Haus- und Arzneibuch (Ka2) (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793)
Wildbret in Pfeffersauce
Moderne Übersetzung
Wildbret in einer guten Pfeffersauce.
Brate das Wildbret zuerst scharf an.
Nimm eine gute, frische Brühe und lege das Fleisch darin ein, damit es weich wird.
Schlage die Brühe mit Wein oder Essig durch ein Tuch oder Sieb, sodass eine glatte Sauce entsteht.
Hacke die Zwiebel klein und gib sie dazu.
Nimm Schmalz, gib es in die Sauce und schwenke sie zum Schluss ab, bis alles verbunden ist.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Wiltprat | Wildbret | - | Metzger, Wildhändler | - |
| grune gute prue | frische Fleischbrühe | - | - | - |
| wein oder essich | Wein oder Essig | - | - | Wein ergibt eine mildere, Essig eine schärfere Säure in der Sauce |
| zwifal | Zwiebel | - | - | - |
| smaltz | Schmalz | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Wildbret wird zuerst scharf angebraten und dann in einer guten Brühe weichgezogen, bevor die Garflüssigkeit mit Wein oder Essig durch ein Tuch geschlagen, mit Zwiebel und Schmalz angereichert und abschließend glattgerührt wird - ein "Pfeffer" im spätmittelalterlichen Wortsinn: eine kräftige Würzsauce zu Fleisch, nicht das Gewürz selbst. Das Gericht steht in derselben Gerichtsfamilie wie der Vorläufer des heutigen "Hasenpfeffers" und die französischen Civet-Gerichte: Wildbret in einer sauren, gebundenen Sauce - hier nicht mit Blut, sondern über durchgeschlagene Brühe, Säure und Schmalz gebunden.
Grune gute prue.
"grun/gruen" ist im Korpus mehrfach als Lesefalle belegt: bei Fleisch meint es meist "roh/unverarbeitet", bei Gewürzen "frisch/ungetrocknet". Da eine Brühe keinen Garzustand im Sinne von roh/gekocht hat wie Fleisch, liegt hier die zweite Lesart näher: eine frische, milde Brühe. Die Parallelstelle ka2-047 ("ein gute grune prue oder haiss wasser") stützt das, dort erscheint dieselbe Brühe als milde Alternative zu heißem Wasser.
Waichs darein.
Das angebratene Fleisch wird in dieser Brühe weichgezogen - eine zweite, sanftere Garstufe nach dem scharfen Anbraten. Ein fast identischer Beleg in mha-058 ("rugkein prot waichs In essich", Roggenbrot in Essig eingeweicht) zeigt dieselbe Konstruktion Substantiv+waichs+in+Flüssigkeit und stützt die Weichzieh-Lesart.
Swaiffs ab.
"sweifen" heißt ursprünglich schwingen/kreisen. Gemeint ist hier vermutlich das abschließende Glattrühren der Sauce, nachdem Zwiebel und Schmalz eingearbeitet sind - denkbar wäre auch ein reines Abschöpfen von überschüssigem Fett, für die Praxis ändert sich das Ergebnis kaum.
Praxis.
Wildbret in Stücken scharf anbraten, dann in milder Brühe bei kleiner Hitze weichziehen. Die Garflüssigkeit mit Wein oder Essig durch ein Tuch oder Sieb schlagen, damit Fleischfasern und Fettpartikel zurückbleiben. Klein gehackte Zwiebel und einen Löffel Schmalz einrühren und kurz ziehen lassen, zum Schluss glattrühren. Ohne Brot-, Ei- oder Mandelbindung bleibt die Sauce eher schlank als sämig - das entspricht dem Rezept, nicht einem Mangel daran.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ka2-020/
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