sodass es nicht zu sauer wird. Und gieße es über die kalten Innereien-Stücke. Gib Schmalz hinzu. Lass es erwärmen, bis es dick wird. Gib es hin. Versalze es nicht.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gesotene swins darme Gekochte Schweinedärme - Metzger Kann weggelassen werden
den magen Schweinemagen - Metzger Rindermagen (Kutteln), besser verfügbar
petersilien Petersilie - - -
boley Polei-Minze - Kräuterladen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze)
minzzen Minze - Supermarkt -
salbey Salbei - - -
gesotene herte eyer Hartgekochte Eier - - -
schoene brot Weißbrot - Bäcker -
kuemels aller meist Kümmel - Supermarkt -
ein wenic pfeffers Pfeffer - - -
ein ey zvo der schuezzeln Ei - - -
ezzige Essig - - -
guoteme sode Brühe - Supermarkt -
smaltz Schweineschmalz - Metzger Butter

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes Innereien-Gericht: vorgekochter Schweinemagen und Därme werden klein geschnitten und mit einer warmen, brot- und eigebundenen Kräuter-Essig-Sauce übergossen - ein mittelalterlicher Kutteln-Eintopf. Die Sauce ist eine kaltschale-artige Würzpaste, wie sie im Korpus auch über kaltes Geflügel kommt (men-244). Modern liegt das Gericht in der Nähe süddeutscher und österreichischer saurer Kutteln, auch wenn die konkrete Ei-Brot-Bindung heute unüblich ist.

kaldiment - ungelöste Wortherkunft. Die Deutung als 'das Kalte' (die abgekühlten, vorgekochten Innereien-Stücke) ist plausibel, aber nicht die einzige: CoReMA glossiert 'kaldiment' für genau dieses Rezept und ein weiteres Manuskript als eigenständiges Substantiv für das Innereien-Gericht selbst, nicht als Ableitung von 'kalt'. Die praktische Anweisung bleibt in beiden Lesarten gleich: Die warme Sauce kommt über die bereits gekochten, abgekühlten Stücke.

boley - Polei-Minze. Eine eigene Minzart (Mentha pulegium) mit intensivem, leicht kampferartigem Aroma, im Mittelalter geschätzt, heute selten und sehr sparsam zu verwenden. Steht hier neben der gewöhnlichen Minze.

kuemels aller meist - Kümmel führt. Das Leitgewürz ist Kümmel (Carum carvi), nicht Kreuzkümmel: Die Handschrift glossiert 'kuemel' an dieser wie an mehreren anderen Stellen im Korpus durchgängig als Kümmel. Pfeffer nur ein wenig.

Schnitt-Anweisung. Die Därme werden zunächst in vier Teile geschnitten, dann passend wie Riemen zurechtgeschnitten; der Magen wird schmal geschnitten. Danach beide quer in mundgerechte Stücke - so klein, wie man mag. So werden die zähen Teile gut zu essen.

Praxis. Magen und Därme gar kochen, schneiden, abkühlen lassen. Kräuter (Polei sehr sparsam), hartgekochte Eier, Weißbrot und Gewürze (Kümmel dominant, Pfeffer eine Prise) mit einem rohen Ei im Mörser zerstoßen, mit Essig und guter Brühe zu einer sämigen, nicht zu sauren Paste verrühren. Über die kalten Innereien-Stücke gießen, Schmalz dazu, erwärmen, bis es eindickt - nicht stark kochen, sonst flockt das Ei aus. Nicht versalzen.

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