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Ackerman: Gewürztes Wurzelkonfekt

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 Glas ~500 mlBuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Nimm Trockenwurz oder gelbe Gilgenwurz, die in Teichen wachsen und an der Wurzel rot sind. Diese sollen sauber sein, sodass kein Schwarzes daran bleibt. Schneide sie dann quer so dünn wie eine Kreutzer-Münze.

Gib die geschnittenen Wurzeln in eine Messingpfanne, sodass die Wurzeln angemessen drei Viertel eines Maßes füllen. Gieße ein Maß guten Rotwein hinzu, und zwar vom besten, und lass sie so lange sieden, bis der Wein vollständig eingesiedet ist. Nimm sie dann aus der Pfanne in einen Mörser und stoße sie nicht zu klein.

Für die drei Viertel Maß Wurzel nimm zwei Maß geklärten Zucker, das sind vier Pfund Rohzucker, bevor er geklärt wird. Gib die drei Viertel Maß Wurzel in den geklärten Zucker und siede sie eine halbe Viertelstunde lang miteinander. Nimm ferner ein Viertel Maß des besten Ingwers, der in Scheiben geschnitten ist, und schneide ihn so dünn, wie du kannst.

Nimm außerdem ein Lot gute Zimtstangen, drei Quentchen Paradieskörner, drei Quentchen Langen Pfeffer, drei Quentchen Galgant, drei Quentchen Muskatnuss, drei Quentchen Muskatblüte, drei Quentchen Gewürznelken, drei Quentchen Kardamom und drei Quentchen Kubeben. Stoße alle diese oben genannten Gewürze zu feinem Pulver und gib sie alle unter den geklärten Zucker und unter die Wurzel. Rühre es gut untereinander und lass es so lange sieden, bis es die Konsistenz von festem Eigelb annimmt. Gib es dann in ein glasiertes Geschirr, so ist es fertig zubereitet.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Trockenwurtz oder gelb Gilgen wurtz die da wachsen In den weihern die Rot an der wurtz seind Gelbe Lilienwurzel (oder Trockenwurzel), die in Teichen wächst und an der Wurzel rot ist - Online-Kräuterhandel, spezialisierte Gärtnerei -
ein mass gutten Roten wein Ein Maß guter Rotwein - - -
vier pfund rohen zucker Ehe man klert 2 kg Rohzucker (ergibt zwei Maß geklärten Zucker) 2000 g - -
ein vierdung den bosten Imber der gesechelt sey Ein Viertel Maß des besten Ingwers, in Scheiben geschnitten - - -
1 lot gutten zimerrorlach gute Zimtstangen 15 g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
3 quint parisskorner 11,25 g Paradieskörner 11¼ g Online-Gewürzhandel -
3 quint langenpfeffer 11,25 g Langer Pfeffer 11¼ g Online-Gewürzhandel -
3 quint galgant 11,25 g Galgant 11¼ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
quint muscatnuss 11,25 g Muskatnuss 11¼ g - -
3 quint Muscatpluet 11,25 g Muskatblüte 11¼ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
3 quint negelen 11,25 g Gewürznelken 11¼ g - -
3 quint Cardamomi 11,25 g Kardamom 11¼ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
3 quint kobeblach 11,25 g Kubeben 11¼ g Online-Gewürzhandel -

Welches Konfekt ist das? Ein hochgewürztes Wurzelkonfekt: Die Wurzel wird zuerst in Rotwein weichgekocht, dann mit Ingwer und neun fein gestoßenen Gewürzen in geklärtem Zucker eingedickt, bis eine feste, formbare Masse entsteht. Lebende Verwandtschaft sind kandierter Ingwer, kandierte Angelikawurzel oder eine feste Gewürz-Latwerge wie Quittenkäse - ein Konfekt in kleinen Stücken zum direkten Verzehr, kein Tafelgericht im engeren Sinn.

