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Ein Kühlbecken für die Flaschen mauern, speisen und leeren

Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676

RezeptKellerhandwerkMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchWorlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (~1676)

An manchen Orten lässt sich das Wasser für einen solchen Kühlkeller leicht haben, sowohl für die ständige Zufuhr von kühlem Quellwasser als auch für seinen Ablauf, der ebenso nötig ist wie die Zufuhr. An vielen Orten kann der Cider-Macher eine Quelle von einer Stelle in geringer Entfernung zu seinem Kühlkeller leiten, wird das Wasser aber nicht so leicht wieder los. Das muss ebenso bedacht werden wie das andere.

Kannst du also bequem am Boden oder an der Seite deines Kellers ein Becken anlegen, das Wasser hält, entweder aus Stein oder Ziegel, gut vermörtelt - und wenn aus Ziegel, mit Gips verputzt oder mit einem Kitt aus Leinöl und frisch gelöschtem Kalk, in den ein wenig Baumwolle eingeschlagen ist -, und kannst du es nach Bedarf mit einem Zulauf von kühlem Quellwasser speisen, so leerst du es mit einer kleinen Handpumpe, wie man sie gewöhnlich auf kleinen Schiffen benutzt. Sie ist in Hafenstädten günstig zu haben. Damit kannst du dein Becken oder Kühlbecken einmal in der Woche leer pumpen, öfter oder seltener, je nachdem, wie es die Wärme oder Kälte der Luft zu verlangen scheint, und es wieder aus deiner Quelle füllen, oder, wenn sie fehlt, aus einem Brunnen oder einer Pumpe, woraus du dein Wasser für andere Zwecke holst.

Liegt dein Becken aber im Erdreich unter deinem Keller, brauchst du deine Ziegel oder Steine nur in gut durchgearbeiteten Ton zu setzen, der dick unter die Ziegel oder Steine und an die Seiten des Beckens gelegt wird.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Stone Stein - - -
Brick Ziegel - - -
Plaiſter of Paris Gips - - Kitt aus Leinöl, gelöschtem Kalk und Baumwolle
Linſeed-oyl Leinöl - - -
Lime newly ſlakned frisch gelöschter Kalk - - -
a little Cotton-wool ein wenig Baumwolle - - -
Clay well tempered gut durchgearbeiteter Ton - - -
a ſmall Hand-pump kleine Handpumpe - - -

Was ist das? Die Bauanleitung für das Becken mit kühlem Quellwasser, das Worlidge im Abschnitt davor als besten Platz für gefüllte Flaschen empfiehlt (wor-029). Kein Getränk, sondern Kellerbau. Auf diese Anweisung greift er auch beim Metheglin zurück, dessen Flaschen in einen Kühlkeller kommen sollen, „wie es oben für den Cider angegeben ist“ (wor-019).

Zulauf und Ablauf. Ein dauernd durchfließendes Becken setzt einen Abfluss voraus, den viele Keller nicht haben. Worlidge lässt das Wasser deshalb stehen und wechselt es: leer pumpen mit einer kleinen Handpumpe, neu füllen aus der Quelle oder aus Brunnen und Pumpe. Die Häufigkeit richtet er nach der Luft, einmal in der Woche, bei Wärme öfter, bei Kälte seltener. Das passt dazu, dass stehendes Wasser mit der Zeit die Wärme des Kellers annimmt und frisches Quellwasser die Kühle zurückbringt; eine Dauer oder Wassertiefe nennt er nicht.

Dichtung. Stein oder Ziegel werden vermörtelt; Ziegel bekommen eine dichte Haut aus Gips oder aus einem Kitt von Leinöl und frisch gelöschtem Kalk. Wozu die Baumwolle im Kitt dient, sagt er nicht; naheliegend ist, dass die Fasern ihn zusammenhalten. Im Erdreich unter dem Keller übernimmt der dick gelegte, gut durchgearbeitete Ton die Abdichtung selbst.

