Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Semmelschnitten in Milchteig
Moderne Übersetzung
Nimm klare Milch und rühre daraus einen Teig, dick wie ein Kinderbrei. Schneide eine Semmel in Scheiben und ziehe sie durch den Teig. Backe die Scheiben in heißem Schmalz aus. Reiche sie so, wie sie sind.
Wer mag, schlägt zwei oder drei Eier dazu. Wer sie lieber ohne Ei mag, lässt es weg.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain lautere milch | Milch | - | - | - |
| ain ſemel | Semmel | 1 | - | Helles Weißbrötchen oder Baguettescheibe |
| haiſſen ſchmaltz | Schmalz zum Ausbacken | - | - | Butterschmalz oder Pflanzenöl |
| zway oder dꝛey ayer | Eier (optional) | 2 | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Semmelscheiben werden durch einen dicken Milch-Mehl-Teig gezogen und in heißem Schmalz ausgebacken - eine frühe Vorstufe der heutigen „Armen Ritter“ beziehungsweise des französischen French Toast, nur dass hier kein Ei-Milch-Guss, sondern ein reiner Milchteig die Basis bildet und Ei nur als optionale Zutat dazukommt. Das Rezept gehört zur im selben Buch genannten Gattung der „gezogenen Schnitten“: das eng verwandte Rezept std-030 beschreibt dieselbe Technik mit Mandelmilch statt gewöhnlicher Milch. Auch außerhalb des Staindl-Kochbuchs gibt es Verwandte: Sabina Welserins gefüllte Brotschnitten (saw-056) folgen demselben Grundmuster - Scheibe durch einen Teig ziehen, in heißem Fett ausbacken -, allerdings mit Fruchtmus-Füllung und reinem Eidotter-Teig statt Milchteig.
Der Rezepttitel selbst ist im Druck beschädigt überliefert. Die Lesart „Zogene Schnitlen“ (gezogene Schnittchen) gilt als gesichert: Sie passt zur im Rezept selbst genannten Zubereitung und wird durch das bereits reviewte Zwillingsrezept std-030 gestützt, das dieses Rezept dort ausdrücklich als Beleg für die Gattung „gezogene Schnitten“ nennt.
Der Urtext nennt „zwei oder drei Eier“ als gleichwertige Mengen-Optionen; die Zutatenliste übernimmt die kleinere Menge als praktikable Standardmenge, die größere ist ebenso belegt. Der letzte Satz der Vorlage bricht grammatisch ab (kein Verb nach „wer den gern trucken“); die Übersetzung ergänzt ihn sinngemäß als Gegenstück zu „wer Eier will“, ohne dass die Vorlage selbst einen Effekt der Eier-Zugabe behauptet.
Praxis. Milch mit Mehl zu einem dicken, breiartigen Teig verrühren (Konsistenz wie Kinderbrei). Semmelscheiben darin wenden, bis sie rundum benetzt sind, dann bei mittlerer bis starker Hitze in reichlich heißem Schmalz von beiden Seiten goldbraun ausbacken, insgesamt etwa 15 Minuten. Sofort servieren. Wer möchte, rührt zwei bis drei verquirlte Eier in den Teig, wer sie lieber ohne Ei mag, lässt sie weg - beide Varianten nennt der Urtext gleichwertig. Zur genauen Backdauer macht die Vorlage keine Angabe außer der Temperaturqualität „haiß“; die Zeitangabe hier ist eine moderne Praxisempfehlung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-214/
fyndling.de/rezepte/std-214/