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Fleischstücke mit Beinwell binden

The Forme of Cury · England · 1390

🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 45 Min.👥 2 Personen📖 The Forme of Cury (~1390)

Original — Mittelenglisch

Fleischstücke mit Beinwell binden — Originalseite aus The Forme of Cury
Fol. 86 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)

Transkription (Mittelenglisch)

FOR TO MAKE II. PECYS OF FLESSH TO FASTEN TOGYDER. XX.IX

Take a pece of fressh Flesh and do it in a pot for to seeþ. or take a pece of fressh Flessh and kerue it al to gobetes. do it in a pot to seeþ. & take þe wose of comfery & put it in þe pot to þe flessh & it shal fasten anon, & so serue it forth. II. _Twey_, Contents. wose. Roots of comfrey are of a very glutinous nature. Quincy. Dispens. p. 100. _Wose_ is A.S. [Anglo-Saxon: paer], _humour_, juice. See Junius. v. _Wos_, and Mr. Strype's Life of Stow, p. VIII.

Project Gutenberg – The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Den Beinwellsaft zu Hause vorbereiten und mitbringen. Die Zubereitung des Fleisches ist am Lagerfeuer möglich.

Nimm ein Stück frisches Fleisch und gib es zum Sieden in einen Topf. Oder nimm ein Stück frisches Fleisch und schneide es ganz in Brocken. Gib es zum Sieden in einen Topf. Nimm den Saft des Beinwells und gib ihn zu dem Fleisch in den Topf. Es wird sogleich zusammenbinden. Dann serviere es.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
a pece of fressh Flesh Frisches Fleisch (z.B. Rind, Schwein, Huhn) Metzger
þe wose of comfery Saft aus Beinwellwurzeln ⚠ Beinwell ist giftig und nicht für den Verzehr geeignet. Nicht kaufen oder verwenden. Siehe FAQ für Alternativen. Johannisbrotkernmehl oder Guarkernmehl als Bindemittel

Anmerkungen

Flessh
Fleisch
seeþ
sieden, kochen
gobetes
Brocken, Stücke
wose
Saft, Extrakt
comfery
Beinwell (Symphytum officinale)
fasten anon
sofort zusammenbinden

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

II. PECYS OF FLESSH TO FASTEN TOGYDER

Gewählte Lesart: Die Anweisung, das Fleisch in Brocken zu schneiden und dann den Beinwellsaft hinzuzufügen, deutet darauf hin, dass die Stücke zu einer zusammenhängenden Masse (ähnlich einem Fleischlaib) gebunden werden sollen.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten, zwei größere, separate Fleischstücke miteinander zu verbinden. — Der Titel 'II. Pecys' (zwei Stücke) könnte diese Lesart nahelegen, obwohl die detailliertere Anweisung zum Zerkleinern des Fleisches die erste Interpretation wahrscheinlicher macht.

wose of comfery

Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'Saft des Beinwells' wurde gewählt, da 'wose' im Mittelenglischen 'Saft' oder 'Extrakt' bedeutet und die historische Anmerkung im Originaltext dies bestätigt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre 'schleimiger Extrakt des Beinwells', um die bindende Eigenschaft stärker hervorzuheben. — Die Anmerkung im Originaltext betont die 'very glutinous nature' (sehr schleimige Natur) der Beinwellwurzeln, was diese Interpretation ebenfalls plausibel macht.

Häufige Fragen

Was ist Beinwell und wo bekomme ich ihn? Ist er sicher zu verwenden?

Beinwell (Symphytum officinale) ist eine Pflanze, deren Wurzeln einen schleimigen Saft enthalten, der als Bindemittel wirkt. Historisch wurde er auch medizinisch genutzt. **WICHTIG:** Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die bei innerer Anwendung leberschädigend sein können. Er ist heute nicht mehr für den Verzehr empfohlen. Für dieses Rezept kann man stattdessen ein modernes, sicheres Bindemittel wie Johannisbrotkernmehl oder Guarkernmehl verwenden, um den Effekt des Zusammenbindens zu erzielen, oder auf das Rezept verzichten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Der Beinwellsaft muss zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden. Das Kochen des Fleisches und das Hinzufügen des Bindemittels sind problemlos über offenem Feuer möglich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer Sammlung von Kochrezepten, die um 1390 für die Köche von König Richard II. von England verfasst wurde. Es ist eine der wichtigsten Quellen für die mittelalterliche englische Küche und spiegelt die kulinarischen Vorlieben des englischen Hofes wider.

Was bedeutet 'wose' im Rezept?

'Wose' bezeichnet im Mittelenglischen den Saft oder Extrakt einer Pflanze. Im Kontext dieses Rezepts ist der schleimige Saft der Beinwellwurzel gemeint, der als Bindemittel dient.

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