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Frittierte Salbeiblätter

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4 Personen (als Beilage/Dessert)BuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm ein wenig feines Weizenmehl und verrühre es mit Eiern und Zucker. Gib ein wenig Zimt und Safran hinzu, damit die Masse schön gelb wird. Halte ganze Salbeiblätter bereit und tauche sie einzeln in diese Masse ein oder umhülle sie damit. Frittiere die Blätter anschließend in Schmalz oder gutem Pflanzenöl.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Piglia un poco di fiore di farina Etwas feines Weizenmehl - -
ova Eier - -
zuccaro Zucker - -
un poca di canella Etwas Zimt - -
zafrano Safran Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel -
foglie de salvia integre Ganze Salbeiblätter Gärtnerei / Wochenmarkt -
strutto Schweineschmalz Metzger / Supermarkt Pflanzenöl
bono olio Gutes Pflanzenöl (z.B. Olivenöl) - -

Welches Gericht ist das? Ausgebackene Salbeiblätter im süßen Eierteig - ein knuspriges Kräutergebäck, das es bis heute als salvia fritta in der italienischen Küche gibt. Der direkte Korpus-Zwilling ist teg-039 („Gebackener Salbei“ aus dem Tegernseer Speisenbuch); verwandt sind die frittierten Kräuterküchlein bei Form of Cury (foc-169).

Der Teig ist ein dünner Ausbackteig aus fiore di farina (feinstem Weizenmehl), Ei und Zucker, mit Zimt gewürzt und mit Safran gelb gefärbt. Frictelle heißt hier nicht „Krapfen“ im engen Sinn, sondern allgemein Frittiertes - das namensgebende Element ist das ganze Salbeiblatt, nicht der Teig.

Maestro Martino lässt offen, ob die Blätter nur eingetaucht (integnere) oder ganz umhüllt (involtare) werden. Beides funktioniert: dünn überzogen bleibt das Blatt sichtbar und aromatisch, dick umhüllt entsteht ein kleines Küchlein mit Salbei im Kern.

Praxis. Aus ca. 100 g feinem Mehl, 1 Ei, 1-2 EL Zucker, einer Prise Zimt und einigen in wenig warmem Wasser eingeweichten Safranfäden einen dünnflüssigen Ausbackteig rühren. Große, trockene Salbeiblätter (mit Stiel zum Halten) durchziehen und in heißem Schmalz oder gutem Öl (ca. 170 °C) goldgelb ausbacken. Auf Papier abtropfen, warm und frisch essen - sie verlieren rasch die Knusprigkeit.

Was ist ‚fiore di farina'?

‚Fiore di farina' bedeutet wörtlich ‚Blütenmehl' und bezeichnet das feinste, weißeste Weizenmehl, das im Mittelalter erhältlich war. Heute entspricht dies am ehesten einem Weizenmehl Type 405 oder 550.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich eine Pfanne und ausreichend Fett zum Frittieren über offenem Feuer oder Glut. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist schnell.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in Norditalien verfasst und gilt als Meilenstein der europäischen Kochkunst, da es detaillierte Anweisungen und innovative Techniken bietet.

Kann ich auch andere Kräuter verwenden?

Obwohl das Rezept explizit Salbei nennt, kannst du experimentieren. Minze oder Zitronenmelisse könnten interessante Alternativen sein, würden aber den Charakter des Originalrezepts verändern.

Frictelle de salvia. Piglia un poco di fiore di farina, et distemperala con ova et zuccaro, et un poca di canella et zafrano perché sia gialla; et habi de le foglie de salvia integre, et ad una ad una l'integnirai o involterai in questa tale compositione, frigendole nel strutto o in bono olio.
Frictelle de salvia

Frittierte Salbeiblätter. Frictelle steht allgemein für Frittiertes, nicht nur für Krapfen.

fiore di farina

Wörtlich „Blütenmehl“ - das feinste, weißeste Weizenmehl (heute Type 405/550).

perché sia gialla

„Damit sie gelb wird“ - der Safran färbt den Teig golden, periodentypisch.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 43v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartintegnirai o involterai

Gewählte Lesart: „eintauchen oder umhüllen“ - die Blätter werden in den Ausbackteig getaucht und davon überzogen.

Andere mögliche Lesart:

  • „einfärben oder umwickeln“ - integnere kann auch „einfärben/tunken“ heißen; da die gefärbte Masse die Blätter umgibt, laufen Tunken und Färben hier praktisch aufs Gleiche hinaus. involtare meint eindeutig „einhüllen“.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 43v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Pfanne und ausreichend Fett zum Ausbacken über Feuer oder Glut genügen, Zutaten gut transportierbar.
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