Welche Wurzel ist gemeint? Der Text nennt zwei mit „oder“ verbundene Namen für dieselbe Pflanze: „Trockenwurz“ und „gelb Gilgenwurz“, beide wachsend in Teichen und rot an der Wurzel. „Gilgen“ heißt wörtlich Lilie, doch Gartenlilien wachsen nicht in Teichen. Zwei Wasserpflanzen kommen als Alternative infrage, Kalmus (Acorus calamus) und Wasserschwertlilie (Iris pseudacorus) - beide werden in frühneuzeitlichen Arzneibüchern unter ähnlichen Namen geführt. Welche der drei Pflanzen hier tatsächlich gemeint ist, bleibt ungeklärt. Einen Ersatz schlagen wir nicht vor: Das Konfekt lebt von genau dieser Wurzel, und jede Vertretung wäre ein anderes Gericht.

Praxis. Die Wurzelscheiben münzendünn schneiden, dann im Rotwein einkochen, bis der Wein vollständig verdunstet ist - das weicht die Wurzel vor und entzieht ihr vor der Zucker-Stufe die Feuchtigkeit. Im Mörser nur grob stoßen, nicht zu Brei zerkleinern, damit im fertigen Konfekt Wurzelstücke erkennbar bleiben. Die rohen, dünn geschnittenen Ingwerscheiben werden roh in den Sud gegeben und dort mitkandiert, nicht separat vorgekocht. Die neun Feingewürze zu feinem Pulver stoßen, damit sie sich gleichmäßig im Zuckersirup verteilen statt Klumpen zu bilden. Voraussetzung ist bereits geklärter Zucker (Rohzucker, mit Eiweiß geklärt) - dieser Klärschritt selbst wird im Rezept nicht beschrieben, sondern als vorhanden vorausgesetzt. Ohne Zuckerthermometer entscheidet die Konsistenzprobe „hart wie Eigelb“ über den Endpunkt des Kochens; danach die Masse in ein glasiertes Gefäß zum Auskühlen füllen.

Was ist ein „Ackerman“ in diesem Rezept?

Der „Ackerman“ ist hier der Name eines Gerichts, vermutlich eine Art Konfekt oder eine gewürzte Paste. Der Name, der eigentlich einen Ackerbauern bezeichnet, ist in diesem Kontext eher symbolisch oder humorvoll zu verstehen, da die luxuriösen Zutaten (geklärter Zucker, viele exotische Gewürze) auf eine gehobene Küche hindeuten, die nicht typisch für einen einfachen Bauernhaushalt war.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Nicht wegen der Technik - Pfanne, Mörser und Feuer genügen - sondern wegen der Hauptzutat: Die im Text verlangte Wurzel ist heute nicht zu beschaffen, und einen Ersatz gibt es nicht, der noch dasselbe Konfekt ergäbe. Dazu kommen vier Pfund Rohzucker, der erst geklärt werden muss, und neun Gewürze, die einzeln fein zu stoßen sind.

Was bedeuten die Maßeinheiten „Lot“ und „Quint“ im Rezept?

Ein Lot war ein historisches Gewichtsmaß, das etwa 15 Gramm entspricht. Ein Quentchen (Quint) ist ein Viertel Lot, also etwa 3,75 Gramm. Diese Einheiten wurden im Mittelalter häufig für teure Gewürze verwendet.

Was ist geklärter Zucker?

