Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Kalijs (Süßer Milchbrei)

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-3 PersonenBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Nimm süße Milch. Schneide die Kruste von Weißbrot so klein wie Würfel. Koche dies in einer Pfanne. Gib dann gut geschlagenes Eigelb hinzu. Dies nennt man Kalijs.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
søt miælk Süße Milch - -
skorpæn. af huetebrøth Weißbrotkruste - Statt Kruste: Weißbrot ohne Rinde
æggi blomæ Eigelb - -

Welches Gericht ist das? Ein einfacher süßer Milchbrei: gewürfelte Weißbrotkruste wird in süßer Milch gegart und mit Eigelb gebunden. Er steht direkt neben dem hwitmoos aus dem Nachbarrezept (hkb-015) und der breiten Familie der Brot-Milch-Breie im Korpus (men-137, foc-040 „Cawdel Ferry“).

Der Eigenname kalijs wird im Text vergeben („Thæt hetær kalijs“). Das Wort gehört zur europäischen Wortfamilie um coulis/colis - eine durchpassierte, sämige Flüssigspeise, oft für Kranke und Schwache. Im nordischen Gebrauch ist daraus hier ein dicker, gebundener Milchbrei geworden.

Skorpæn af huetebrøth („Weißbrotkruste“): bewusst die Kruste, nicht die Krume - sie gibt im Milchsud etwas mehr Biss und Karamellnote. Æggi blomæ („Eierblume“) ist die altnordische Bezeichnung für das Eigelb; die „Blume“ meint den gelben Kern, nicht eine Zutat.

Praxis. Weißbrotkruste in kleine Würfel schneiden (ca. erbsen- bis bohnengroß). In einer Pfanne mit etwa 400 ml süßer Milch bei kleiner Hitze köcheln, bis die Würfel weich sind und die Milch andickt. Pfanne von der starken Hitze nehmen, 2-3 gut verschlagene Eigelbe einrühren und nur noch unter Rühren binden lassen - nicht mehr aufkochen, sonst gerinnt das Ei. Sofort servieren.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt wird. Es ist eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel ‚De cibo qui uocatur kaliis‘?

Der Titel bedeutet ‚Über die Speise, die Kalijs genannt wird‘. Es ist eine lateinische Rubrik, die den folgenden altdänischen Rezepttext einleitet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche, da es frische Milch und Eier verwendet, die durchgehende Kühlung benötigen und bei sommerlichen Temperaturen schnell verderben können.

Was ist ‚Kalijs‘?

Kalijs ist ein mittelalterlicher dänischer Milchbrei, der aus süßer Milch, Weißbrotkrusten und Eigelb zubereitet wird. Er hat eine sämige Konsistenz und ist eine einfache, nahrhafte Speise, die als süßer Abschluss oder sättigende Zwischenmahlzeit dienen konnte.

De cibo qui uocatur kaliis. Man skal takæ søt miælk. oc skæræ thær .i. skorpæn. af huetebrøth swa smat sum tærning. oc siuthæ thæt .i. en pannæ. oc latæ thær til æggi blomæ wæl slaghnæ. Thæt hetær kalijs.
kalijs

Eigenname der Speise; gehört zur Wortfamilie um coulis/colis (durchpassierte, sämige Speise), hier ein dicker Milch-Brot-Brei.

æggi blomæ

Wörtlich „Eierblume“, altnordische Bezeichnung für das Eigelb (die gelbe „Blüte“ des Eis).

skorpæn af huetebrøth

Die Kruste des Weißbrots (bewusst die Rinde, nicht die Krume).

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 144v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 144v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In einer Pfanne über kleiner Glut gut machbar; nur das Eigelb darf am Ende nicht zu heiß werden. Milch und Eier brauchen Kühlung - im Sommer eher zuhause.
Alle Rezepte aus Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.