Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Wie man Hirschbraten zubereiten soll.
Nimm Hirschfleisch und Grütze und dazu sieben Eier, damit die Masse fest wird. Forme sie aus, stecke sie an einen Spieß und bestreiche sie mit Eiern.
Serviere den Braten mit Salz oder mit einer anderen Würzsauce.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| hirsz | Hirschfleisch | - | Metzger (Wildspezialist) oder Wildhändler | Bei Wildbret aus Zucht-/Gehegehaltung problemlos erhältlich, notfalls Rindfleisch |
| greusz | Grütze | - | Supermarkt (Getreideabteilung) | Haferschrot oder Graupen als moderne Entsprechung |
| siben ayr | Eier | 7 | - | - |
| ayren | Eier zum Bestreichen | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| annder Condiment | andere Würzsauce | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein geformter Wildbraten: Hirschfleisch wird mit Grütze und sieben Eiern zu einer festen, formbaren Masse gebunden, auf einen Spieß gesteckt und mit Ei bestrichen. Serviert wird mit Salz oder einer Würzsauce. Kein Ganzstück-Braten also, sondern eine gebundene Fleischfarce, die auf dem Spieß die Form und Optik eines Bratens erhält - technisch die Vorstufe dessen, was der heutige „Falsche Hase“ (eine in Bratenform geformte, mit Ei bestrichene Hackfleischmasse) nachahmt. Auch mon-250 (Erbsenkuchen am Spieß mit Eierglasur) nutzt dasselbe Binde- und Glasurverfahren mit anderer Grundzutat - ein wiederkehrendes Zubereitungsmuster, keine Einzelerfindung dieses Rezepts.
Formen oder zuerst zerteilen? Der Text lässt offen, ob „schneid in aus“ das Zurechtschneiden/Ausformen der bereits gebundenen Masse meint, oder ob zunächst das rohe Fleisch zerteilt und erst danach mit Grütze und Ei vermengt wird. Beide Lesarten sind mit dem Wortlaut vereinbar; die Satzstellung im Original spricht eher für die Reihenfolge erst binden, dann ausformen.
Wann und wie oft wird bestrichen? Der Rezepttext nennt keinen eigenen Röstschritt und spezifiziert nicht, ob das Bestreichen mit Ei einmalig oder wiederholt erfolgt. Die Vergleichsstelle mha-087 (ein völlig anderes Gericht - gefüllte, gebratene Eier mit Salbei, kein Zwilling zu diesem Rezept) verwendet dasselbe Verb „beschlahen“ für einen einmaligen abschließenden Überzug vor dem Servieren, nicht für ein kontinuierliches Bestreichen während des Garens - das spricht eher für einen einzelnen Auftrag, ist am vorliegenden Text selbst aber nicht endgültig zu entscheiden.
Grütze roh oder vorgequollen? Das Manuskript sagt nicht, ob die Grütze vor dem Einmengen vorgequollen oder vorgekocht wird. Für die Praxis empfiehlt sich, die Grütze kurz vorzuquellen oder leicht vorzukochen, damit sie in der knapp einstündigen Spießbratzeit durchgart und nicht körnig bleibt; der Text schließt aber nicht aus, dass rohe, trockene Grütze direkt untergemengt und im Bratvorgang mitgegart wurde.
Praxis. Hirschfleisch grob zerkleinern, mit kurz vorgequollener Grütze und sieben verquirlten Eiern zu einer festen Masse verarbeiten, zu einem länglichen Braten formen und auf einen Spieß stecken. Über offenem Feuer garen und dabei mit verquirltem Ei bestreichen, bis eine gebräunte Kruste entsteht. Mit Salz oder einer Würzsauce servieren.
Beim Metzger mit Wildangebot oder direkt beim Wildhändler, saisonal meist im Herbst und Winter am besten verfügbar. Zucht-Wildbret aus Gehegehaltung ist ganzjährig erhältlich und unproblematisch zu beziehen.
Ja, gut machbar. Man braucht einen Bratspieß und offenes Feuer, die Fleisch-Grütze-Ei-Masse lässt sich am Markttag frisch anrühren. Die Garzeit am Spieß dürfte schätzungsweise bei etwa einer Stunde liegen - der Text selbst nennt keine Zeitangabe.
Grütze und Eier binden das zerkleinerte Hirschfleisch zu einer festen Masse, die sich formen und auf den Spieß stecken lässt, ähnlich wie bei einer heutigen Fleischfarce oder einem Bratenlaib.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Grütze, grob geschrotetes Getreide (meist Hafer oder Gerste). Dient hier zusammen mit den Eiern als Bindemittel, damit sich die Hirschfleisch-Masse fest formen lässt.
'Beschlagen' im Sinn von 'bestreichen/überziehen' - die Fleischmasse wird mit verquirltem Ei bestrichen, ähnlich einer modernen Ei-Glasur (ob einmalig oder wiederholt, spezifiziert der Text nicht).
Der Bratspieß, auf den die geformte Fleisch-Grütze-Ei-Masse gesteckt wird.
Allgemeiner Begriff für eine Würzsauce oder Beigabe zum Fleisch, hier als Alternative zu bloßem Salz genannt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Schneid In aus
Gewählte Lesart: Die gebundene Masse wird ausgeformt/zurechtgeschnitten, bevor sie auf den Spieß gesteckt wird.
Andere mögliche Lesart:
beschlahe In mit ayren
Gewählte Lesart: Die Masse wird mit verquirltem/aufgeschlagenem Ei bestrichen, ähnlich einer Glasur (Zeitpunkt und Häufigkeit sind im Text nicht spezifiziert).
Andere mögliche Lesart:
greusz
Gewählte Lesart: Grobe Getreidegrütze (Hafer oder Gerste) als Bindemittel für die Fleischmasse.
Andere mögliche Lesart:
greusz (Garzustand beim Einmengen)
Gewählte Lesart: Die Grütze wird vor dem Einmengen kurz vorgequollen oder leicht vorgekocht, damit sie in der Spießbratzeit durchgart.
Andere mögliche Lesart:
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