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Libro de Arte Coquinaria (Libro de arte coquinaria)

Norditalien, ~1465 · Frühitalienisch (15. Jh.)

Hahnenkamm-Pastete mit Lebern und Hoden

Moderne Übersetzung

Für eine Pastete aus Hahnenkämmen, Lebern und Hoden.

Teile jeden Hahnenkamm in drei Teile und die Lebern in vier. Die Hoden lasse ganz. Nimm ein wenig Speck und schneide ihn sehr fein, aber zerstoße ihn nicht. Nimm zwei oder drei Unzen gutes Kalbsfett und schlage es sehr gut; noch besser gelingt es dir mit Rindermark oder Kalbsmark. Halte dreißig oder vierzig saure, getrocknete Kirschen bereit, dazu Zimt und Ingwer, reichlich Zucker und einige wenige Rafiuoli (kleine gefüllte Teigtaschen). Vermische all diese Dinge miteinander und forme eine Pastete. Backe sie im Ofen oder in einer Pfanne. Wenn sie halb gar ist, nimm ein Eigelb, Safran und Verjus, schlage sie zusammen und gib sie in die besagte Pastete. Lasse sie dann so lange stehen, bis sie gar ist.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
creste di galli Hahnenkämme Metzger (auf Bestellung) Hähnchenherzen oder -mägen
ficatelli Hahnenlebern Metzger (auf Bestellung) Hähnchenlebern
testiculi di galli Hahnenhoden Metzger (auf Bestellung) Hähnchenherzen oder -mägen
lardo Speck - -
doi, o tre once de bon grasso de vitello 2-3 Unzen Kalbsfett Metzger Butter oder Schweineschmalz
medolla del bove overo de esso vitello Rindermark oder Kalbsmark Metzger Butter oder Schweineschmalz
trenta o quaranta cerase brusche et secche 30-40 saure getrocknete Kirschen Supermarkt -
cannella Zimt - -
zenzevero Ingwer - -
assai zuccharo reichlich Zucker - -
rafiuoli pochi einige Rafiuoli (kleine gefüllte Teigtaschen) frisch oder selbst gemacht kleine Brotwürfel
rosso d'ovo 1 Eigelb - -
zafrano Safran Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel -
agresto Verjus Feinkostladen / Online-Handel Apfelessig oder Zitronensaft
fa' un pastello Teig für eine Pastete - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Eine süß-würzige Geflügel-Innereien-Pastete der italienischen Renaissance-Hofküche - die direkte Verwandte der Kapaunenpastete mit Rindermark aus dem Viandier (via-073) und der süß gefüllten Fleischpastete des Forme of Cury (foc-160). Statt Filet kommen die feinen Innereien des Hahns hinein: die fleischigen Kämme (creste), die Lebern (ficatelli) und die Hoden (testiculi). Solche Reste-Delikatessen galten am Fürstenhof als Leckerbissen; die Süße aus Zucker und getrockneten Sauerkirschen macht daraus eine festliche Schaupastete, kein Alltagsgericht.

Innereien vorbereiten. Hahnenkämme in drei, die Lebern in vier Teile schneiden, die Hoden ganz lassen. Den Speck (lardo) nur fein schneiden, ausdrücklich nicht zerstoßen (ma non lo battere) - er soll als Stückchen erhalten bleiben und beim Backen Fett abgeben. Das Kalbsfett (grasso de vitello) dagegen wird gut geschlagen (battilo molto bene), damit es geschmeidig die Masse bindet; noch besser ist Rinder- oder Kalbsmark (medolla), das beim Backen schmilzt und alles saftig hält.

Süß-saurer Akzent. Die 30-40 getrockneten Sauerkirschen (cerase brusche et secche) liefern Säure und Fruchtsüße, dazu kommen Zimt, Ingwer und reichlich Zucker - das typische süß-würzige Profil der gehobenen Küche um 1465. Die Rafiuoli (kleine gefüllte Teigtaschen) werden als Einlage untergemischt.

Die Legierung. Wenn die Pastete halb gar ist, wird sie geöffnet und ein verquirltes Eigelb mit Safran und Verjus (agresto, Saft unreifer Trauben - kein Essig) hineingegossen. Diese Mischung stockt im Restbacken und bindet die Füllung zu einer cremigen, goldgelben Masse. Verjus, nicht Essig: die Säure soll fein und fruchtig bleiben.

Praxis. Wer die originalen Innereien nicht bekommt, ersetzt sie durch Hähnchenleber und -herzen (zusammen ca. 400 g). Eine Pastetenkruste aus 250 g Mehl, 125 g Butter, etwas Wasser und Salz, blind angebacken. Füllung einschichten, dazu 60 g Kalbsfett oder Mark, 1 EL Zucker, je 1 TL Zimt und Ingwer, eine Handvoll getrocknete Sauerkirschen. Bei 180 °C etwa 25 Minuten backen, dann das Eigelb-Safran-Verjus-Gemisch (1 Eigelb, 1 Prise Safran, 2 EL Verjus) einfüllen und weitere 15-20 Minuten fertigbacken, bis die Masse gestockt ist.

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