Koch und Kellermeisterei (Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken)
Feigen-Trauben-Braten für die Fastenzeit
Moderne Übersetzung
Hirschbraten oder Rehbraten für die Fastenzeit zu machen.
Nimm Feigen und Weinbeeren, koche sie kurz in gutem Wein auf, hacke sie klein und gib Mehl hinein. Vermische es gut, schmecke es mit Salz und Gewürzen ab. Netze deine Hände in einem Teigwasser, schlage die Feigenmasse mit nassen Händen um einen Spieß wie einen Hirschbraten und drücke sie gut an. Lege ihn ans Feuer. Wenn er nun gebraten ist, schneide ihn der Länge nach auf beiden Seiten am Spieß auf, forme hübsche Stücke daraus und bestecke sie mit Mandelkernen, gelb gefärbt oder anders gefärbt, und trage es auf. Du kannst Zucker darüberstreuen oder frischen Ingwer. Den Braten begießt man auch mit Butter.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Feigen | Getrocknete Feigen | - | - |
| Weinbeer | Getrocknete Weintrauben (Rosinen) | - | - |
| gutem Wein | Rotwein oder Weißwein | - | - |
| Mehl | Weizenmehl | - | - |
| Saltz | Salz | - | - |
| Würtz | Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) | - | - |
| teigwasser | Wasser | - | - |
| Mandelkern | Mandelstifte | - | - |
| Zucker | Zucker | - | - |
| frisch Jmber | Frischer Ingwer | - | - |
| Buttern | Butter | - | Pflanzliches Öl für eine fastentaugliche Variante |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaubraten: eine Masse aus getrockneten Feigen und Rosinen wird um einen Spieß geformt, am Feuer gebraten und so hergerichtet, dass sie einen Hirsch- oder Rehbraten vortäuscht. Das ist dieselbe Idee wie der getrocknete-Feigen-Spieß des Rheinfränkischen Kochbuchs (vgl. rfk-016) - Fastenküche, die Fleisch optisch ersetzt, ohne gegen das Fleischverbot zu verstoßen.
Holbrahten / Rechbrahten. Gemeint sind Hirsch- (mittelhochdeutsch hol/hirz) und Rehbraten - hier nicht als Zutat, sondern als Form-Vorbild: Der Fasten-"Braten" soll am Spieß aussehen wie sein fleischliches Gegenstück.
Erwellen. Die getrockneten Früchte werden in Wein kurz aufgekocht, damit sie weich und formbar werden - rehydrieren und zugleich aromatisieren.
Teigwasser. Schlichtes Wasser zum Benetzen der Hände, damit die klebrige Frucht-Mehl-Masse beim Formen nicht festklebt - dieselbe Technik wie beim Arbeiten mit Brot- oder Klößchenteig.
Vergilbt oder geferbt. Die aufgesteckten Mandelstifte werden gelb gefärbt (zeittypisch mit Safran) oder anders eingefärbt - reine Schauoptik, die dem "Braten" das Aussehen von gespicktem Wild gibt.
Praxis. Etwa 250 g getrocknete Feigen und 100 g Rosinen 10 Minuten in Rotwein köcheln, abtropfen, fein hacken, mit 2-3 EL Mehl, einer Prise Salz und einer Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelke) zu einer festen, knetbaren Masse verarbeiten. Mit nassen Händen daumendick um einen flachen Bratspieß formen, gut andrücken und über milder Glut langsam braten und drehen, bis außen eine Kruste entsteht. Zum Servieren aufschneiden, mit gelb gefärbten Mandelstiften spicken, mit Zucker oder frisch geriebenem Ingwer bestreuen. Die Butter zum Begießen ist die fleischtaugliche Variante - für streng fastentaugliche Zubereitung pflanzliches Öl nehmen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/kkm-002/
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