Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Hühner in würziger Sauce
Moderne Übersetzung
Nimm alte Hühner, brate sie halb gar und zerteile sie in Stücke. Nimm zur Hälfte Brühe und zur Hälfte Wasser, darin koche die Hühner, bis sie zart sind. Nimm Zwiebeln, hacke sie klein, schwitze sie in Schmalz und etwas Wasser an. Nimm Pfefferbrot, Kümmel, hartgekochte Eier, Salz, Essig und etwas Pfeffer. Wenn dies alles zusammengefügt ist, gieße es über die Hühner und lasse es gut eindicken. In diese Sauce kannst du allerlei gebratenes Fleisch geben. Einen gebratenen Hasen sollst du jedoch nicht pfeffern.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| allte huner | Alte Hühner | - | Metzger | Suppenhuhn oder Freilandhuhn |
| suppen | Brühe | - | - | - |
| wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| zwifel | Zwiebeln | - | - | - |
| schmalcz | Schmalz | - | - | - |
| pfeffer prot | Pfefferbrot | - | - | Gewürzbrot oder altes Weißbrot mit etwas zusätzlichem Pfeffer |
| kumich | Kümmel | - | - | Alternativ Kreuzkümmel (Cuminum cyminum), mhd. _kumich_ ist mehrdeutig, beide Lesarten plausibel |
| herte ayer | Hartgekochte Eier | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| essigk | Essig | - | - | - |
| ain wenig pfeffers | Ein wenig Pfeffer | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Dies ist ein geschmortes Huhn in einer mit Brot und Ei gebundenen, pfeffrig-säuerlichen Sauce - ein mittelalterliches "Condiment", das im Geiste dem Vorfahren des späteren Hühnerfrikassees entspricht. Die Bindung über eine Brot-Ei-Paste statt einer Mehlschwitze ist typisch für diese frühe Form der gebundenen Schmorsauce.
Zur doppelten Pfeffer-Nennung. Das Rezept nennt Pfeffer zweimal - vermutlich, weil es gar nicht zweimal derselbe Pfeffer ist. "Pfeffer prot" ist wahrscheinlich ein zusammengesetztes "Pfefferbrot": Der CoReMA-Zutatenindex führt "pfeffer brot"/"pfefferbrott" als eigenes Konzept, und dieselbe Wendung taucht als anerkannte Zutat auch in anderen CoReMA-Rezepten auf (z.B. ka1-009). Das Pfefferbrot liefert die erste Pfeffer-Note gebunden in der Paste, "ain wenig pfeffers" am Ende ist eine zweite, lose Nachwürz-Zugabe kurz vor dem Zusammenmischen. Dieselbe Formel - Pfefferbrot plus loses Nachwürzen - findet sich wortgleich auch in den engen Parallelrezepten m5919-061 und mon-074.
Praxis. Brate die alten Hühner (heute eignet sich ein Suppenhuhn oder ein älteres Masthuhn) halb gar an und zerteile sie danach in Stücke. Setze sie in einer Mischung aus halb Brühe, halb Wasser an - als Startpunkt reichen 1-1,5 Liter Flüssigkeit für ein ganzes Huhn - und lasse sie köcheln, bis sie mürbe sind und sich leicht vom Knochen lösen. Währenddessen schwitzt du die fein gehackten Zwiebeln (etwa 1-2 mittelgroße) in Schmalz und einem Schuss Wasser an, bis sie weich sind, ohne zu bräunen. Für die Bindung weichst du 2-3 Scheiben altbackenes Weißbrot in etwas Brühe ein und zerdrückst es zusammen mit den hartgekochten Eiern (2-3 Stück), Pfefferbrot (ersatzweise Gewürzbrot oder altes Weißbrot plus 1 TL frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer, den du am Ende noch mit einer Prise nachschärfst), Kümmel (ein halber Teelöffel) und Salz zu einer feinen Paste. Nimm das mürbe Huhn aus der Brühe, gib die Zwiebeln und die Brot-Ei-Gewürz-Paste in die Kochflüssigkeit und lasse alles unter Rühren aufkochen. Rühre den Essig ein (starte mit 2 EL, Apfel- oder Weinessig passen gut) und schmecke ab - die Sauce soll eine deutliche Säure haben, die die Würze trägt. Gib die Hühnerstücke zurück in die Sauce und lasse alles bei milder Hitze "eben dick" einkochen, bis sie sämig ist und am Löffelrücken haftet, aber noch flüssig genug bleibt, um das Fleisch zu umhüllen. Das Rezept selbst nennt diese Sauce auch als Basis für "allerlei gebratenes Fleisch" verwendbar - nur einen gebratenen Hasen soll man darin nicht pfeffern.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-061/
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