Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)
Böhmisches Erbsenmus
Moderne Übersetzung
Nimm 3 Lot Erbsen und siede sie trocken (ohne viel Flüssigkeit), sodass sie nicht zu nass werden.
Stoße sie gut im Mörser, bis sie fein und breiig werden.
Gib guten Wein dazu, dazu Ingwer, Zimt, Paradieskörner und Zucker.
Reiche es kalt an und bestreue es mit Zucker. Das ist ein gutes Herrenessen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| 3 lot erbis | getrocknete Erbsen | 45 g | - | Fertig gemahlene oder halbierte Erbsen (Trockenware) verkürzen die Kochzeit deutlich. |
| Wasser | - | Leitung | - | |
| gúten wein | Wein | - | - | - |
| jmber | Ingwer | - | - | - |
| rerlen | Zimt | - | - | - |
| pariskerner | Paradieskörner | - | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | Schwarzer Pfeffer als Ersatz, wenn Paradieskörner nicht erhältlich sind. |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein kalt servierter, süß-würziger Erbsenpüree: Erbsen werden trocken weichgekocht, im Mörser zerstoßen und mit Wein, Ingwer, Zimt, Paradieskörnern und Zucker abgeschmeckt. In der heutigen Küche gibt es dafür keine direkte Entsprechung - am ehesten verwandt ist die Gattung Erbsenpüree, wie sie etwa im englischen pease pudding fortlebt, dort aber warm und ungesüßt serviert, nicht kalt und nicht mit Wein, Zucker und Fernost-Gewürzen.
Der Titel Bemisch erbis meint böhmische Erbsen - eine ältere Schreibung, die Wörterbücher (Diefenbach, Wülcker) unabhängig als 'bemisch' = lat. bohemicum belegen. Der Cross-Book-Zwilling b4-071 trägt im Original selbst den Titel 'Von ainem pehaym' (böhmisch) für ein Erbsengericht - eine unabhängige Bestätigung, dass 'böhmisch + Erbsen' im 15./16. Jahrhundert eine reale Rezept-Titel-Konvention war, auch wenn die Zubereitung dort ein anderes Gericht ist (ein dreiteiliger herzhafter Teller mit Fleisch statt eines gewürzten kalten Muses). Die Lesart 'pariskerner' als Paradieskörner bleibt dagegen ein Hapax - im Korpus sonst nicht belegt, aber lautlich naheliegend und durch das verwandte Kompositum in saw-151 gestützt, wo 'kerner' im selben Buch als Begriff für kernförmige Gewürze verwendet wird.
Praxis. Die Erbsen mit wenig Wasser weichkochen, bis kaum Flüssigkeit übrig ist - das ergibt eine feste, nicht suppige Masse, die sich gut mörsern lässt. Im Mörser zu einer feinen, weichen Masse zerstoßen ('fein miessig', ersatzweise Kartoffelstampfer oder kurz im Blender); die Textur bleibt dabei etwas rustikaler als bei einem passierten Mus. Wein, Ingwer, Zimt, Paradieskörner und Zucker roh untergerühren, nicht mehr erhitzen - das erhält Aroma und Frische des Weins. Kalt anrichten und mit Zucker bestreuen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/saw-149/
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