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Libro de Arte Coquinaria (Libro de arte coquinaria)

Norditalien, ~1465 · Frühitalienisch (15. Jh.)

Weißes Brühe-Gericht mit Mandeln und Eiweiß

Moderne Übersetzung

Um zehn Portionen weißes Brühe-Gericht zuzubereiten: Nimm ein halbes Pfund Mandeln, schäle sie und stoße sie gut im Mörser. Gib dann ein wenig frisches Wasser hinzu, damit sie kein Öl absondern. Danach nimm zwanzig Eiweiße, ein wenig Krume von Weißbrot, ein wenig Verjus (unreifer Traubensaft), etwas Fleisch- oder Kapaunbrühe und ein wenig weißen Ingwer. Stoße all diese Dinge im Mörser und passiere sie zusammen mit den Mandeln durch ein feines Tuch oder Sieb. Koche es dann auf die oben für das andere Brühe-Gericht beschriebene Weise.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
meza libra d'amandole 250 g Mandeln - -
un pocha d'acqua frescha etwas frisches Wasser Leitung -
vinti bianchi d'ova 20 Eiweiße - -
un pocha de mollicha de pan biancho etwas Krume von Weißbrot - -
un pocho de agresto etwas Verjus Bio-Laden / Feinkostgeschäft Zitronensaft oder Weißweinessig
un pocho di brodo di carne, o de cappone etwas Fleisch- oder Kapaunbrühe Supermarkt Geflügelbrühe
un pocho di zenzevero biancho etwas weißer Ingwer - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Eine weiße, eiweißgebundene Mandelsuppe - die helle Schwester des süß-sauren brodetto aus mar-044. Martino baut hier ein klassisches Renaissance-Farbpaar: dort dreißig Eigelb mit Safran (goldgelb), hier zwanzig Eiweiße mit gestoßenen Mandeln und weißem Ingwer (strahlend weiß). In der Textur landet man bei etwas, das modernen Köchen vertraut ist: eine sehr sanft gestockte herzhafte Creme, im Kern verwandt mit einer hellen römischen stracciatella und mit dem biancomangiare (Blancmange), der weißen Leitspeise der höfischen Küche.

Die weiße Farbe. Jede Zutat ist auf Helligkeit gewählt: geschälte Mandeln, nur das bianco d'ova (Eiweiß, nicht Dotter), Krume von Weißbrot und zenzevero biancho - geschälter, getrockneter Ingwer, der heller ist als frische Knolle. Es kommt bewusst kein Safran hinein (der färbt gelb). Die Säure liefert agresto (Verjus, der Saft unreifer Trauben) - kein Essig, sondern milder und fruchtiger.

Warum erst Wasser zu den Mandeln? Der Schritt accioché non facciano olio - „damit sie kein Öl absondern“ - ist Mörser-Praxis: trocken zu lange gestoßene Mandeln schwitzen Fett aus und werden zur klumpigen Paste. Ein Schuss Wasser hält die Masse hell, glatt und passierfähig.

Das Garen (steht im Schwester-Rezept). Statt einer eigenen Anleitung verweist Martino auf das brodetto davor (mar-044): alles durchs Tuch passieren, in den Topf, fern vom offenen Feuer über milde Glut, ununterbrochen rühren. Sobald der Löffel zu „belegen“ beginnt, sofort vom Feuer - das Eiweiß bindet bei rund 60-65 °C. Zu heiß, und es gerinnt zu Flocken (Rührei-Effekt) statt zu einer samtigen Creme.

Praxis. Für 4-6 Portionen: 100 g geschälte Mandeln mit 2-3 EL Wasser fein mörsern oder mixen, dazu 6-8 Eiweiße, eine Handvoll Weißbrotkrume, 2-3 EL Verjus, etwa 400 ml milde Geflügel- oder Kapaunbrühe und eine Messerspitze Ingwer. Alles durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, im Topf bei sehr milder Hitze unter ständigem Rühren erwärmen, bis es sämig bindet (Löffelprobe) - dann vom Feuer nehmen und noch eine Minute weiterrühren. Nicht kochen lassen.

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