Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Eier-Wein-Mus mit Zucker
Moderne Übersetzung
Auch von den Eiern etwas anderes. Willst du von den Eiern etwas mit den Dottern haben, so geht es an die Neunzig - so viele Eier musst du haben. Nimm auch etwas Wein dazu, das ist das rechte Maß, und dazu frische Butter. Hast du davon nicht genug, so nimm an ihrer Stelle reines Schmalz.
Willst du daraus ein Mus haben, so musst du welschen (italienischen) Wein nehmen. Ist es gekocht, rühre es, bis es ganz glatt wird, und gib Zucker dazu. So wird das Mus gut gelungen.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Newnczigk ayr | Eier | 90 | - | - |
| ain wein | Wein | - | - | - |
| frisch puttern | Butter | - | - | Reines Schmalz, falls nicht genug Butter vorhanden (im Original ausdrücklich als Ersatz genannt) |
| waelisch wein | Italienischer Wein | - | - | Trockener italienischer Weißwein, z.B. Trebbiano oder Vernaccia |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Ein gerührtes Eigelb-Wein-Mus mit Zucker, über der Hitze zu einer glatten Masse aufgeschlagen - strukturell die deutsche Schwester des italienischen Zabaglione: Eigelb, Wein und Zucker werden warm zu einer cremigen Masse verrührt. Im Meister-Hans-Kochbuch selbst gibt es mit mha-029 eine kleinere Variante derselben Formel, und im Mondseer Kochbuch (m5919-088) eine nahezu wortgleiche Parallele mit hundert statt neunzig Eiern - dieses Rezept gehört also zu einer im 15. Jahrhundert verbreiteten Rezeptfamilie, nicht zu einem Einzelstück.
Die große Eierzahl.
Neunzig Eier sind kein Schreibfehler und keine Alltagsmenge, sondern die Ausstattung eines fürstlichen Festmahls. Die eng verwandte Stelle im Mondseer Kochbuch nennt an derselben Formelposition hundert Eier - das bestätigt die wörtliche Zahl als Gattungskonvention für Festmahl-Rezepte dieser Art.
Der erste Schritt bleibt ohne eigene Kochanweisung.
Für die Eier-Wein-Butter-Mischung nennt der Text selbst keinen Gar- oder Hitzeschritt, nur das Zusammengeben der Zutaten „in der rechten Masse“. Ob dieser Schritt implizit denselben Garvorgang wie die Mus-Variante teilt oder tatsächlich ungekocht gemeint ist, lässt der Text offen.
Praxis.
Für die Mus-Variante Eigelb mit welschem (ersatzweise trockenem italienischem) Wein verquirlen und bei milder Hitze - am besten im Wasserbad oder am Herdrand, nicht über offener Flamme - ständig rühren, bis die Masse gleichmäßig glatt bindet, ohne zu Rührei zu gerinnen. Erst danach den Zucker einrühren. Auch die erste, im Text ungekocht beschriebene Mischung aus Eigelb, Wein und Butter sollte vor dem Servieren kurz erhitzt werden statt roh serviert zu werden, da rohes Eigelb ein Hygienerisiko birgt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-249/
fyndling.de/rezepte/mha-249/