Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Nimm 3 Lot Erbsen und siede sie trocken (ohne viel Flüssigkeit), sodass sie nicht zu nass werden.
Stoße sie gut im Mörser, bis sie fein und breiig werden.
Gib guten Wein dazu, dazu Ingwer, Zimt, Paradieskörner und Zucker.
Reiche es kalt an und bestreue es mit Zucker. Das ist ein gutes Herrenessen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| 3 lot erbis | getrocknete Erbsen | 45 g | - | Fertig gemahlene oder halbierte Erbsen (Trockenware) verkürzen die Kochzeit deutlich. |
| Wasser | - | Leitung | - | |
| gúten wein | Wein | - | - | - |
| jmber | Ingwer | - | - | - |
| rerlen | Zimt | - | - | - |
| pariskerner | Paradieskörner | - | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | Schwarzer Pfeffer als Ersatz, wenn Paradieskörner nicht erhältlich sind. |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein kalt servierter, süß-würziger Erbsenpüree: Erbsen werden trocken weichgekocht, im Mörser zerstoßen und mit Wein, Ingwer, Zimt, Paradieskörnern und Zucker abgeschmeckt. In der heutigen Küche gibt es dafür keine direkte Entsprechung - am ehesten verwandt ist die Gattung Erbsenpüree, wie sie etwa im englischen pease pudding fortlebt, dort aber warm und ungesüßt serviert, nicht kalt und nicht mit Wein, Zucker und Fernost-Gewürzen.
Der Titel Bemisch erbis meint böhmische Erbsen - eine ältere Schreibung, die Wörterbücher (Diefenbach, Wülcker) unabhängig als 'bemisch' = lat. bohemicum belegen. Der Cross-Book-Zwilling b4-071 trägt im Original selbst den Titel 'Von ainem pehaym' (böhmisch) für ein Erbsengericht - eine unabhängige Bestätigung, dass 'böhmisch + Erbsen' im 15./16. Jahrhundert eine reale Rezept-Titel-Konvention war, auch wenn die Zubereitung dort ein anderes Gericht ist (ein dreiteiliger herzhafter Teller mit Fleisch statt eines gewürzten kalten Muses). Die Lesart 'pariskerner' als Paradieskörner bleibt dagegen ein Hapax - im Korpus sonst nicht belegt, aber lautlich naheliegend und durch das verwandte Kompositum in saw-151 gestützt, wo 'kerner' im selben Buch als Begriff für kernförmige Gewürze verwendet wird.
Praxis. Die Erbsen mit wenig Wasser weichkochen, bis kaum Flüssigkeit übrig ist - das ergibt eine feste, nicht suppige Masse, die sich gut mörsern lässt. Im Mörser zu einer feinen, weichen Masse zerstoßen ('fein miessig', ersatzweise Kartoffelstampfer oder kurz im Blender); die Textur bleibt dabei etwas rustikaler als bei einem passierten Mus. Wein, Ingwer, Zimt, Paradieskörner und Zucker roh untergerühren, nicht mehr erhitzen - das erhält Aroma und Frische des Weins. Kalt anrichten und mit Zucker bestreuen.
Paradieskörner (Melegueta-Pfeffer) gibt es im Gewürzhandel oder Online-Gewürzhandel. Ersatzweise funktioniert auch schwarzer Pfeffer, wenn die Schärfe etwas gröber ausfallen darf.
Ja, gut geeignet. Die Erbsen brauchen eine gewisse Kochzeit, aber Mörsern und Würzen sind schnell erledigt, und das fertige Mus verträgt Zimmertemperatur problemlos, da es ohnehin kalt gereicht wird.
Ein Lot entsprach im süddeutschen Raum etwa 15 bis 16 Gramm. Drei Lot Erbsen sind also nur eine kleine Menge, was zeigt, dass dieses Mus eher als würzige Beilage in kleiner Portion gedacht war.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Kurzform von 'rerlach', dem im Buch häufigsten Wort für Zimt (gerollte Zimtstangen, 'Zimmet-Röhrlein').
Gemeint ist der große Fleisch-/Küchenmörser der Zeit, nicht der kleine Gewürzmörser. Moderne Alternative: Kartoffelstampfer oder kurz im Blender.
Ein 'Herrenessen' bezeichnete ein feines, standesgemäßes Gericht für die Herrschaft, kein Alltagsgericht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 3 lot erbis | garden pea Q29472543 |
| gúten wein | wine Q282 |
| jmber | ginger Q15046077 |
| rerlen | cinnamon Q28165 |
| zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Bemisch
Gewählte Lesart: Als 'böhmisch' gelesen (ältere Schreibung, vgl. Diefenbach: '(idioma) bemisch'; Wülcker: 'bemisch bohemicum (idioma)'), eine regionale Herkunftsbezeichnung im Rezepttitel, wie sie im 16. Jahrhundert für exotisch klingende Gerichte üblich war. Der Cross-Book-Zwilling b4-071 trägt im Original selbst den Titel 'Von ainem pehaym' (böhmisch) für ein Erbsengericht - eine unabhängige Bestätigung dieser Titel-Konvention.
pariskerner
Gewählte Lesart: Als 'Paradieskörner' (Melegueta-Pfeffer) gelesen, ein im 16. Jahrhundert gängiges importiertes Gewürz, dessen Name hier vermutlich verschrieben oder verkürzt wurde.
Andere mögliche Lesart:
miessig
Gewählte Lesart: Im Sinne von 'fein und breiig/mürbe' gelesen, passend zur Anweisung, die Erbsen im Mörser zu einer feinen Masse zu stoßen.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 28.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.