Geklärter Zucker ist Rohzucker, der durch Kochen mit Eiweiß oder anderen Mitteln gereinigt wurde. Dieser Prozess entfernte Verunreinigungen und ergab einen helleren, reineren und oft auch feineren Zucker, der im Mittelalter ein Luxusgut war.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Ein ackerman zumachen Item nimb Trockenwurtz oder gelb Gilgen wurtz die da wachsen In den weihern die Rot an der wurtz seind vnd scholl sy schon das kain schwartz daran bleib vnd schneid sy dann vber zwerch als dinn als ein kreutzer vnd thue dann die geschnitten wurtz In ein messin pfannen vnd das die wurtz drey vierdung Ratlich hab vnnd geuss ein mass gutten Roten wein daran nach dem boesten vnd lass sie sieden als lanng biss der wein gar einseudt vnd thue sy dann aus der pfannen In ein mor= ser vnnd stoss sie nit zuklain vnd nimb In die drey vierdung wurtz zwu mass klerten zucker das ist vier pfund rohen zucker Ehe man klert vnd thue die drey vierdung wurtz In den klerten zucker vnnd seud sie anein= ander ein halben viertel stund lang vnd nimb ein vierdung den bosten Imber der ge= sechelt sey vnd schneid den auff das aller dinnest so du kanst Item mer nimb 1 lot gutten zimerrorlach 3 quint parisskorner 3 quint langenpfeffer 3 quint galgant quint muscatnuss 3 quint Muscatpluet 3 quint negelen 3 quint Cardamo= mi 3 quint kobeblach die stoss alle klain zu pul= uer die obgemelten gewurtz allen thue vnder den klerten zucker vnnd vnder die wurtz vnd ruer es wol vndereinander lass sieden als lang ein hort bar Ayr vnd thue es In ein glasierts geschirr so ist es gemacht
ackerman

Der Begriff „Ackerman“ bezeichnet im Mittelhochdeutschen einen Ackerbauern. Im Kontext dieses Rezepts ist es der Name eines Gerichts, vermutlich eine Anspielung auf die Herkunft der Wurzeln oder eine humorvolle Bezeichnung für ein herzhaftes, aber luxuriöses Konfekt.

Trockenwurtz

Der Text nennt zwei mit „oder“ verbundene Namen für dieselbe Teichpflanze: „Trockenwurtz“ und „gelb Gilgenwurtz“. Die Parallelstellung legt nahe, dass „Trockenwurtz“ selbst ein Pflanzenname oder ein regionales Synonym ist, nicht eine allgemeine Zustandsbeschreibung wie „getrocknete Wurzel“. Eine eindeutige botanische Zuordnung ließ sich nicht finden; die Identität bleibt offen.

Gilgen wurtz

Wörtlich „Lilienwurzel“. „Gilgen“ (Lilie) wird im Frühneuhochdeutschen aber nicht nur für die Gartenlilie verwendet: Das Deutsche Wörterbuch (Grimm) führt „Teichlilie“ auch als Bezeichnung für Kalmus (Acorus calamus) und für die Wasserschwertlilie (Iris pseudacorus) - beide echte Teichpflanzen, anders als die Gartenlilie. Der Fundort „in den weihern“ (in Teichen) passt zu beiden Kandidaten mindestens so gut wie zu einer Zierlilie. Welche der drei Pflanzen hier gemeint ist, bleibt ungeklärt.

Kreutzer

Eine kleine Münze, die im süddeutschen Raum und Österreich verbreitet war. Die Angabe „als dinn als ein kreutzer“ bedeutet also „sehr dünn geschnitten“.

Mass

Ein historisches Hohlmaß, dessen Volumen regional stark variierte (z.B. für Flüssigkeiten zwischen 1 und 2 Litern, für trockene Waren auch mehr). Hier dient es als relatives Maß für die Proportionen der Zutaten.

Lot

Ein historisches Gewichtsmaß, das etwa 15 Gramm entspricht.

Quint

Ein Quentchen (Quint) ist ein Viertel Lot, also etwa 3,75 Gramm.

klerten zucker

Geklärter Zucker. Rohzucker wurde durch Kochen mit Eiweiß oder anderen Mitteln gereinigt, um Verunreinigungen zu entfernen und einen helleren, reineren Zucker zu erhalten.

gesechelt

Vermutlich eine Form von „gescheitelt“ oder „geschält“, hier im Sinne von „in Scheiben geschnitten“ oder „vorbereitet“.

