Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Forme eine sehr große Pastetenhülle. Mache in den Boden ein Loch, so groß, dass deine Faust hindurchpasst, oder größer, wenn es dir gefällt. Die Ränder ringsum sollen etwas höher sein als gewöhnlich. Fülle die Hülle mit Mehl und backe sie im Ofen. Ist sie gebacken, öffne das Loch unten und entferne das Mehl. Halte eine andere kleine Pastete bereit, gefüllt mit guter, gut gekochter und gewürzter Speise, gefertigt nach dem Maß des Loches in der großen Form. Durch dieses Loch setze die kleine Pastete in die besagte Form. In den Hohlraum, der ringsum die kleine Pastete bleibt, setze lebende Vögel, so viele hineinpassen. Die besagten Vögel sollen genau in dem Moment hineingesetzt werden, wenn du die Pastete zu Tisch bringen willst. Vor den Gästen am Festmahl hebe den oberen Deckel ab, und die Vögel werden davonfliegen. Dies dient dazu, der Gesellschaft Freude und Vergnügen zu bereiten. Und damit sie nicht betrogen werden, lasse ihnen von der kleinen Pastete abschneiden. Wie gesagt, du kannst mehr als eine machen, so viele du möchtest. Ähnliches kannst du auch in Form einer Torte tun, indem du die Dinge so zusammensetzt und anpasst, dass sie gut funktionieren.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| una forma di pastello ben grande | Große Pastetenhülle (aus Mürbe- oder Blätterteig) | - | - |
| farina | Mehl | - | - |
| un altro pastelletto pieno di bona roba ben cotto et stagionato | Kleine, gefüllte Pastete (z.B. mit Fleischfarce oder Gemüse) | - | - |
| ucelli vivi | Lebende Vögel (⚠ Artenschutz beachten!) | ⚠ Nicht erhältlich; Artenschutz verbietet den Fang und die Haltung von Wildvögeln für solche Zwecke. Auch Zier- oder Haustiere dürfen nicht in die Wildnis entlassen werden. | Symbolische Vögel (z.B. aus Papier oder Stoff), oder für eine moderne, ethisch vertretbare Darbietung: Freilassung von Zuchttauben (nur nach Genehmigung und unter Aufsicht, da sie nicht überleben können). |
Die Verwendung lebender Wildvögel, wie im Originalrezept beschrieben, ist heute aus Tierschutzgründen und rechtlich (Artenschutz) nicht zulässig. Auch das Freilassen von Zier- oder Haustieren in die Wildnis ist verboten und unverantwortlich. Für eine historische Darstellung kann man symbolisch Vögel aus Papier oder Stoff verwenden. Wer einen ähnlichen Effekt erzielen möchte, könnte (nach sorgfältiger Prüfung der lokalen Gesetze und mit Genehmigung) Zuchttauben freilassen, die jedoch wieder eingefangen werden müssen, da sie in der Wildnis nicht überleben können. Wir empfehlen, dieses Rezept als historische Kuriosität zu betrachten und nicht wörtlich umzusetzen.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund seiner komplexen Konstruktion, der Notwendigkeit eines Ofens und der Verwendung lebender Tiere nicht für die Zubereitung am Lagerfeuer oder auf einem Mittelaltermarkt geeignet. Es erfordert eine kontrollierte Umgebung und präzises Timing. Die essbare kleine Pastete kann jedoch zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria' (Buch der Kochkunst) von Maestro Martino da Como, einem der berühmtesten Köche des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in Norditalien verfasst und gilt als eines der wichtigsten Kochbücher der italienischen Renaissance.
Eine ‚fliegende Pastete' (Pastello volativo) ist ein spektakuläres Schaugericht, das bei Festmahlen im Mittelalter und der Renaissance serviert wurde. Dabei wurden lebende Vögel in eine große Pastetenhülle gesetzt, die beim Servieren geöffnet wurde, sodass die Vögel davonfliegen konnten. Es diente der Unterhaltung und dem Vergnügen der Gäste, während eine kleinere, essbare Pastete im Inneren den kulinarischen Beitrag lieferte.
Wörtlich ‚fliegende Pastete'. Ein Schaugericht, bei dem lebende Vögel aus einer Pastete entweichen.
Eine Pastete, hier die große Hülle.
Eine kleine Pastete, die den essbaren Teil des Gerichts darstellt.
Wörtlich ‚gute Sache' oder ‚gute Ware', hier im Sinne von ‚gute Speise' oder ‚Füllung'.
Gesellschaft, Festgesellschaft.
Betrogen, hier im Sinne von ‚nicht leer ausgehen' oder ‚nicht ohne Speise bleiben'.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pastello
Gewählte Lesart: Pastete
pastelletto
Gewählte Lesart: kleine Pastete
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