Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Bereite Pasteten vom Kapaun zu. Lege Speck darauf. Für die Würzung gib Ingwer, feine Gewürze und Safran hinzu. Dieses Rezept ist sehr prägnant und setzt die Kenntnis der Pastetenherstellung voraus.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Pastes de chappons | Kapaunfleisch | - | Geflügelhändler, Wochenmarkt | Hähnchenfleisch |
| Pastes de chappons | Pastetenteig | - | - | - |
| lart | Speck | - | - | - |
| gingembre | Ingwer | - | - | - |
| menues espices | Feine Gewürzmischung | - | Supermarkt (fertig), Gewürzhändler | Mischung aus Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom |
| saffran | Safran | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine gebackene Kapaunenpastete (pastés de chappons) - Kapaunenfleisch in einer Teighülle, mit Speck belegt und mit Ingwer, feiner Gewürzmischung und Safran gewürzt. Der Eintrag ist extrem knapp und setzt das Pasteten-Handwerk voraus; er gehört zur Pasteten-Sektion des Viandier um via-071 und via-073. Im weiteren Korpus stehen boc-036 (edle Fleischpastete), men-159 (Kükenpastete nach lombardischer Art) und foc-164 (Fleischpastete mit kleinen Vögeln) im selben Verfahren.
lart dessus ("Speck darauf") ist die entscheidende Technik: Eine Lage Speck oder fetter Schweinebauch über dem mageren Kapaunenfleisch hält die Füllung beim Backen saftig und gibt Fett ab - das klassische Bardieren in der Pastete.
menues espices ist die feine Gewürzmischung der französischen Hofküche - typischerweise Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom, oft mit Paradieskörnern; hier ausdrücklich neben Ingwer und Safran genannt.
Der Safran färbt die Füllung goldgelb - die periodentypische Standardfärbung.
Praxis. Kapaunen- (ersatzweise Hähnchen-)Fleisch in eine Pastetenhülle aus festem Teig füllen, eine Lage Speck darüberlegen, mit Ingwer, feiner Gewürzmischung und etwas Safran würzen. Im Ofen backen, bis Teig und Füllung gar sind. Da das Rezept selbst keine Mengen oder Backzeiten nennt, orientiert man sich an ausführlicheren Pasteten wie boc-036 oder via-073.
Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für sein besonders zartes und saftiges Fleisch gezüchtet wird. Er ist größer und fetter als ein normales Huhn. Kapaune sind heute eine Spezialität und meist bei ausgewählten Geflügelhändlern, auf Wochenmärkten oder direkt bei Züchtern erhältlich. Als Alternative kannst du ein großes, hochwertiges Brathähnchen verwenden.
Nein, nicht ideal. Die Zubereitung einer Pastete erfordert einen Backofen und präzise Backtemperaturen, die am offenen Feuer oder in einem Dutch Oven nur schwer zu kontrollieren sind. Die Pastete müsste zu Hause vorbereitet und gebacken werden.
‚Menues espices‘ (feine Gewürze) war im Mittelalter eine gängige Bezeichnung für eine Mischung edler und teurer Gewürze. Die genaue Zusammensetzung variierte, umfasste aber typischerweise Zimt, Nelken, Muskatnuss, Kardamom und manchmal auch Paradieskörner (Maniguette). Du kannst eine eigene Mischung aus diesen Gewürzen herstellen oder eine fertige mittelalterliche Gewürzmischung verwenden.
Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.
Kapaune sind kastrierte Masthähne, die für ihr zartes und fettreiches Fleisch geschätzt wurden.
Im Mittelalter bezeichnete ‚lart‘ oft nicht nur reines Fett, sondern auch Speck oder fetten Schweinebauch.
Eine allgemeine Bezeichnung für eine Mischung aus edlen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Muskatnuss, Kardamom und Paradieskörnern.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Pastes de chappons | chicken Q864693 |
| lart | bacon Q11106 |
| gingembre | ginger Q15046077 |
| saffran | saffron Q25434 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.