Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich))
Roter Hypocras aus weinartigem Honigwasser
Moderne Übersetzung
Um roten Hypocras zu machen: Nimm von dem roten weinartigen Wasser 1 Stoop, von Honig, der rein und weiß ist, 12 Unzen, Zimt 2 Unzen, Ingwer 3 Drachmen, Galgant und Nelken, von jedem eine halbe Drachme.
Zerbrich die Gewürze klein, mische sie unter das Honigwasser und lass es zusammen 24 Stunden stehen und weichen. Rühre fünf- oder sechsmal um, solange die Gewürze weichen.
Danach mische den Honig darunter und lass es zusammen durch einen Hypocras-Sack laufen, bis es klar wird.
Will man den Hypocras noch röter haben, so kann man ein Lot Turnesol dazugeben.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| root wijnachtich water 1. ſtoop | 1 Stoop rotes weinartiges Wasser | - | - | - |
| Honich die ſuyver ende wit is/ 12. Oncen | Honig, der rein und weiß ist | 12 Unzen | - | - |
| Canneel 2. Oncen | Zimt | 2 Unzen | - | - |
| Gengevaer iij. Dꝛagmen | 3 Drachmen Ingwer | - | - | - |
| Galigaen | eine halbe Drachme Galgant | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Naghelen | eine halbe Drachme Nelken | - | - | - |
| een loot Turneſols | Turnesol, nach Wunsch | 1 Lot | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Hypocras ohne Traubenwein. Die Grundlage ist das rote weinartige Honigwasser aus clu-019: Met, Sauerkirschsaft und noch etwas Honig, zusammen vergoren. Dazu kommen Gewürze und Honig, zuletzt wird geseiht. Es ist also ein alkoholisches Getränk, nur nicht aus Wein.
Zweimal Honig? Das sieht nach einer Doppelung aus, ist aber keine. „Het Honichwater“ ist die Grundlage aus dem ersten Satz, die 12 Unzen Honig kommen erst nach dem Weichen dazu. Warum erst dann, sagt Clutius nicht. „Suyver ende wit“ beschreibt den Honig; das Wort für den geläuterten Honig aus clu-001 steht hier nicht.
Weichen und Seihen. Die Gewürze werden klein zerbrochen, nicht zu Pulver gestoßen. Einen Grund für das Umrühren nennt Clutius nicht, nur die Häufigkeit, Feuer erwähnt er gar nicht. Der Sack hält Gewürze und Trübes zurück. „Bis es klar wird“ legt nahe, dass man noch einmal durchgießt, wenn es zuerst trüb kommt; ausdrücklich sagt er das nicht.
Gärung. Hier wird nichts neu angestellt, Hefe nennt dieser Text nicht. Die Gärung gehört zur Grundlage. Zu Abfüllen und Lagern sagt Clutius nichts. Heute würde man sagen: Der zugesetzte Honig kann verbliebene Hefe wieder anregen, und ein Tuch hält sie nicht sicher zurück. Wer abfüllt, nimmt druckfeste Flaschen und lagert kühl, sonst können sie platzen.
Turnesol. Eine Zugabe nach Wunsch. Ob sie vor oder nach dem Sack kommt, steht nicht da. Nach heutigem Wissen wird Lackmus in saurer Flüssigkeit rot, das passt zu einer Grundlage mit Sauerkirschsaft; ob Clutius' Ware Lackmus im heutigen Sinn war, belegt das nicht. Heute ist es kein Küchenmittel: weglassen. Eine andere Farbe nennt Clutius nicht.
Praxis. Zuerst muss die Grundlage aus clu-019 fertig sein. Dann die Gewürze klein zerbrechen, in der Flüssigkeit 24 Stunden stehen lassen und fünf- oder sechsmal umrühren. Den Honig einrühren und alles durch einen Sack laufen lassen. Heute tut es ein dichtes, sauberes Leinen- oder Baumwolltuch. Zimt ist die weitaus größte Gewürzmenge.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/clu-020/
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