Koch und Kellermeisterei (Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken)
Gesülzte Krebse, höfisch und nahrhaft
Moderne Übersetzung
Gesülzte Krebse, ein recht feines und nahrhaftes Essen, ohne Schaden.
Siede die Krebse mit Wein ab und schäle die Scheren, Hälse und Schwänze. Behalte das übrige und würze es gesondert. Nun mache die Brühe so: Nimm kleine Barsche, siede sie in Wein und Essig, so viel du davon haben willst oder benötigst, schütte sie aus und entferne die Galle aus den Köpfen. Nimm dann die Bäuche, Scheren und Schwänze, stoße sie gut in einem Mörser, zertreibe sie mit der Brühe, in der sie gesotten sind, durch ein Tuch. Nimm danach wieder frische Krebse, nur die geschälten Scheren und Schwänze, gib sie in die durchgetriebenen Krebse in eine Pfanne, lasse sie kurz und sanft aufwallen, schmecke sie mit Gewürzen und Salz ab, prüfe, was ihnen fehlt, und lasse es erkalten.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Krebs | ca. 1,5 kg Flusskrebse (frisch oder tiefgekühlt) | 1½ kg | Fischhändler, gut sortierter Supermarkt (Tiefkühlware) | - |
| Wein | ca. 500 ml Weißwein (trocken) | 500 ml | - | - |
| Essig | ca. 200 ml Weinessig | 200 ml | - | - |
| Bersing die klein seind | kleine Barsche (liefern die Gelierbrühe) | - | Fischhändler | Hausenblase oder ein Kalbsfuß |
| würtzen | nach Geschmack: Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Muskat) | - | - | - |
| saltz | Salz | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine kalte Krebssülze: aus Krebsschalen wird mitsamt einer Brühe von kleinen Barschen eine kräftige, durch ein Tuch passierte Krebsbrühe gewonnen, darin ziehen geschälte Krebsschwänze und -scheren, und beim Erkalten geliert das Ganze zur Sülze. Im Kern dasselbe Prinzip wie das rote Krebs-Mus des Rheinfränkischen Kochbuchs (rfk-006) und die Krebssuppe von Tegernsee (teg-017) - die ganze Aromakraft steckt in den mitverarbeiteten Schalen.
Bersing. Kleine Barsche. Sie werden in Wein und Essig gesotten und liefern die Gelierbrühe - im selben Buch dreimal in genau dieser Rolle, jeweils neben Hausenblase, Schweins- oder Kalbsfüßen. Krebspanzer allein bringen die Sülze nicht zum Stehen.
Gall aus den Köpfen. Gemeint sind die Fischköpfe: die Gallenblase muss heraus, bevor sie platzt, sonst wird die ganze Brühe bitter. Bei den Krebsen gilt sinngemäß dasselbe für die Mitteldarmdrüse.
Beuch. Die Körperpanzer (Carapax) der Krebse aus dem ersten Arbeitsschritt („behalt das ander“), die zusammen mit Scheren und Schwänzen im Mörser zerstoßen und mit der Barschbrühe passiert werden. Die Schalen liefern Farbe und Aroma, das Gelieren übernimmt die Fischbrühe.
Durch ein Tuch zertreiben. Das Passieren der gestoßenen Schalen-Masse durch ein Tuch erzeugt die feine, höfische Konsistenz - dieselbe Technik wie bei rfk-006.
Praxis. Etwa 1,5 kg Flusskrebse in Weißwein abkochen, Scheren und Schwänze auslösen und beiseite. Etwa vier kleine Barsche in Wein und Essig kochen, Galle aus den Köpfen entfernen, dann die zurückbehaltenen Krebspanzer, -scheren und -schwänze im Mörser (oder starken Mixer) zerstoßen, mit der Kochbrühe verdünnen und durch ein Tuch passieren. Diese Krebsbrühe mit den ausgelösten frischen Schwänzen und Scheren in einer Pfanne kurz sanft aufwallen lassen, mit Gewürzen und Salz abschmecken und kalt stellen, bis die Masse geliert.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/kkm-010/
fyndling.de/rezepte/kkm-010/