Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919)
Gebratenes Eier-Schmalz-Mus
Moderne Übersetzung
Für ein gebratenes Mus nimm lautere (ganze) Eier und ebenso viel Schmalz, und Salz; mach das Schmalz nicht zu heiß. Gib die Mischung in eine Pfanne und brate sie - so wird ein gebratenes Mus daraus.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| latig ayr | lautere (ganze) Eier | - | - |
| schmalcz | Schmalz | Supermarkt, Metzger | Butter oder Pflanzenöl für eine vegetarische Variante |
| salcz | Salz | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Das mittelalterliche Rührei - ganze Eier in reichlich Schmalz, verquirlt und in der Pfanne zu bröseliger Masse gerührt. Es ist die bairische Kurzfassung einer korpusweit dicht überlieferten Rezeptformel: rfk-049 (Rheinfränkisches Kochbuch), m384-051 und mha-016 tragen fast wortgleich denselben Text. Lebende Verwandtschaft: das bairisch-österreichische Eierschmalz bzw. die gebrannten Eier, ein bis heute geläufiges Bauern- und Fastenrand-Gericht und naher Vorläufer der Schmarrn-Familie. Charakteristisch und vom modernen Rührei unterscheidend ist gerade das viele Fett (als vil schmalcz).
Das Wort latig ayr meint lautere, ganze Eier - nichts als Eier, ohne Milch, Sahne oder Mehl. Die Form ist eine Schreibvariante von ytal/itel/eitel ayr (mhd. itel = bloß, nur), wie sie die Schwester-Rezepte führen: m384-051 ytalayer, rfk-049 ydel eyer, mha-016 eyttel ayren. Nicht „flüssige Eier" und nicht nur Eigelb. (Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition; die Graphie latig bleibt einmalig, die Bedeutung ist über die Sippe gesichert.)
Salcz das nicht zehays sey - zehays ist „zu heiß" und bezieht sich auf die Pfannentemperatur, nicht auf das Salz. Die m5919-Syntax verkürzt durch Auslassung des Worts „Schmalz"; die Schwester-Rezepte machen es eindeutig: m384-051 mach das schmaltz nit cze haisz, rfk-049 mach isz nit czuheisz. Sehr heißes Fett lässt das Ei körnig-gummiig anbrennen statt cremig stocken. Die Lesart „zu salzig" ist sprachlich der schwächste Fit.
Als vil schmalcz ist keine wörtliche 1:1-Mengenangabe, sondern idiomatisch „und dazu entsprechend Schmalz". Gleichviel Schmalz wie Eier wäre absurd.
Praxis. Auf 2-3 Eier 1-2 EL Schmalz und eine Prise Salz. Eier mit der Gabel kräftig verquirlen. Schmalz in der Pfanne schmelzen, aber nicht zu heiß werden lassen, Eier hineingeben und bei sanfter Hitze ständig rühren, bis die Masse gestockt-bröselig, aber noch leicht feucht ist - sofort vom Feuer ziehen. Vegetarisch mit Butter oder Öl. Am Lagerfeuer die Pfanne an den Rand der Glut stellen, nicht in die Flamme - genau das ist die historische nicht zu heiß-Anweisung in die Lagerpraxis übersetzt; über offenem Feuer brennt Rührei sonst schnell körnig an.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/m5919-058/
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