Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Ein Würzmittel aus Eiern.
Nimm dazu junge Birnen und Butter, dazu gehackten Salbei, Essig und Schmalz. Gib die Eier mit hinein. Serviere die Sauce heiß aufgewallt.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayren / die selben ayr | Eier | - | - | - |
| Iung pier | Junge Birnen | - | - | Feste, säuerliche Kochbirne (z.B. Conference), damit sie beim Kochen nicht zerfällt |
| putter | Butter | - | - | - |
| gehackten saluan | Gehackter Salbei | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
| schmalcz | Schmalz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine warme Eiersauce mit jungen Birnen, Butter, Salbei, Essig und Schmalz, in die zuletzt die Eier gegeben und kurz aufgekocht werden. Die nächste lebende Verwandte ist das bis heute in Rheinland-Pfalz und Hessen bekannte Gericht "Saure Eier" - eine warme Ei-Essig-Butter-Sauce, oft zu Bratkartoffeln serviert. Die Birnen-Komponente ist dort nicht mehr üblich, zeigt aber die spätmittelalterliche Vorliebe, süß-säuerliche Fruchtnoten in herzhafte Ei- und Fleischsaucen einzubauen.
Praxis. Butter und Schmalz in der Pfanne erhitzen, gehackten Salbei und Essig zugeben. Die jungen Birnen geschält, entkernt und klein gewürfelt darin andünsten, bis sie weich sind. Die Eier verquirlen, einrühren und unter Rühren bis zum vollständigen Stocken erhitzen - kein rohes Ei darf sichtbar bleiben. Sofort heiß servieren. Essig und die doppelte Fettkomponente aus Butter und Schmalz ergeben zusammen mit dem Salbei eine kräftig-saure Würzsauce; die unreifen Birnen bringen Festigkeit statt Süße.
Ja, sehr gut. Alle Zutaten sind robust und ungekühlt lagerfähig, die Zubereitung dauert nur etwa 20 Minuten in einer Pfanne am Feuer.
Beides ist sprachlich möglich. Die maßgebliche COREMA-Sachglosse zu diesem Rezept liest 'pier' als 'Birne', deshalb folgt die Übersetzung dieser Lesart. Ältere Wörterbücher (Lexer, Benecke) führen dasselbe Wort aber auch als 'Bier' - eine junge Bier-Butter-Salbei-Sauce zu Eiern wäre ebenso denkbar.
'Erwellet' ist das Partizip von mittelhochdeutsch 'erweln' und bedeutet 'aufgewallt' bzw. kurz aufgekocht. Die fertige Eiersauce soll heiß, direkt vom Herd, serviert werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Würzmittel bzw. Sauce, hier in der Grundform 'condiment' belegt (nicht die Diminutivform 'condimentlin'). Solche kurzen Saucenrezepte begleiten im Kochbuch des Meister Hans oft Eier- oder Fleischgerichte.
Junge, also noch unreife Birnen. Die COREMA-Sachglosse liest 'pier' hier als 'Birne' - speziell für dieses Manuskript-Objekt (bs1.92) belegt, während dieselbe Glossenschicht in einer anderen Handschrift desselben Korpus (Sigle b4) 'pier' mehrfach als 'Bier' liest, was kein Widerspruch ist, da es sich um verschiedene Codices handelt. Ältere Wörterbucheinträge führen das Wort dennoch vorrangig als 'Bier' - siehe interpretive_choices.
Alemannisch-schwäbische Form von 'Salbei' (Salvia officinalis).
Partizip von mhd. 'erweln' = aufwallen lassen, kurz aufkochen. Gemeint ist: die Sauce mit den Eiern heiß, kurz aufgekocht servieren.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pier
Gewählte Lesart: Junge, unreife Birnen, gemäß der COREMA-Sachglosse zu diesem Rezept (Wikidata Q13099586 = Birne).
Andere mögliche Lesart:
Zubereitung der Eier
Gewählte Lesart: Die Eier werden für die Praxis verquirlt, bevor sie in die heiße Sauce gegeben werden, damit sie gleichmäßig stocken.
Andere mögliche Lesart:
Vorbereitung der jungen Birnen
Gewählte Lesart: Für die Praxis werden die Birnen geschält, entkernt und klein gewürfelt, damit sie in der kurzen Pfannenzeit durchgaren.
Andere mögliche Lesart:
Garzustand der Eier ('erwellet')
Gewählte Lesart: Für die Lebensmittelsicherheit werden die Eier bis zum vollständigen Stocken erhitzt, kein rohes Ei bleibt sichtbar.
Andere mögliche Lesart:
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