Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Nimm Kalbfleisch und Rinderfett und hacke beides zusammen sehr fein. Die dazugehörigen Gewürze sind Ingwer und Zimt. In der Winterart gib feinen Frischkäse hinzu.
Für Kapaunenpasteten verfahre ebenso, verwende anstelle des Kalbfleisches Kapaunenfleisch.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| veau | Kalbfleisch | Metzger | - |
| gresse de beuf | Rinderfett | Metzger | - |
| gingembre | Ingwer | - | - |
| cynamome | Zimt | - | - |
| fromage fin | Feiner Frischkäse | - | Quark oder Ricotta |
| chappons | Kapaunenfleisch | Geflügelhändler (auf Bestellung) | Hähnchenfleisch |
Welches Gericht ist das? Die Fleischfüllung für eine gebackene Pastete (pastés de veau) - eine feine Farce aus Kalbfleisch und Rinderfett, gewürzt mit Ingwer und Zimt, in der Winterversion mit frischem Käse angereichert. Das ist eine kompakte Variante des in der höfischen Küche verbreiteten Pasteten-Verfahrens; Martino überliefert die fast identische pastés de veau ou de chapon als mar-009 und mar-133, der Ménagier als men-166 (Kalbs-Pasteten) und men-374 (Geflügel für Pasteten zerlegen).
la facon dyver ("die Winterart") meint die kalte Jahreszeit: Im Winter gibt man fromage fin dazu - frischen, milden Käse, der Bindung, Feuchte und Reichhaltigkeit liefert. Dass im Sommer darauf verzichtet wird, hat praktische Gründe (Haltbarkeit) und ist ein typischer saisonaler Hinweis der Periode.
fromage fin ist hier am ehesten ein frischer Quark-/Frischkäse, nicht geriebener Hartkäse - für Reibkäse stünde sonst râpé. In der Pastetenfüllung dient er als bindendes, saftiges Element.
Die Kapaun-Variante (pastés de chappons) ersetzt nur das Kalbfleisch durch Kapaunenfleisch; das Verfahren bleibt gleich.
Praxis. Mageres Kalbfleisch und Rinderfett zusammen sehr fein hacken oder durch den Fleischwolf lassen (zweimal, feinste Scheibe) - Ziel ist eine glatte Farce. Mit Ingwer und Zimt würzen, in der kalten Jahreszeit einen Esslöffel Quark oder Ricotta untermengen. Diese Füllung kommt in eine Pastetenhülle und wird im Ofen gebacken (siehe via-072, via-073). Für Kapaunenpasteten Kalb durch Kapaunen- bzw. Hähnchenfleisch ersetzen. Die Füllung selbst lässt sich gut vorbereiten, das Backen braucht aber einen regelbaren Ofen.
Diese Anweisung bedeutet, das Fleisch und Fett zusammen sehr fein zu hacken. Im Mittelalter wurde dies oft in einem großen Fleischmörser mit einem schweren Stößel gemacht, um eine feine Farce zu erhalten. Modern kannst du dafür einen Fleischwolf (zweimal durch die feinste Scheibe) oder eine Küchenmaschine verwenden, um eine sehr glatte Paste zu erzielen.
Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für sein besonders zartes und fettreiches Fleisch geschätzt wurde. Kapaunen sind heute selten und meist nur auf Bestellung bei spezialisierten Geflügelhändlern oder auf dem Wochenmarkt erhältlich. Eine gute Alternative ist hochwertiges Hähnchenfleisch, idealerweise von einem langsam gewachsenen Brathähnchen.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, mit späteren Erweiterungen bis ins 15. Jahrhundert. Es spiegelt die höfische Küche des französischen Adels wider.
Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Die Herstellung einer sehr feinen Fleischfüllung erfordert präzise Küchengeräte wie einen Fleischwolf oder eine Küchenmaschine, die am Lager selten verfügbar sind. Zudem ist die Zubereitung einer Pastete, für die diese Füllung gedacht ist, am offenen Feuer oder in einfachen Lagerbedingungen sehr aufwendig. Bereite die Füllung besser zu Hause vor.
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