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Das Kochbuch der Philippine Welser

Augsburg / Tirol, 1543-44 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-augsburgisch, Nachträge mit tirolisch-bairischen Zügen, Mitte 16. Jh.)

Wildbret-Pastete, in Wasser vorgekocht

Moderne Übersetzung

Merke, eine Wildbret-Pastete zu machen. Ich halte diese für besser als die zuvor genannte.

Nimm das Wildbret und erhitze es eine Stunde lang in Wasser. Danach lasse es erkalten. Schneide langen Speck und nimm Gewürze wie Pfeffer, Ingwer und ein wenig Nelken und Salz. Nimm viel Pfeffer und rühre es gut untereinander.

Und wende den Speck darin um und spicke das Wildbret gut damit. Und was dir vom Speck übrig bleibt, das lege zum Wildbret. Und das übrige Gewürz nimm und streue es überall auf das Wildbret. Gib es in einen eingeschlagenen Teig. Mache den Teig nur mit Nachmehl. Steche oben fünf Löchlein hinein. Lass es vier Stunden backen.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
wil bredt Wildbret - Metzger, Wildhändler Rinderbraten
waser Wasser - - -
lang speck lang geschnittener Speck - Metzger, Supermarkt -
pfefer viel Pfeffer - - -
jmber Ingwer - - -
negala ein wenig Nelken - - -
saltz Salz - - -
yber schlagenn dayg eingeschlagener Teig - Supermarkt Mürbeteig oder Blätterteig
eydel noch mel Nachmehl (geringere Mehlsorte) - - ersatzweise gröberes Mehl, z. B. Type 1050

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Eine gespickte Wildbret-Pastete: mageres Wildfleisch wird eine Stunde in Wasser erhitzt, ausgekühlt, mit langem Speck gespickt und kräftig gewürzt, dann in einen Teigmantel eingeschlagen und vier Stunden gebacken. Das folgt demselben Grundprinzip wie die bis heute bekannte Wildpastete im Teigmantel (pâté en croûte). Der Schreiber reiht diese Fassung ausdrücklich über die unmittelbar vorangehende Variante - ein seltener Fall eines eigenen Qualitätsurteils im Manuskript.

Die Mehlfrage.

Für den Teig nennt der Text Nachmehl, eine geringerwertige Mehlsorte. Im Grundsatzrezept dieses Buchs für Pastetenteige ist für Wildbretpasteten eigentlich feines Mehl vorgesehen, Nachmehl nur für andere Füllungen. Ob der Schreiber hier bewusst von der eigenen Regel abweicht oder sich vertan hat, lässt sich am Text allein nicht entscheiden.

Praxis.

Das Wildbret eine Stunde in Wasser erhitzen und vollständig auskühlen lassen, bevor es gespickt wird - kaltes Fleisch hält die Speckstreifen besser als warmes. Reichlich Pfeffer, Ingwer, wenig Nelken und Salz unter den Speck mischen, das Fleisch damit spicken und übrigen Speck sowie übriges Gewürz mit in den Teig geben. Für den Teigmantel eignet sich ein robuster, ungetriebener Teig aus gröberem Mehl besser als ein mürber Teig - eine dicht gefüllte, freistehende Pastete muss vier Stunden Backzeit ohne Einreißen tragen. Oben fünf kleine Löchlein einstechen, damit Dampf entweichen kann und die Kruste nicht aufplatzt. Für die lange, gleichmäßige Hitze eignet sich ein Backofen oder ein sorgfältig geführter Dutch Oven mit kontinuierlicher Nachlegung besser als offenes Feuer. Insgesamt fünf Stunden Hitzeeinwirkung auf mageres Fleisch (Vorkochen plus Backen) sind lang - das Spicken mit Speck mindert das Austrocknungsrisiko, ganz ausschließen lässt es sich nicht.

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