Rheinfränkisches Kochbuch (Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v))
Hausenblase-Sülze - die Premium-Aspik auch im Hochsommer fest
Moderne Übersetzung
Willst du aber eine hart bestehende Sülze machen, jederzeit im Jahr[1], so nimm Hausenblasen[2]. Davon besteht sie schön und hart - so dick, wie du willst -, ohne jeden Zweifel[3].
Auch sind alle [anderen] Fisch-Schwimmblasen gut, um eine bestehende Sülze zu machen.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| husen blasen | 50 g getrocknete Hausenblase (Schwimmblase vom Hausen-Stör) | Spezialhandel für Konditorei-Bedarf, Bier-Klärung, Wein-Schönung | Alle Fisch-Schwimmblasen (Karpfen, Hecht, Wels) sind brauchbar - der Schreiber sagt das selbst. |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Die kompromisslose Top-Variante der Sülze-Bindung: Hausenblase, der Premium-Rohstoff aller Aspik-Hersteller bis ins 19. Jahrhundert. Anders als die Pulver-Halbprodukte davor ist dies eher eine Qualitäts-Empfehlung - „nimm Hausenblase, dann hält die Sülze schön und hart". Schließt das Gelier-Quartett rfk-010 bis rfk-013 ab; verwandt mit der Münchner Notiz Sülze schnell fest werden lassen.
Warum Hausenblase. Die Schwimmblase des Hausen-Störs liefert das reinste, klarste Kollagen (die fertige Galree wird kristallklar) und die höchste Gel-Stärke aller Schwimmblasen. Weil der Hausen nur in wenigen Flüssen (Donau, Wolga, Don) wandert, war sie seltene und teure Importware - ein Luxus- und Statusprodukt. Der Schreiber betont mit der Formel an allen tzwyuel („ohne jeden Zweifel"), dass es zuverlässig funktioniert.
Sommer-tauglich. Der Hinweis in alle hier indem jare (ganzjährig, auch in der Hitze) ist der Kern: eine Brühe-Sülze geliert bei Wärme nicht mehr, die starke Hausenblase aber trägt. Und der Schreiber bleibt ehrlich - auch alle anderen Fisch-Schwimmblasen taugen, die Hausenblase ist nur die ergiebigste.
Praxis. Hausenblase ist heute im Spezialhandel für Bier-Klärung, Wein-Schönung und Konditorei erhältlich (Blätter oder Pulver). Sehr stark dosieren: ~1-2 g getrocknetes Material auf 1 L Flüssigkeit für eine schnittfeste Aspik. In kaltem Wasser 20-30 Minuten einweichen, dann in die heiße (60-70 °C, nicht kochende) Brühe einrühren bis gelöst, mit Fisch oder Fleisch anrichten und kalt stellen. Über 70 °C zerfällt die Gel-Struktur.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rfk-013/
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