zimerrorlach

Zimtstangen, wörtlich ‚Zimt-Röhrlein‘. Die Schreibung ist für diese Handschrift ungewöhnlich: Wo10 schreibt dasselbe Wort sonst ausnahmslos auf -len (‚Rorlen‘ 29-mal, ‚zimetrorlen‘ 4-mal); ‚zimerrorlach‘ auf -lach ist der einzige Beleg im ganzen Buch. Im übrigen Rezeptbestand ist die Endung -lach fast nur im Kochbuch der Sabina Welserin (Augsburg) belegt, wo dieselbe Zutat 40-mal als ‚rerlach‘ oder ‚zimerrerlach‘ erscheint; bairische und rheinfränkische Handschriften verwenden durchgehend -lein oder -lin. Da das Rezept mit ‚Ein ackerman zumachen‘ zudem eine eigene Überschrift trägt, könnte es aus einer schwäbischen Vorlage stammen. Ein einzelner Beleg trägt diesen Schluss aber nicht, er bleibt eine Beobachtung.

parisskorner

Paradieskörner (Aframomum melegueta), auch als Guineapfeffer bekannt. Ein pfefferartiges, zitronig-scharfes Gewürz aus Westafrika, das im Mittelalter sehr beliebt war.

langenpfeffer

Langer Pfeffer (Piper longum), eine Pfefferart mit süßlich-scharfem Geschmack, die im Mittelalter häufiger verwendet wurde als heute.

galgant

Galgant (Alpinia officinarum), eine Ingwer-ähnliche Wurzel mit scharf-zitronigem Geschmack, die in der mittelalterlichen Küche weit verbreitet war.

muscatpluet

Muskatblüte (Macis), der Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Muskatnuss selbst.

negelen

Gewürznelken, die getrockneten Blütenknospen des Nelkenbaums. Ihr Name leitet sich von ihrer nagelähnlichen Form ab.

Cardamomi

Kardamom, ein aromatisches Gewürz mit süßlich-scharfem Geschmack, das in der mittelalterlichen Küche oft in süßen und herzhaften Gerichten verwendet wurde.

kobeblach

Kubeben (Piper cubeba), eine Pfefferart mit pfeffrig-kampferartigem Geschmack, die im Mittelalter als Gewürz und Heilmittel geschätzt wurde.

hort bar Ayr

Diese Formulierung beschreibt die gewünschte Konsistenz der Masse. „Hart wie Eier“ oder „fest wie Eigelb“ bedeutet, dass die Paste so weit eingekocht werden soll, bis sie eine sehr dicke, feste und formbare Konsistenz erreicht hat.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 286r
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein mass gutten Roten weinred wine Q1827
1 lot gutten zimerrorlachcinnamon Q28165
3 quint parisskornergrain of paradise Q1503476
3 quint langenpfefferlong pepper Q685336
3 quint galgantlesser galangal Q27653540
quint muscatnussnutmeg Q83165
3 quint Muscatpluetmace Q1882876
3 quint negelenclove Q15622897
3 quint Cardamomicardamom Q14625808

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartTrockenwurtz oder gelb Gilgenwurtz

Gewählte Lesart: Zwei mit „oder“ verbundene Namen für dieselbe, in Teichen wachsende, an der Wurzel rote Pflanze. Welche Pflanze konkret gemeint ist, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Eine Zierlilie (Lilium), der wörtlichen Bedeutung von „Gilgen“ folgend. - „Gilgen“ heißt im Frühneuhochdeutschen grundsätzlich „Lilie“. Gegen diese Lesart spricht, dass Gartenlilien nicht typischerweise in Teichen wachsen.
  • Kalmus (Acorus calamus). - Das Deutsche Wörterbuch (Grimm) belegt „Teichlilie“/„gelb gilgenwurtzlein“ in Arzneibüchern des 16. Jahrhunderts (Wirsung 1588, Gäbelkover 1585/1595) ausdrücklich als Übersetzung von lat. „acorus“ = Kalmus, einer aromatisch-bitteren Sumpfpflanze. Der Fundort „in den weihern“ und der Apotheker-Charakter dieses Buchs passen dazu mindestens so gut wie zur Gartenlilie.
  • Wasserschwertlilie (Iris pseudacorus). - Ebenfalls eine Teichpflanze, in älterer Literatur unter ähnlichen Namen geführt. Lässt sich wie Kalmus weder ausschließen noch belegen.

