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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Kuchenstücke mit Kräuter-Ei-Salse

Moderne Übersetzung

Aus allerlei vorhandenen Zutaten einen Teig oder Kuchen anrühren und in der Pfanne zubereiten. Den fertigen Kuchen in Stücke schneiden.

Die Stücke in die Eier-Salse geben, die zuvor aus Salbei, Minze, Petersilie und Knoblauch zubereitet wurde.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mach allerlaj ding ain taig oder kuochen Teig oder Kuchen aus allerlei Zutaten - - Ein einfacher Eier-Mehl-Pfannkuchenteig funktioniert gut als moderne Annäherung
ayr Eier - - -
saluan Salbei - - -
mynnczen Minze - - -
petersill Petersilie - - -
knofflach Knoblauch - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein in der Pfanne zubereiteter Teig oder Kuchen, der in Stücke geschnitten und in eine mit Ei gebundene grüne Kräutersalse aus Salbei, Minze, Petersilie und Knoblauch getunkt wird. Strukturell am ehesten mit der bis heute lebendigen Familie eigebundener grüner Kräutersaucen verwandt - etwa der Frankfurter Grünen Soße oder der italienischen Salsa verde (Kräuter und Ei als Basis) -, ohne dass eine direkte Kontinuität behauptbar wäre: Die heutigen Verwandten werden zu Ei oder Fleisch serviert, nicht zu gebackenen Teigstücken. Gemeinsam ist nur das Grundprinzip aus gehackten Kräutern und Ei.

Der Teig aus „allerlei Dingen“. Das Rezept legt sich bei der Teig- oder Kuchenmasse bewusst nicht fest - „allerlaj ding“ meint vermutlich das, was gerade in der Küche vorhanden war, keine feste Rezeptur. Ein einfacher Ei-Mehl-Teig, in der Pfanne mit etwas Fett goldbraun ausgebacken, ist eine plausible moderne Annäherung; er dient hier als Trägersubstanz für die Sauce, ähnlich wie Brot oder ein Crouton.

Garzustand der Eier-Salse. Der Text nennt für die Eier-Kräuter-Salse nur die Zutaten, keinen Zubereitungsvorgang. Die beiden nächstverwandten „Condiment“-Rezepte im selben Buch (mha-092, mha-107) beschreiben eine strukturell sehr ähnliche Ei-Kräuter-Mischung ausdrücklich als aufgewallt beziehungsweise in siedendes Wasser gegeben - als Praxis-Standard wird hier deshalb eine erhitzte, sanft gestockte Salse übernommen. Eine kalt angerührte Sauce ist sprachlich nicht auszuschließen, findet aber im Text selbst keine Stütze und widerspricht dem Muster der Buchparallelen.

Praxis. Kräuter fein hacken, mit verquirltem Ei vermengen und in einer Pfanne bei milder Hitze sanft stocken lassen, bis die Masse bindet - nicht wie Rührei durchgehend rühren. Für die Kuchenbasis einen einfachen Ei-Mehl-Teig in einer zweiten Pfanne mit etwas Fett goldbraun ausbacken, in Stücke schneiden und mit der warmen Kräuter-Ei-Salse übergießen oder darin wenden. Für 4 Personen, Gesamtzeit etwa 30 Minuten.

fyndling.de/rezepte/mha-143/