Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Knusprige Teigeinfassung für eine Torte
Moderne Übersetzung
Nimm den Teig und mache ihn wie den Teig für die Hasenöhrlein. Rolle ihn aus und walze ihn auf das aller dünnste. Lege ihn danach zehn oder zwölf Mal übereinander und schneide ihn auf das allerkleinste.
Gib Schmalz in ein Pfännchen über das Feuer. Verteile das geschnittene Teigstückchen ein wenig darin und drücke es gut mit einem Löffel zusammen. Backe es knusprig, sodass es nicht braun wird, und lege es dann um eine Torte.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| den taig | Teig | - | - | - |
| schmaltz | Schmalz | - | Supermarkt, Metzger | Pflanzenöl oder Butterschmalz |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht/Konfekt ist das? Keine eigenständige Speise, sondern eine frittierte Teig-Zierborte für den Rand einer Torte: sehr dünn ausgerollter, zehn- bis zwölffach übereinandergelegter Teig wird in kleinste Stücke geschnitten, in Schmalz knusprig - aber ohne zu bräunen - gebacken und um die fertige Torte gelegt. Ein Textzwilling im mittelenglischen Forme of Cury (foc-159, dort papierdünner, frittierter Teig mit Honig und Custard als eigenes Dessert statt als Tortenrand) bestätigt: die Betonung liegt auf der extremen Dünne des Teigs, nicht auf einer besonderen Form.
Der Teig heißt im Text ausdrücklich "Hasenöhrlein-Teig" - kein Bild für Dünnheit, sondern der Name eines im Buch selbst bekannten Teig-/Gebäcktyps: an derselben Stelle im selben Buch (wo10-104) und in saw-102 wird mit fast wortgleicher Formulierung auf denselben Teig verwiesen.
Ob "gefess" hier eine geflochtene Einfassung oder, wörtlicher, ein Gefäß meint, bleibt offen (siehe Lesart unten) - die anschließende Verarbeitung des Teigs spricht für die Einfassung.
Praxis. Den Teig hauchdünn ausrollen, zehn bis zwölf Lagen übereinanderlegen und in feinste Stückchen schneiden. Reichlich Schmalz in einer Pfanne erhitzen, die Teigstückchen darin verteilen und mit einem Löffel zusammendrücken, damit sie sich zu einem zusammenhängenden Stück verbinden. Nur bis resch (knusprig) backen, nicht bräunen lassen, dann als Randeinfassung um eine fertige Torte legen.
Was heißt „gefess"? Ralfs Randnotiz am Faksimile markiert das Wort als ungeklärt, und das zu Recht: Die Wörterbücher führen „gefäs" als Behältnis, nicht als Einfassung. Für den Teigkranz entscheidet trotzdem der Text selbst - Titel und Schlusssatz sagen beide umb den/ein dortten, und wo die Handschrift ein echtes Gefäß meint, schreibt sie „geschirr" (wo10-115). Das Wort steht im gesamten Korpus nur hier.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wo10-107/
fyndling.de/rezepte/wo10-107/