Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676))
Flaschenlagerung ohne Wasserbecken: Kellernischen, Sonnenraum, Korken
Moderne Übersetzung
Wo du kein Wasser zur Verfügung hast oder die Kosten scheust, die das Anlegen solcher Kühlbecken an manchen Orten erfordern kann, da ist es am besten, in deinen Kellern Gewölbe unter die Höhe des Bodens zu graben oder in den Wänden nahe am Boden Nischen zu machen und deine Flaschen schräg hineinzulegen. Denn je weiter sie von der Luft entfernt und je mehr sie von Stein oder Erde umschlossen sind, desto kühler bleiben sie und desto weniger sind sie den Nachteilen ausgesetzt, die aus der Wechselhaftigkeit der umgebenden Luft entstehen.
Um die Reife deines Flaschengetränks zu beschleunigen, kannst du die Flaschen oben im Haus in einen Raum stellen, den die Strahlen der Sonne erwärmen. Das beschleunigt seine Reife sehr und ist leichter getan, als es jedes Bewegen sein kann. Auf diese Weise hält es sich aber nicht lange, und man muss auf seine Flaschen achtgeben.
Die Korken deiner Flaschen für den Fall der Gefahr festzubinden, ist nicht so sehr zu empfehlen, wie sie mit vollen Korken gut einzupassen. Denn es ist besser, das Getränk treibt den Korken heraus, als dass es die Flasche zerbricht. Und das muss geschehen, wenn der Korken festgebunden und das Getränk nicht gut beschaffen ist.
Zubereitungshinweis
Was ist das? Die Fortsetzung von Worlidges Flaschenlagerung (wor-029): Dort hält er Becken mit Quellwasser für den besten Platz. Unmittelbar davor beschreibt er, wie man ein solches Becken aus Stein oder Ziegeln im Boden oder an der Seite des Kellers mauert, mit Quellwasser speist und mit einer kleinen Handpumpe leert; diese Stelle steht im Eintrag davor (wor-030). Hier nennt er, was zu tun ist, wo Wasser fehlt oder das Becken zu teuer käme, dazu zwei Ratschläge zu Reife und Verschluss.
Gewölbe und Nischen. Erde und Mauerwerk dämpfen die Wechsel von Wärme und Kälte, deshalb sollen die Flaschen unter der Höhe des Kellerbodens oder in Wandnischen nahe am Boden liegen. Worlidge begründet das mit der Luft, die er für den Träger der Schwankungen hält; das ist seine Erklärung. Warum die Flaschen schräg liegen sollen, sagt er schon beim Abfüllen (wor-028): Der Korken bleibt feucht, und die Luftblase liegt an der Seite statt am Korken.
Der warme Raum. Ein Getränk, das in der verschlossenen Flasche noch nachgärt, reift in der Wärme schneller; die Wärme treibt aber auch den Druck in der Flasche hoch. Worlidge sagt nur, dass sich das Getränk so nicht lange hält und man auf die Flaschen achten muss, nicht wie lange die Flaschen oben stehen sollen. Das Bewegen (Agitation) nennt er als bekanntes anderes Mittel, die Reife zu beschleunigen, ohne zu sagen, wie es geschieht.
Die Korken. Worlidge will die Korken gut eingepasst, aber nicht festgebunden haben: Steigt der Druck in einem Getränk, das nicht gut beschaffen ist, soll lieber der Korken fliegen als die Flasche brechen. Womit man festband, sagt er nicht. Das ist seine Abwägung von 1676, keine Sicherung: Ein Korken fliegt nicht verlässlich, bevor das Glas nachgibt.
Praxis. Flaschen mit nachgärendem Getränk kühl und gleichmäßig lagern, liegend oder schräg. Heute (modern): Für Getränke, die in der Flasche Kohlensäure bilden, druckfeste Flaschen verwenden, etwa Bügel- oder Sektflaschen; gewöhnliche Flaschen können platzen und Glassplitter verstreuen, und herausschießende Korken können verletzen. Warm gestellte Flaschen nur kurz und unter Aufsicht stehen lassen, dann wieder kühl lagern.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wor-031/
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