Lesartdrey vierdung Ratlich hab

Gewählte Lesart: Dass die Wurzeln angemessen drei Viertel eines Maßes füllen oder ausmachen. 'Maß' ist hier eine relative Mengenangabe, die die Proportionen zu den anderen Zutaten festlegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Dass die Wurzeln drei Viertel des Pfannenvolumens einnehmen. - Die Formulierung 'In ein messin pfannen vnd das die wurtz drey vierdung Ratlich hab' könnte sich auch auf das Füllvolumen der Pfanne beziehen, bevor der Wein hinzugefügt wird. Die spätere Referenz 'In die drey vierdung wurtz' macht jedoch eine absolute Mengenlesart plausibler.

Lesarteinseudt

Gewählte Lesart: Einsiedet, also vollständig verkocht oder verdampft ist.

Lesartquint muscatnuss

Gewählte Lesart: Aufgrund des Musters der vorhergehenden Gewürzangaben ('3 quint [Gewürz]') wurde hier '3 quint muscatnuss' angenommen, also 11,25 g Muskatnuss.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Menge für Muskatnuss ist im Originaltext nicht explizit genannt und könnte beliebig sein. - Der Originaltext lässt die Mengenangabe für Muskatnuss aus. Eine Annahme von '3 quint' ist eine Interpretation, die auf dem Kontext der umgebenden Gewürzangaben basiert.

Lesartgesechelt

Gewählte Lesart: In Scheiben geschnitten oder vorbereitet in dünnen Stücken. Dies passt zur nachfolgenden Anweisung, den Ingwer 'auff das aller dinnest' zu schneiden.

Andere mögliche Lesart:

  • Geschält. - Der Begriff könnte auch 'geschält' bedeuten, was eine übliche Vorbereitung für Ingwer wäre, bevor er dünn geschnitten wird.

Lesarthort bar Ayr

Gewählte Lesart: Bis es die Konsistenz von festem Eigelb annimmt. Dies beschreibt eine sehr dicke, feste und formbare Paste, ähnlich der Textur von hartgekochtem Eigelb.

Andere mögliche Lesart:

  • Bis es hart wie Eier ist. - Die wörtliche Übersetzung 'hart wie Eier' ist ebenfalls möglich und beschreibt eine ähnliche feste Konsistenz, wobei 'Eigelb' die Feinheit der Paste besser trifft.

Lesartzimerrorlach

Gewählte Lesart: Zimtstangen. Das Wort ist als ‚zimer‘ und ‚rorlach‘ gelesen, also Zimt-Röhrlein. Das CoReMA-Glossar setzt ‚rorlin‘ ausdrücklich mit Zimt gleich (Wikidata Q28165), und dieselbe Zutat steht in dieser Handschrift 33-mal als ‚Rorlen‘.

Andere mögliche Lesart:

  • Zimtrinde ohne Festlegung auf die Röhrenform. - Sachlich dasselbe Gewürz. Die Handschrift benennt aber ausdrücklich die Handelsform, und das Rezept stößt ohnehin alles zu Pulver, sodass die Form für die Zubereitung keinen Unterschied macht.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 286r, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz. Foliierung nach CoReMA - die Handschrift überspringt beim Zählen die Nummer 282, auf dem Blatt selbst steht daher 287r.
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein: Das Konfekt steht und fällt mit der Wurzel, die der Text verlangt - und die ist weder im Handel noch am Markt zu bekommen. Ohne sie kocht man ein anderes Gericht. Auch die vier Pfund zu klärender Rohzucker und die neun einzeln zu stoßenden Gewürze sind Vorratshaltung, keine Lagerarbeit.
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Stand dieser Fassung: 03.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.