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Fleischfüllung für Pasteten (Kalb und Kapaun)

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.PortionenFüllung für 1-2 kleine PastetenBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Nimm Kalbfleisch und Rinderfett und hacke beides zusammen sehr fein. Die dazugehörigen Gewürze sind Ingwer und Zimt. In der Winterart gib feinen Frischkäse hinzu.

Für Kapaunenpasteten verfahre ebenso, verwende anstelle des Kalbfleisches Kapaunenfleisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
veau Kalbfleisch - Metzger -
gresse de beuf Rinderfett - Metzger -
gingembre Ingwer - - -
cynamome Zimt - - -
fromage fin Feiner Frischkäse - - Quark oder Ricotta
chappons Kapaunenfleisch - Geflügelhändler (auf Bestellung) Hähnchenfleisch

Welches Gericht ist das? Die Fleischfüllung für eine gebackene Pastete (pastés de veau) - eine feine Farce aus Kalbfleisch und Rinderfett, gewürzt mit Ingwer und Zimt, in der Winterversion mit frischem Käse angereichert. Das ist eine kompakte Variante des in der höfischen Küche verbreiteten Pasteten-Verfahrens; Martino überliefert die fast identische pastés de veau ou de chapon als mar-009 und mar-133, der Ménagier als men-166 (Kalbs-Pasteten) und men-374 (Geflügel für Pasteten zerlegen).

la facon dyver ("die Winterart") meint die kalte Jahreszeit: Im Winter gibt man fromage fin dazu - frischen, milden Käse, der Bindung, Feuchte und Reichhaltigkeit liefert. Dass im Sommer darauf verzichtet wird, hat praktische Gründe (Haltbarkeit) und ist ein typischer saisonaler Hinweis der Periode.

fromage fin ist hier am ehesten ein frischer Quark-/Frischkäse, nicht geriebener Hartkäse - für Reibkäse stünde sonst râpé. In der Pastetenfüllung dient er als bindendes, saftiges Element.

Die Kapaun-Variante (pastés de chappons) ersetzt nur das Kalbfleisch durch Kapaunenfleisch; das Verfahren bleibt gleich.

Praxis. Mageres Kalbfleisch und Rinderfett zusammen sehr fein hacken oder durch den Fleischwolf lassen (zweimal, feinste Scheibe) - Ziel ist eine glatte Farce. Mit Ingwer und Zimt würzen, in der kalten Jahreszeit einen Esslöffel Quark oder Ricotta untermengen. Diese Füllung kommt in eine Pastetenhülle und wird im Ofen gebacken (siehe via-072, via-073). Für Kapaunenpasteten Kalb durch Kapaunen- bzw. Hähnchenfleisch ersetzen. Die Füllung selbst lässt sich gut vorbereiten, das Backen braucht aber einen regelbaren Ofen.

Was bedeutet 'haches tout ensemble bien menu' und wie setze ich das um?

Diese Anweisung bedeutet, das Fleisch und Fett zusammen sehr fein zu hacken. Im Mittelalter wurde dies oft in einem großen Fleischmörser mit einem schweren Stößel gemacht, um eine feine Farce zu erhalten. Modern kannst du dafür einen Fleischwolf (zweimal durch die feinste Scheibe) oder eine Küchenmaschine verwenden, um eine sehr glatte Paste zu erzielen.

Was ist ein Kapaun und wo bekomme ich ihn?

Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für sein besonders zartes und fettreiches Fleisch geschätzt wurde. Kapaunen sind heute selten und meist nur auf Bestellung bei spezialisierten Geflügelhändlern oder auf dem Wochenmarkt erhältlich. Eine gute Alternative ist hochwertiges Hähnchenfleisch, idealerweise von einem langsam gewachsenen Brathähnchen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht ideal. Die Herstellung einer sehr feinen Fleischfüllung erfordert präzise Küchengeräte wie einen Fleischwolf oder eine Küchenmaschine, die am Lager selten verfügbar sind. Zudem ist die Zubereitung einer Pastete, für die diese Füllung gedacht ist, am offenen Feuer oder in einfachen Lagerbedingungen sehr aufwendig. Bereite die Füllung besser zu Hause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.

Pastes de veau. prenez veau & gresse de beuf & haches tout ensemble bien menu & les espices qui appartinnent sont gingembre cynamome & en la facon dyuer y soit mis fromage fin. Pastes de chappons
Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 010r
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

veauveal Q957434
gingembreginger Q15046077
cynamomecinnamon Q28165
chapponschicken Q864693

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 010r, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Farce ist vorbereitbar, die fertige Pastete braucht aber einen Backofen - am Lager nur mit Backglocke/Dutch Oven und viel Übung.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.