Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574
Weinbeer frisch behalten.
Mach ein dünnen Leimen mit Brunnenwasser in ein weit Geschirr, stos die Traubenstengel darein, das sie vnden nicht anrüren, henck sie in ein Keller. So du jrer bedarffst, so füll ein Zuber mit Brunnenwasser, henck sie darein, bis das der Leimen erweicht, vnd stös jn ab, darnach begeus mit anderm frischen Wasser sauber.
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000)
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Um Weintrauben frisch zu bewahren, bereitet man zunächst einen dünnen Lehmbrei mit Brunnenwasser in einem weiten Gefäß zu. Die Stiele der Weintrauben werden dann so in den Lehmbrei gesteckt, dass die Trauben selbst den Boden des Gefäßes nicht berühren. Anschließend werden die Trauben in einem kühlen Keller aufgehängt. Wenn die Trauben benötigt werden, füllt man einen Zuber mit Brunnenwasser und hängt die Trauben hinein, bis der Lehmbrei aufweicht. Danach wird der Lehm vorsichtig abgestoßen und die Trauben gründlich mit frischem Wasser gereinigt.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Weinbeer | Weintrauben | Wochenmarkt, Supermarkt | — |
| Leimen | Ausreichend Lehm / Tonerde | Baumarkt, Bastelbedarf, Töpferbedarf | Tonerde-Pulver |
| Brunnenwasser | Ausreichend Wasser | Leitung | — |
| Traubenstengel | Traubenstiele (Teil der Weintrauben) | — | — |
Lehm oder Tonerde kann man in gut sortierten Baumärkten, im Bastelbedarf oder bei Töpferbedarf-Händlern finden. Achten Sie darauf, dass es sich um reinen Lehm ohne Zusätze handelt.
Nein, dieses Rezept ist eine Methode zur langfristigen Konservierung von Weintrauben und erfordert die Lagerung in einem kühlen Keller über einen längeren Zeitraum. Es ist nicht für die Zubereitung direkt im Lager gedacht. Die so konservierten Trauben können aber natürlich ins Lager mitgebracht und dort verzehrt werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch "Koch und Kellermeisterei", das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein typisches Beispiel für die frühneuzeitliche Hauswirtschaft und Konservierungstechnik.
'Leimen' bezeichnet hier Lehm oder Tonerde. Er wird mit Wasser zu einem Brei angerührt und dient dazu, die Weintrauben luftdicht zu umschließen und so vor Austrocknung und Fäulnis zu schützen.