Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))
Frittierte Feigen-Weinbeeren-Kugeln
Moderne Übersetzung
Willst du Feigen und Weinbeeren zubereiten, so nimm sie und wasche sie zuerst. Stoße sie danach in einem Mörser fein und würze die Masse von Anfang an mit Gewürzen. Forme daraus Kugeln, die etwa wie Eier groß sind.
Bereite danach einen kleinen Teig mit Wein an und färbe diesen Teig gelb. Lege die geformten Kugeln in den Teig und backe sie anschließend in Öl oder Schmalz aus.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| veygen | Feigen | Supermarkt (Trockenfrüchte) | - |
| weinper | Weinbeeren (Rosinen) | - | - |
| wein | Wein | - | - |
| ol oder in Smalcz | Pflanzenöl | - | Butterschmalz oder Schweineschmalz |
| gilb das taigel | Safran (optional, zum Färben) | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Eigelb (optional, zum Färben) |
| gburcz sy | Gewürze (süß) | - | Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Frittierte Kugeln aus Trockenobst: getrocknete Feigen und Rosinen werden im Mörser zu einer klebrigen Paste gestoßen, eigroß portioniert, durch einen safrangelben Weinteig gezogen und in Öl oder Schmalz ausgebacken. Es ist ein ungefüllter Vorläufer des gefüllten Krapfens und gehört zur Familie der süddeutsch-österreichischen Backteig-Süßspeisen (man denke an Apfelkücherl im Ausbackteig). Im eigenen Korpus ist es die knappere, vermutlich ältere bairisch-österreichische Schwester von kkm-047 aus der Koch und Kellermeisterei, die dieselbe Technik fast wortgleich, nur ausführlicher beschreibt.
Die Fruchtpaste bindet sich selbst. Trockenfeigen und Rosinen sind von Natur aus so klebrig, dass die gestoßene Masse ohne jedes Bindemittel zu Kugeln hält - kein Ei, kein Brot, keine Mandel nötig. Das Waschen am Anfang reinigt nicht nur die Trockenfrüchte vom Lagerstaub, sondern macht zähe Feigen geschmeidiger fürs Stoßen. Stoße im Mörser, bis eine zusammenhängende, formbare Paste entsteht.
Wann wird gewürzt? Das Original würzt „von ersten“ - also zuerst, von Anfang an. Die süßen Gewürze (Zimt, Ingwer, Nelke, etwas Muskat) kommen daher in die Fruchtmasse, bevor du Kugeln formst, nicht über die fertig frittierten Bällchen. So zieht das Aroma durch die ganze Kugel. Der Cross-Source-Zwilling ri15632-005 würzt die Feigen-Nuss-Masse ebenfalls vor dem Frittieren - das stützt diese Reihenfolge.
Der gelbe Weinteig ist eine Ausbackhülle. Das „taiglin an mit wein“ meint einen dünnen Ausbackteig aus Wein und Mehl (das Mehl ist im knappen Text mitgedacht, ein reiner Weinteig bäckt nicht). Er bildet beim Frittieren eine knusprige Kruste und schützt die Frucht vor direktem Fettkontakt. Gelb gefärbt wird mit Safran oder, günstiger, mit Eigelb - dass sich das Gilben auf den Teig bezieht, bestätigt das Schwesterrezept kkm-047 wörtlich.
Praxis. Eigroße Kugeln sind fürs Frittieren reichlich groß: eine kalte, dichte Fruchtkugel braucht im Fett lange, bis sie innen warm wird, während die dünne Hülle schon zu dunkel werden kann. Forme die Kugeln eher walnuss- bis pflaumengroß. Frittiere bei mittlerer Hitze, nicht zu heiß, bis die Hülle goldbraun ist - das Innere muss nur durchwärmen, das Trockenfruchtmus ist ohnehin genießbar. Haftet der Teig schlecht an der fettigen Paste, hilft ein leichtes Bemehlen der Kugeln vor dem Eintauchen. Mörser plus ein Topf mit Fett über der Glut genügen; ein Schaumlöffel zum Wenden ist praktisch.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mon-029/
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