Was offen bleibt. Wie die Flaschen im Becken stehen, wie hoch das Wasser steht und wie der Zulauf gebaut wird, beschreibt Worlidge nicht. Wo Wasser fehlt oder der Bau zu teuer ist, rät er im nächsten Abschnitt zu Gewölben und Wandnischen (wor-031).

Praxis. Heutiger Hinweis: Gips ist nach heutiger Baupraxis auf Dauer nicht wasserfest und weicht in stehendem Wasser auf; von Worlidges beiden Dichtungen ist der Kitt die für ein Wasserbecken geeignetere. Frisch gelöschter Kalk ätzt Haut und Augen; wer Branntkalk selbst löscht, muss mit starker Hitze und Spritzern rechnen, also Handschuhe und Schutzbrille tragen. Ob das kalte Wasser das Springen der Flaschen verhindert, hat Worlidge selbst offen gelassen (wor-029): Flaschen mit nachgärendem Getränk können auch im Becken platzen.

Wie baut Worlidge sein Wasserbecken?

Am Boden oder an der Seite des Kellers aus Stein oder Ziegel, gut vermörtelt; Ziegel werden mit Gips verputzt oder mit einem Kitt aus Leinöl, frisch gelöschtem Kalk und etwas Baumwolle abgedichtet. Liegt das Becken im Erdreich unter dem Keller, genügt es, Ziegel oder Steine in gut durchgearbeiteten Ton zu setzen, der dick darunter und an die Seiten gelegt wird.

Wie oft wird das Wasser gewechselt?

Worlidge pumpt das Becken mit einer kleinen Handpumpe einmal in der Woche leer, öfter oder seltener, je nachdem, was die Wärme oder Kälte der Luft verlangt, und füllt es aus der Quelle nach, oder, wo sie fehlt, aus Brunnen oder Pumpe.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.

In ſome places the conveniencie of Water may eaſily be had for ſuch a Refrigeratory, both for the conſtant ſupply of cool Spring-water, and for its evacuation again, which is as neceſſary as its ſupply: and in many places the Cideriſt may command a Spring from ſome place a little diſtant from his Refrigeratory, but cannot ſo eaſily be rid of it again; which muſt be as well conſidered of as the other. Therefore if you can conveniently make a Ciſtern in the bottom or on the ſide of your Cellar that will hold water, either of Stone or Brick well cemented, and if of Brick, plaiſtered with Plaiſter of Paris, or with a Cement made of Linſeed-oyl and Lime newly ſlakned, with a little Cotton-wool beat into it, and can, as occaſion requires, ſupply it with a deſcent of cool Spring-water; your way to evacuate the ſame, will be with a ſmall Hand-pump, ſuch as they uſually uſe in ſmall Veſſels at Sea, and may be had in Maritime Towns at an eaſie rate, with which you may pump your Ciſtern or Conſervatory dry once a week, oftner or more ſeldome, as the warmth or coldneſs of the Air ſeems to require; and ſupply it again from your Spring, or in defect thereof from ſome Well or Pump, whence you draw your Water for other occaſions. But if your Ciſtern be made in the Ground under your Cellar, you need only lay your Brick or Stone in Clay well tempered, and laid thick under the Brick or Stone, and on the ſides of the Ciſtern.
Refrigeratory, Conſervatory

Worlidge gebraucht beide Wörter für die kühle Lagerstätte der Flaschen; im Register seines Buchs verweist „Refrigeratory“ auf „Conservatory“. Hier ist mit beiden das Becken mit Quellwasser gemeint, das er im Abschnitt davor empfiehlt (wor-029).

Druck
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676)
Sprache
Englisch der Restaurationszeit (London 1676); John Worlidge
Entstehung
England, 1676

Originalwerk (~1676) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 110, Mikrofilm Early English Books 1641-1700, via archive.org Quelle öffnen
Transkription
Eigene Lesung am Seitenbild, Druck S. 110-111 (Mikrofilm Early English Books 1641-1700, via archive.org); im EEBO-TCP-Text A67093 fehlt die Passage Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wor-030
LagerkücheLagerküche
Kellerarbeit, kein Gericht: Bau und Betrieb eines Wasserbeckens, in dem gefüllte Flaschen kühl stehen.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.