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Kapaunenpastete mit Rindermark

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Pasteten von Kapaunenbrüsten. Verarbeite die Kapaune zu einer Pastetenfüllung. Danach entbeine das gesamte Fleisch der Kapaune und das Rinderfett. Hacke alles zusammen fein. Gib in die Pastetenfüllung Rindermark und gekochte Eigelbe, die mit Nelken gespickt sind. Als Gewürze füge etwas Ingwer, Zimt, Safran und Zucker hinzu. Von den genannten Gewürzen gib die pulverisierten Sorten und Zucker in angemessener Menge zum Kochen hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
chappons Kapaune Metzger, Geflügelhof Hähnchen oder Poularde
chair des chappons Kapaunenfleisch - -
gresse de beuf Rinderfett Metzger -
moelle de beuf Rindermark Metzger -
moyeux doeufz cuytz Gekochte Eigelbe - -
clou de girofle Nelken - -
gingembre Ingwer - -
cynamome Zimt - -
saffran Safran - -
sucre Zucker - -

Welches Gericht ist das? Eine reiche gebackene Kapaunenpastete (pastés de halebrans de chappons) - entbeintes Kapaunenfleisch mit Rinderfett fein gehackt, in die Hülle gefüllt und mit Rindermark, nelkengespickten gekochten Eigelben und einer süß-würzigen Mischung aus Ingwer, Zimt, Safran und Zucker angereichert. Das ist die opulenteste der drei Viandier-Pasteten (vgl. via-071, via-072); Martino hat mit mar-038 (Hahnenkamm-Pastete mit Lebern) und mar-133 (Fleischpastete vom Kapaun) verwandte reiche Pasteten, der Ménagier mit men-166 und men-374 die Kapaun-/Kalbs-Pasteten-Familie.

halebrans ist ein seltener, unsicherer Begriff. Sonst bezeichnet halebran eine junge Wildente; im Kapaun-Kontext passt das nicht. Wahrscheinlich meint es hier ein bestimmtes (Brust-)Stück oder das beste Fleisch des Kapauns - die genaue Bedeutung bleibt offen und ist als Lesefalle markiert.

moelle de beuf (Rindermark) ist der Reichtums-Marker: Das Mark schmilzt beim Backen und macht die Füllung besonders saftig und festlich.

moyeux doeufz cuytz lardes de clou de girofle heißt "gekochte Eigelbe, mit Nelken gespickt": In die hart gekochten Eigelbe werden ganze Nelken gesteckt - ein dekoratives und aromatisches Detail, das ganze Gewürznelken in der Füllung verteilt.

Zucker neben Safran und den warmen Gewürzen macht die Pastete süß-würzig - typisch für die gehobene spätmittelalterliche Festtafel.

Praxis. Kapaunenfleisch entbeinen und mit Rinderfett sehr fein hacken. In die Pastetenhülle geben, dazu ein paar Stücke Rindermark und einige hart gekochte, mit ganzen Nelken gespickte Eigelbe. Mit gemahlenem Ingwer, Zimt, Safran und Zucker würzen ("in angemessener Menge"). Im Ofen backen, bis Teig und Füllung gar sind.

Wo bekomme ich Kapaune?

Kapaune sind heute seltener erhältlich als Hühner. Du findest sie eventuell bei spezialisierten Metzgern oder auf Geflügelhöfen. Zur Weihnachtszeit bieten größere Supermärkte manchmal Kapaune an. Eine gute Alternative sind große Hähnchen oder Poularden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Eine Pastete erfordert einen Ofen und eine kontrollierte Backtemperatur, was im Lager selten gegeben ist. Zudem ist die Füllung mit Fleisch, Fett und Mark ohne Kühlung im Sommer nicht lange haltbar. Bereite dieses Gericht besser zuhause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten französischen Kochbücher des Spätmittelalters. Es wurde um 1300 verfasst und in verschiedenen Versionen bis ins 15. Jahrhundert überliefert. Es gibt Einblicke in die höfische Küche Frankreichs.

Was bedeutet 'lardes de clou de girofle'?

Diese Anweisung bedeutet, die gekochten Eigelbe mit ganzen Nelken zu spicken. Ähnlich wie man eine Zwiebel mit Nelken spickt, werden hier die Eigelbe durchbohrt und die Nelken hineingesteckt. Dies dient sowohl einer ansprechenden Optik als auch der Geschmacksgebung.

Pastes de halebrans de chappons. Mettes les chappons en paste & apres vous descharneres toute la chair des chappons et de la gresse de beuf et haches tout ensemble & esditz pastes moelle de beuf des moyeux doeufz cuytz lardes de clou de girofle et pour espices mettes y vng peu de gingembre cynamome / saffran / et sucre desdictes espices mettes en cuire en pouldre dessusdicte et de sucre raisonnablement. (Page 25) Pastes de chappons.
halebrans

Seltener, unsicherer Begriff. Sonst eine junge Wildente; im Kapaun-Kontext vermutlich ein bestimmtes (Brust-)Stück oder das beste Fleisch - Bedeutung bleibt offen.

moelle de beuf

Rindermark; schmilzt beim Backen und macht die Füllung saftig und festlich.

moyeux doeufz cuytz lardes de clou de girofle

Gekochte Eigelbe, mit ganzen Nelken gespickt - aromatisches und dekoratives Detail der Füllung.

en pouldre dessusdicte

Die zuvor genannten Gewürze in Pulverform - Ingwer, Zimt, Safran -, dazu Zucker, beim Backen in die Füllung.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 010r
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarthalebrans

Gewählte Lesart: Ein bestimmtes Stück oder das beste (Brust-)Fleisch des Kapauns. Der Begriff ist selten und im Kapaun-Kontext nicht eindeutig belegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Junge Wildente (halebran), wörtlich genommen. - Halebran bezeichnet anderswo eine junge Wildente. Hier steht es aber in 'halebrans de chappons', also klar zum Kapaun gehörig - eine Ente passt nicht ins Rezept. Daher liegt eine übertragene Bedeutung (ein Teilstück) näher, ohne dass sie sicher belegt wäre.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 010r, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gebackene Pastete - braucht einen regelbaren Ofen; die Mark-Füllung ist ohne Kühlung im Sommer heikel.
Alle Rezepte aus Le Viandier de Taillevent Alle Kochbücher

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